Wenn eine Biene den Heimflug vermasselt...

... und 4 weitere lustige neue Urteile im Reiserecht

Bekomme ich Entschädigung, wenn mein Flugzeug von einer Biene lahmgelegt wird? Und darf der Reiseveranstalter mich von der Snowboard-Gruppe ausschließen, weil ich im Vergleich zu den anderen zu schlecht bin? TRAVELBOOK zeigt die fünf neuesten Richtersprüche im Reiserecht.

Bekomme ich Entschädigung, wenn mein Flugzeug von einer Biene lahmgelegt wird? Und darf der Reiseveranstalter mich von der Snowboard-Gruppe ausschließen, weil ich im Vergleich zu den anderen zu schlecht bin? TRAVELBOOK zeigt die fünf neuesten Richtersprüche im Reiserecht.

Biene verursacht Defekt am Flugzeug: Kein Geld für Passagiere

Wie empfindlich ein großes Flugzeug sein kann, hat eine kleine Biene bewiesen. Da sie die Technik gestört hat, gab es eine massive Verspätung.

Der Fall: Der Kläger hatte einen Flug von Antalya nach Düsseldorf gebucht. Er hatte massiv Verspätung. Diese begründete die Airline damit, dass bei einem vorangegangenen Flug eine Biene in das sogenannte Pilot-Rohr geflogen war, das für die Geschwindigkeitsmessung zuständig ist. Deshalb habe man auf ein Ersatzflugzeug umsteigen müssen. Nach Ansicht der Airline handelte es sich um einen außergewöhnlichen Umstand, eine Ausgleichszahlung stehe den Passagieren deshalb nicht zu.

Das Amtsgericht Düsseldorf gab der Airline grundsätzlich recht. Laut Urteil  (Az.: 36 C 6837/13) handelt es sich um einen außergewöhnlichen Umstand, wenn es an einem Flugzeug zu einem Defekt kommt, weil eine Biene in die Technik eingedrungen ist. Aus diesem Grund stehe den Passagieren keine Ausgleichszahlung zu.

Allerdings: Da von der Biene der vorherige Flug betroffen war, hätte die Airline darlegen müssen, was sie alles unternommen hat, um den Folgeflug pünktlich starten zu lassen. Das habe sie jedoch nicht gemacht. Den Passagieren stehe deshalb eine Ausgleichszahlung zu.

Darf man einen schlechten Snowboarder aus der Gruppe ausschließen?

Für einen Snowboard-Urlauber ging ein Camp-Aufenthalt in Davos frühzeitig zu Ende  – weil er die Wintersportart nicht ausreichend beherrschte.

In dem verhandelten Fall hatte der Kläger an einer Pauschalreise nach Davos teilgenommen. Hauptbestandteil dieser Reise war ein sogenanntes Freeride-Camp. Am zweiten Tag wurde er vom Veranstalter ausgeschlossen. Daraufhin klagte er und verlangte die Reisekosten teilweise zurück.

Das Amtsgericht Münster hat zugunsten des Reiseveranstalters entschieden (Az.: 5 C 2841/11). Laut Urteil darf ein Urlauber vom Reiseveranstalter von einem speziellen Snowboard-Camp ausgeschlossen werden, wenn er dafür keine ausreichenden Snowboard-Kenntnisse besitzt. Ihm steht dann keine Minderung des Reisepreises zu.

Laut Richterspruch stellt der Ausschluss vom Camp keinen Reisemangel dar, der eine Minderung des Reisepreises rechtfertigt. Denn – wie Zeugen glaubhaft darlegten – verfügte der Kläger nur über unzureichende Snowboard-Kenntnisse. Er sei zum Beispiel nicht in der Lage gewesen, im Gelände Kurven zu fahren. Eine Teilnahme am Camp sei deshalb aus Sicherheitsgründen nicht möglich gewesen.

Der Veranstalter habe auch nicht seine Hinweispflichten verletzt. Grundsätzlich müsse er die Reisenden über die Art der Reise und die damit verbundenen Risiken informieren. Er muss nach Ansicht der Richter jedoch nicht die Eignung einzelner Teilnehmer überprüfen.


KEIN GELD Bei Flugverspätung wegen Vogelschlags

Kommt es wegen eines Vogelschlags am Flugzeug zu einer massiven Verspätung, steht Passagieren eine Ausgleichszahlung zu. Die Airline könne sich nicht auf „außergewöhnliche Umstände“ berufen, entschied das Amtsgericht Frankfurt (Az.: 29 C 811/11 [21]).

