Service an Bord

Muss ich bei einer Kreuzfahrt eigentlich Trinkgeld zahlen?

Eine Kreuzfahrt hat in Sachen Trinkgeld ihre Tücken. Denn nicht immer ist es automatisch im Reisepreis enthalten, und jede Reederei hat in Sachen Trinkgeld ihre eigenen Regeln. Ein Überblick.

Bei manchen Kreuzfahrtanbietern ist das Trinkgeld bereits im Reisepreis inbegriffen, bei anderen gibt man die kleine Anerkennung individuell an Kellner, Zimmermädchen und Co.
Bei manchen Kreuzfahrtanbietern ist das Trinkgeld bereits im Reisepreis inbegriffen, bei anderen gibt man die kleine Anerkennung individuell an Kellner, Zimmermädchen und Co.
Foto: Getty Images

Endloses Meer, Sonne, eine leichte Brise, ein kühler Drink an Deck, dazu ein ausgezeichneter Service – so lässt es sich auf einer Kreuzfahrt gut aushalten. Kein Wunder, dass die Zahl der Passagiere immer weiter steigt: 6,6 Millionen Europäer unternahmen allein im Jahr 2015 laut Branchenverband Clia eine Kreuzfahrt.

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Für die Mitarbeiter an Bord der Schiffe ist das Trinkgeld oft Teil des Einkommens. Ein Beispiel: Royal Caribbean International empfiehlt Gästen pro Tag ein Trinkgeld in Höhe von 13,50 Dollar in Kabinen und 16,50 Dollar in Suiten.

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Trinkgeld nicht immer im Reisepreis enthalten

„Viele denken, das Trinkgeld ist im Reisepreis enthalten“, sagt Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. „Das ist aber längst nicht bei jeder Reederei so.“ Der Kreuzfahrtjournalist Franz Neumeier bestätigt das: „Vor allem bei den internationalen Reedereien wird das Trinkgeld erst an Bord erhoben.“

Allerdings gilt: „Wer in Deutschland eine Kreuzfahrt bucht, kann sich auf die Preisangabeverordnung berufen“, sagt Degott. Dort heißt es in Paragraf 1: Preise müssen mit allen Bestandteilen einschließlich der Umsatzsteuer angegeben werden. Diese Regelung greift auch für Reedereien, die ihren Hauptsitz im Ausland haben. „Jeder, der in Deutschland eine Ware oder Dienstleistung anbietet, muss sich an diese Regelung halten.“ Das könne auch nicht durch Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ausgehebelt werden.

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Regeln müssen klar kommuniziert werden

Auch muss ein Veranstalter seine Kunden klar auf entsprechende Regeln hinweisen. „Eine kleine Fußnote reicht da nicht unbedingt aus“, sagt Degott mit Blick auf ein Urteil des Kammergerichts Berlin. Die Richter hatten auf Grundlage der Preisangabeverordnung entschieden, dass auch Zwangstrinkgelder im Reisepreis enthalten sein müssen (Az.: 5 W 11/13). In dem Fall wurde für eine Kreuzfahrt mit der Preisangabe „Euro 555,- p.P. zzgl. Service Entgelt*“ geworben. Dem Gericht fehlten hier entscheidende Angaben.

Deshalb werden bei Buchung einer Kreuzfahrt auf Schiffen von Royal Caribbean International die Trinkgelder in der Regel bereits mit angegeben. Wie bei den meisten internationalen Reedereien üblich, werden sie dem Bordkonto automatisch belastet. Passagieren ist es aber freigestellt, das Trinkgeld nach den eigenen Vorstellungen anzupassen oder auch komplett zu stornieren. „Diskussionen über die Trinkgelder gibt es wenn nur vor der Kreuzfahrt“, sagt Pressesprecher Peter Ulf Geisler. „An Bord sind die allermeisten unserer Gäste von der Herzlichkeit und vom Servicegedanken unserer Crew begeistert.“

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Auf Nebenkosten schon beim Buchen achten

Ähnliche Erfahrungen hat man auch auf den Schiffen von Aida Cruises gemacht. Zwar erhebt die Reederei wie fast alle deutschen Reedereien kein obligatorisches Trinkgeld. An Bord geben Gäste der Service-Crew aber dennoch oft etwas. „Unseren Gästen ist es überlassen, ein freiwilliges Trinkgeld direkt an die Crew zu geben“, sagt eine Sprecherin. Wie das Geld verwendet wird, entscheidet der Schiffsrat. „Die Erfahrung zeigt, das Gäste unseren guten Service an Bord schätzen und oftmals auf die Möglichkeit zurückgreifen, ein freiwilliges Trinkgeld zu geben.“

Franz Neumeier rät, schon beim Buchen auf eventuelle Nebenkosten zu achten. „Mit ein wenig gutem Willen kann man entsprechende Hinweise in den Unterlagen und Prospekten finden“, weiß der Reiseexperte. Wer in einem Reisebüro bucht, kann auch seinen Berater direkt nach Trinkgeldern fragen. Wurde das Geld an Bord zu Unrecht erhoben, können Reisende sich wehren: „Sie wenden sich am besten an die Rezeption“, sagt Neumeier. Sind die Ansprüche berechtigt, bekommen Reisende das Geld in der Regel erstattet.

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Trinkgeld-regelungen einzelner Reedereien

  • Aida Cruises: Trinkgelder sind inklusive, Gäste können freiwillig an Bord Trinkgeld geben.
  • Tui Cruises: Trinkgeld inklusive. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, freiwillig an Bord Trinkgeld zu geben.
  • Costa: 10 Euro pro Person und Nacht werden als vorgeschlagener Trinkgeldbetrag auf die Bordrechnung gebucht, können jedoch an Bord durch den Passagier verändert werden.
  • MSC: Auch bei MSC beträgt die Trinkgeldempfehlung 10 Euro (in der Karibik 12,50 US-Dollar). Wie bei Costa kann der Betrag jedoch verändert werden.
  • Royal Caribbean: In normalen Kabinen wird ein Trinkgeld von 13,50 US-Dollar, in Suiten von 16,50 Dollar berechnet. Es kann entweder vor der Reise oder an Bord bezahlt werden – auch eine Veränderung oder Stornierung ist möglich.
  • Norwegian Cruise Line: Bei Buchungen aus dem deutschsprachigen Markt ist das Trinkgeld inklusive.
  • Phoenix: Es gibt keine obligatorischen Trinkgelder, empfohlen werden aber 4 bis 5 Euro pro Person und Tag.

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