Nachgefragt beim Anwalt

Darf mir mein Arbeitgeber verbieten, in ein Corona-Risikogebiet zu reisen?

Frau am Strand in Thailand
Reisen nach Asien sind aktuell nur schwer möglich – hat hier auch der Arbeitgeber mitzureden?
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Wegen der Corona-Pandemie besteht für zahlreiche Länder vorerst bis zum 31. August 2020 weiterhin eine Reisewarnung seitens des Auswärtigen Amts. Da Warnung aber nicht Verbot ist, sind Reisen in Corona-Risikogebiete trotzdem möglich. Doch darf ich eigentlich seitens meines Arbeitgebers in ein Risikogebiet fahren? Oder darf er mir das sogar verbieten? TRAVELBOOK hat bei Rechtsanwalt Jan Bartholl nachgefragt.

Während Urlaub in den meisten europäischen Ländern wieder möglich ist, warnt das Auswärtige Amt weiterhin vor Reisen in rund 160 Länder, darunter auch beliebte deutsche Urlaubsländer wie die Türkei, die USA oder Ägypten. Was ist aber, wenn ich trotz der Reisewarnung in diese Länder fliegen möchte – darf mein Arbeitgeber das angesichts des erhöhten Infektionsrisikos verbieten? Laut Rechtsanwalt Jan Bartholl ist die Antwort  ganz klar „Nein.” Der Grund: „Urlaub ist eine Privatangelegenheit.” Ist der einmal genehmigt, dürfen Arbeitnehmer fahren, wohin sie wollen und müssen dem Arbeitgeber das Ziel auch nicht sagen.

Es gibt jedoch ein „Aber”: „Das Nein ist einzuschränken, wenn der Arbeitnehmer gezielt in ein Risikogebiet fährt und sich dort fahrlässig verhält”, sagt Bartholl und erklärt: „Urlaub ist zwar privat, wenn Sie danach jedoch in Quarantäne müssen, kann es aber sein, dass der Arbeitgeber den Lohn während Ihres Ausfalls nicht fortzahlen muss.”

Was bedeutet „grob fahrlässig” in Corona-Zeiten?

Die Reise ins Risikogebiet allein gelte noch nicht als grob fahrlässig, erklärt Bartholl. Anders sehe das jedoch aus, wenn sich jemand nicht an die gebotenen Verhaltensweisen halte, wie etwa eine Maske zu tragen, sich regelmäßig und gründlich die Hände zu waschen und den Sicherheitsabstand zu anderen Personen einzuhalten.

Denn: Als Arbeitnehmer gibt es Nebenpflichten, wie etwa die Rücksichtnahme auf die Kollegen und den Arbeitgeber. Deshalb dürfe der Arbeitgeber zum Beispiel fragen, ob der Arbeitnehmer nach der Rückkehr auf Covid-19 getestet worden sei und welches Ergebnis vorliege, sagt der Anwalt.

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Gekündigt werden kann einem positiv-getesteten Arbeitnehmer, der sich in seinem Urlaub grob fahrlässig verhalten habe, übrigens nicht ohne Weiteres. Eine Abmahnung deshalb ist jedoch möglich.