Ausfälle und Verspätungen

Sturm-Chaos! Das sind jetzt Ihre Rechte bei der Deutschen Bahn

In der Weihnachtszeit werden die Züge der Deutschen Bahn wieder besonders voll sein
Wenn die Züge der Deutschen Bahn mal wieder besonders voll sind...
Foto: dpa Picture Alliance

Bekomme ich eigentlich eine Entschädigung, wenn ich meinen Anschlusszug wegen Verspätung verpasse? Spielt die Umsteigezeit eine Rolle? Wann darf ich einen höherwertigen Zug nehmen – und wann ein Taxi? TRAVELBOOK beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Fahrgastrechten bei der Deutschen Bahn angenommen!

Aktuell ist der Zugverkehr wegen des Sturms „Eberhard“ bundesweit, vor allem aber in NRW erheblich gestört. Etliche Züge fallen aus, es gibt große Probleme im Berufsverkehr.

Aber auch sonst haben wahrscheinlich die meisten Bahnfahrer eine – nicht ganz so extreme – Situation schon einmal erlebt: Viele Fahrgäste sind in solchen Momenten verzweifelt und wissen nicht, welche Rechte sie haben. TRAVELBOOK antwortet auf die wichtigsten Fragen!

Mein Zug fährt wegen des Sturms nicht – welche Rechte habe ich?

Auf TRAVELBOOK-Anfrage beruhigt ein Sprecher der Deutschen Bahn: „Sämtliche Fahrgastrechte gelten auch in diesem Fall vollumfänglich weiter – bei der Bahn gibt es so etwas wie ‘höhere Gewalt‘ nicht.“

Ein Fahrgast bekommt in diesem Fall den Ticketpreis zurück. „Bei einem Sturm tragen Bahnunternehmen zwar keine Schuld. Fallen jedoch wie jetzt reihenweise Züge ersatzlos aus, bekommen die betroffenen Fahrgäste den Ticketpreis komplett erstattet“, berichtet BILD. „Das gelte für alle Tickets, sagte ein Sprecher der Bahn. Aber auch alle Tickets, inklusive der Sparpreis-Tickets können eine Woche nach Störungsende noch flexibel genutzt werden.“

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VOR DER FAHRT:

Ich stehe am Bahnhof und sehe, dass mein Zug Verspätung hat oder ausfällt. Was kann ich tun?

Ab einer zu erwartenden Verspätung von mindestens 20 Minuten am Zielort hat der Fahrgast mehrere Möglichkeiten. Er kann entweder seine Fahrt auf der gleichen Strecke zu einem späteren Zeitpunkt oder über eine andere Strecke fortsetzen. Außerdem kann er auch einen anderen Zug wählen, also z.B. von IC auf EC umsteigen. Das gilt auch, wenn der Fahrgast eigentlich ein zuggebundenes Ticket hat.

Ich kann auch die Fahrt nicht antreten und mir den vollen Ticketpreis erstatten lassen.

Darf ich dann einen höherwertigen Zug nutzen? 

Ja, bei einer zu erwartenden Verspätung von mindestens 20 Minuten am Zielort ist das möglich. Aber Achtung: Der Fahrgast muss in Vorkasse gehen. Er muss nämlich bei Nutzung eines höherwertigen Zuges die zusätzlich erforderliche Fahrkarte zunächst selbst bezahlen und kann die Kosten erst anschließend geltend machen.

Ich stehe nachts am Bahnhof und mein Zug fällt aus. Kann ich ein Taxi nach Hause nehmen? 

Ja, wenn es sich dabei um die letzte fahrplanmäßige Verbindung des Tages handelt und der Zielbahnhof ohne Nutzung eines anderen Verkehrsmittels nicht mehr bis um 24 Uhr erreicht werden kann. In diesem Fall übernimmt die Bahn Taxikosten bis maximal 80 Euro.