In dem verhandelten Fall hatte die Klägerin einen Flug von Frankfurt am Main nach Cancún in Mexiko gebucht. Geplanter Abflug war um 14.00 Uhr. Tatsächlich startete die Maschine erst um 7.30 Uhr am nächsten Tag. Die Ankunftsverspätung betrug mehr als 18 Stunden. Grund für die Verspätung war, dass das Flugzeug beim Landeanflug auf Frankfurt von Vögeln getroffen wurde. Unter anderem gab es einen Schaden an der linken äußeren Landeklappe. Die Klägerin forderte von der Airline eine Ausgleichszahlung. Diese steht Passagieren laut EU-Verordnung bei einem Flugausfall oder massiven Verspätungen zu – sofern diese nicht auf außergewöhnliche Umstände zurückzuführen sind.

Vogelschlag sei kein außergewöhnlicher Umstand, entschied das Amtsgericht. Technische Probleme seien nur außergewöhnliche Umstände, wenn sie nicht Teil des normalen Flugbetriebs und von der Airline nicht zu beherrschen sind. Eine Beschädigung durch Vögel komme aber bei Flugzeugen häufig vor, da die Tiere eben naturgemäß im Luftraum unterwegs sind.

Allerdings gibt es zum Thema Vogelschlag auch ein anderslautendes Urteil: So entschied das Landgericht Frankfurt/Main, dass ein Triebwerksschaden am Flugzeug infolge eines Vogelschlags ein außergewöhnlicher Umstand sei (Az.: 2-24 S 111/12).

Wer haftet, wenn das Bodenpersonal Unsinn redet?

Wenn sich Reisende auf die Aussage einer Airline-Mitarbeiterin verlassen, dass sie rechtzeitig am Gate ankommen, haftet die Airline, wenn der Flieger bereits gestartet ist. Das hat das Amtsgericht Rostock entschieden (Az.: 47 C 303/12).

In dem Fall hatte die Klägerin für sich und ihren Lebensgefährten eine Kreuzfahrt gebucht. Der Hinflug sollte von Hamburg nach La Romana in der Dominikanischen Republik erfolgen. Am Flughafen stellte das Paar fest, dass es einen Koffer zu Hause vergessen hatte. Die Tochter sollte versuchen, ihn noch rechtzeitig zum Flughafen zu bringen. Das gelang. Nach dem Einchecken erreichten beide um 7.35 Uhr das Boardinggate. Dort wurden sie aber nicht mehr ins Flugzeug gelassen. Der Koffer flog allein nach La Romana. Das Paar musste zwei Tage später fliegen. Dadurch entstanden Kosten für Hotelübernachtungen, Transfers und Ersatzanschaffungen. Die Klägerin verlangte das Geld vom Veranstalter zurück – plus Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit.

Vor Gericht hatte sie Erfolg. Dass sie den Flug verpasste, sei auf ein Fehlverhalten einer Mitarbeiterin der Airline zurückzuführen. Das Paar habe sich auf deren Aussage verlassen, dass es vor dem Check-in-Schalter sitzenbleiben könne und alle zuständigen Mitarbeiter informiert seien.

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Darf man ein Ferienhaus kündigen, weil es im Neubaugebiet liegt?

Die mangelhafte Ausstattung und schlechte Lage eines Ferienhauses rechtfertigt nicht automatisch eine Kündigung des Reisevertrages. Das hat das Amtsgericht Münster entschieden (Az.: 28 C 2302/10).

In dem Fall hatte der Kläger über den Jahreswechsel ein Ferienhaus in Polen gebucht. Im Internet wurde es unter anderem als „modernes Ferienhaus“ in „erstklassiger, ruhiger Lage am Ortsrand“ beschrieben. Vor Ort war der Kläger mit den Bedingungen nicht zufrieden. Er rief den Vermieter an und beschwerte sich. Weil kein anderes Ferienhaus zur Verfügung stand, reisten die Urlauber wieder ab. Von dem Vermieter forderten sie den Reisepreis sowie die Kosten für die unnütze Fahrt zurück.

Vor Gericht scheiterte der Kläger. Die Beschreibung der Lage beinhalte keine Alleinlage des Objektes. Dass es in einem Neubaugebiet am Rand des eigentlichen Ortes liegt, sei kein Reisemangel. Auch eine schlammige Zufahrt sei im Dezember durchaus zuzumuten. Der Kläger habe außerdem keine Luxusreise, sondern eine Billigreise gebucht. Auch die Ausstattung des Ferienhauses sei nach Aussage von Zeugen nicht so mangelhaft gewesen, dass diese eine Kündigung des Reisevertrages gerechtfertigt hätte.

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Über alle hier erwähnten Urteile hat die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift „ReiseRecht aktuell“ berichtet.

(dpa)