Experte erklärt

Darum ist das Internet auf Kreuzfahrtschiffen so teuer

Internet Kreuzfahrt
Ein Megabyte Datenvolumen kann nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen auf See bis zu 30 Euro kosten. Experten raten deshalb mobile Geräte nur im Flugmodus zu nutzen.
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Kreuzfahrtschiffe sind heutzutage alle mit Internet ausgestattet. Der Empfang funktioniert über eine Satellitenverbindungen – die ist meist aber weder schnell noch sonderlich günstig. Aber woran liegt das eigentlich? Und wie kann man die Kostenfalle vermeiden?

Die meisten Kreuzfahrt-Urlauber wissen, dass die Internetverbindung auf dem Schiff via Satellit teuer ist. Doch ist es wirklich riskant, nur mal kurz online zu sein? Auch das geht oft richtig ins Geld.

Wie teuer das werden kann, zeigt der Fall einer Berliner Familie, deren Sohn auf einer Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo Videos auf dem Handy anschaute. Sie erhielt hinterher eine Rechnung des Mobilfunkanbieters über 12.000 Euro. Die Reederei reduzierte die Summe aus Kulanz auf 5000 Euro. Die Familie wollte daraufhin rechtlich gegen die Forderung vorgehen.

Warum ist das Internet bei einer Kreuzfahrt so teuer?

Ein Megabyte Datenvolumen kann nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bis zu 30 Euro kosten. Und die weltweite Trennung der Verbindung bei Kosten ab 59,50 Euro gelte auf See in der Regel nicht.

Die hohen Preise haben zwei Ursachen, erklärt Franz Neumeier, Journalist und Kreuzfahrt-Experte. Zum einen ist Satellitentechnik nötig, um das Internet an Bord zu bringen – die kostet. Zum anderen sind der Bandbreite des Netzes auf See enge Grenzen gesetzt. Wenn zu viele Menschen gleichzeitig online sind, wird die Verbindung extrem langsam. „Die Preise haben damit auch einen gewissen prohibitorischen Zweck.“ Sie sollen Reisende vor übermäßiger Nutzung abhalten und damit verhindern, dass die Leitung überlastet ist.

Wie kann ich hohe Mobilfunk-Kosten vermeiden?

Die Stiftung Warentest hat in ihrer Zeitschrift „Finanztest“ (Ausgabe 1/2019) untersucht, wie sich hohe Kosten auf See vermeiden lassen.

  • Flugmodus aktivieren: Damit gehen Urlauber auf Nummer sicher. Alternativ „Mobile Daten“ und das WLAN abstellen. Das Gerät stellt dann keine Verbindung zum Internet her. Apps aktualisieren sich nicht automatisch – das lässt sich auch gesondert in den Einstellungen deaktivieren. E-Mails und Messenger-Nachrichten empfängt der Nutzer dann allerdings weiterhin.
  • „Automatische Netzwahl“ abstellen: Das starke Bordnetz sei oft das teuerste, so die Stiftung Warentest. Und das Handy wählt sich meist automatisch in das stärkste verfügbare Netz ein. Daher besser die „manuelle Netzwahl“ einstellen. Beim Landgang lässt sich dann prüfen, welche Netze zur Verfügung stehen.
  • Über Kosten informieren: An Land wird die Datenverbindung des Handys gekappt, wenn 59,90 Euro angefallen sind. Auf See gibt es diesen „Airbag für die Kosten“ nicht unbedingt, auch die EU-Roaming-Verordnung gilt nicht. Daher sollten Urlauber sich vor der Kreuzfahrt bei der Reederei genau darüber informieren, welche Kosten für das Telefonieren und Surfen anfallen können.
  • Pakete der Reedereien nutzen: Die Daten- und Mobilfunkpakete der Reedereien sind laut Stiftung Warentest meist die beste Option. Die Kosten lassen sich damit kalkulieren – bleiben jedoch hoch. Bei Aida Cruises zum Beispiel kostet das 3-Gigabyte-Paket („Paket XL Europa“) 99,90 Euro, bei Tui Cruises sind es 55,50 Euro („Tarif Europa L“). Die Reedereien bieten auch Social-Media-Pakete.

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Kreuzfahrt-ExperteFranz Neumeier hat einige weitere Tipps parat:

  • Für Minuten statt für Daten zahlen: Wer für Minuten statt bestimmte Datenmengen zahlt, profitiert laut Kreuzfahrt-Experte Neumeier von schnellen Leitungen.
  • Zeitpunkt zum Surfen gut auswählen: An Bord sollte man laut Neumeier möglichst zu Zeiten im Internet sein, an dem andere nicht surfen. „Dann gehen mehr Daten durch die Leitung, und man nutzt die Surfzeit effektiver.“ Früh am Morgen sind meist nur wenige Menschen im Netz, berichtet Neumeier. Das sei eine gute Zeit zum Surfen.
  • An Land kostenlos surfen: Gar nichts zahlt, wer sich in der Zeit am Hafen oder beim Landgang ein kostenloses WLAN-Netz sucht, zum Beispiel in einem Café.