Allerdings gilt diese Regel nur unter folgenden Voraussetzungen: Das Eisenbahnunternehmen stellt kein anderes Verkehrsmittel zur Verfügung (kein Schienenersatzverkehr) und der Kunde kann mit dem Eisenbahnunternehmen nicht in Kontakt treten. Die Bahn weist daraufhin, dass die Bahn selbst entscheidet, ob die Gründe für sie plausibel sind. Man sollte also nur im absoluten Notfall auf ein Taxi zurückgreifen.

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WÄHREND DER FAHRT

Ich sitze in einem Zug, der so viel Verspätung hat, dass ich meinen Anschlusszug nicht erreiche. Darf ich dann einen anderen Zug nehmen?

Die Bahn teilt TRAVELBOOK mit: „Wenn Ihr erster Zug verspätet ist und Sie Ihren Anschlusszug deshalb nicht erreichen, dürfen Sie einfach mit dem nächsten Zug reisen. Sollten Sie auch mit dem Anschlusszug Ihr Ziel mit mehr als 60 Minuten Verspätung erreichen, steht Ihnen auch eine Entschädigung zu. Dies gilt unabhängig von der Umsteigezeit.“


Ich muss den Zug an einem Bahnhof auf der Strecke verlassen (z.B. wegen eines Schadens am Zug oder einer Streckensperrung). Darf ich einen höherwertigen Zug oder ein Taxi nehmen? 

Ja, man darf unter den gleichen Voraussetzungen wie bei einem regulären Zugausfall einen höherwertigen Zug nehmen. Ein Taxi darf man unter den oben beschriebenen Voraussetzungen nehmen UND bei einer planmäßigen Ankunftszeit zwischen 0 und 5 Uhr mit einer zu erwartenden Verspätung von mindestens 60 Minuten am Zielbahnhof. Aber auch hier gilt: Man muss nachweisen können, dass kein DB-Mitarbeiter erreichbar war.

AM ZIELBAHNHOF

Ich komme am Ziel mit Verspätung an. Habe ich ein Recht auf Entschädigung? 

Ja! Ab 60 Minuten Verspätung an ihrem Zielbahnhof erhalten Fahrgäste eine Entschädigung von 25 Prozent des gezahlten Fahrpreises für die einfache Fahrt, ab 120 Minuten Verspätung 50 Prozent. Bei Fahrkarten für die Hin- und Rückfahrt wird die Entschädigung auf der Grundlage des halben entrichteten Fahrpreises berechnet. Der Fahrgast kann im Entschädigungsfall zwischen einem Gutschein oder der Auszahlung des Geldbetrags wählen.

So unpünktlich war die Deutsche Bahn 2018

Grundsätzlich: Warum wird man bei der Bahn immer so schlecht informiert?

Tatsache ist, dass man sich im Notfall häufig nicht auf die Bahnmitarbeiter verlassen kann, wie auch TRAVELBOOK es schon mehrfach erlebt hat. Das liegt zum einen daran, dass es zu wenige gibt und an vielen Bahnhöfen die Informationsschalter im Krisenfall dauerverstopft sind. Zum anderen daran, dass Informationen nur spärlich weitergegeben werden. TRAVELBOOK hat mehrfach miterlebt, dass Bahnmitarbeiter auf Nachfrage selbst in der DB-App nachschauten, weil sie auf keine weiteren Informationen zurückgreifen konnten.

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Der Hintergrund ist, dass die Bahn in mehrere eigenständige Gesellschaften aufgeteilt ist. Dazu gehören unter anderem die DB Fernverkehr, DB Regio, die DB Netz und die DB Station & Service. Entscheidet nun z.B. die DB Netz, dass einige Strecken gesperrt werden, muss die DB Fernverkehr erst benachrichtigt werden. Die wiederum muss23 nun die Informationen an die DB Station & Service weitergeben. Es kann also ziemlich lange dauern, bis eine bereits bekannte Information zum Kunden durchdringt.