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Coronavirus! Was passiert jetzt mit meinem Urlaub an Ostern?

Viele Gläubige wollen an Ostern nach Rom reisen. Das wird dieses Jahr vermutlich nichts.
Viele Gläubige wollen an Ostern nach Rom reisen. Das wird dieses Jahr vermutlich nichts.
Foto: Getty Images

In wenigen Wochen ist Ostern und viele Deutsche, die Kinder im schulpflichtigen Alter haben, verreisen über die Feiertage. Beliebte Ziele liegen vor allem in der Mittelmeerregion, aber auch die Kanaren sind normalerweise gut ausgebucht. Wo es für Ihren Oster-Urlaub schlecht aussieht, ob Sie stornieren sollten und wie es mit Reisen innerhalb Deutschlands aussieht, lesen Sie hier.

In welchen Regionen ist mein Oster-Urlaub nach aktuellem Stand gefährdet?

„Da Ostern dieses Jahr auf Mitte April fällt, ist besonders die Mittelmeerregion für den Oster-Urlaub beliebt“, erklärt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV) auf Nachfrage von TRAVELBOOK. Konkret heißt das, dass vor allem die Kanaren, die Balearen, das spanische Festland, Griechenland, die Türkei sowie Ägypten und Tunesien besonders gefragt sind. Doch von Reisen sollten Sie aktuell in jedem Fall absehen.

Die Bundesregierung rät derzeit von allen nicht notwendigen Reisen ins Ausland ab. Mit weiter zunehmenden drastischen Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr, Quarantänemaßnahmen und der Einschränkung des öffentlichen Lebens in vielen Ländern ist zu rechnen, wie es beim Auswärtigen Amtes (AA) heißt.

„Das Risiko, dass Sie Ihre Rückreise aufgrund der zunehmenden Einschränkungen nicht mehr antreten können, ist in vielen Destinationen derzeit hoch.“ Änderungen der Einreise- und Quarantänevorschriften erfolgten teils ohne Vorankündigung und mit sofortiger Wirkung.

Schon jetzt lassen dutzende Länder weltweit vorerst keine Deutschen mehr einreisen. Auch die meisten Nachbarländer haben ihre Grenzen für Ausländer geschlossen. Reiseveranstalter wie Tui und FTI haben ihren Reisebetrieb im März weitgehend eingestellt. Die Airlines haben ihre Flugpläne drastisch zusammengestrichen.

„Überprüfen Sie kritisch, ob Ihre geplante Reise ins Ausland derzeit wirklich notwendig ist oder nicht verschoben werden kann“, rät das Auswärtige Amt.

Aktuelle Informationen bzgl. Coronavirus und Reisen finden Sie auch hier.

Ist Urlaub in der Heimat noch eine Option?

Auch innerhalb Deutschlands ist der Reiseverkehr zunehmend eingeschränkt. Die Inseln der Nord- und Ostsee wurden für Touristen gesperrt. Bayern hat den Katastrophenfall ausgerufen.

 

Sollte ich meinen Oster-Urlaub jetzt stornieren?

Nein. Denn hier gibt es sehr selten die Möglichkeit, kostenlos zu stornieren. Besonders wichtig ist der richtige Umgang mit individuell gebuchten Flügen. Rechtsanwalt Jan Bartholl rät im Gespräch mit TRAVELBOOK: „Setzen Sie eher auf No-Show als auf eine Kündigung. Die Rechte sind, sollte ihr Flug wie geplant stattfinden, die gleichen, aber sollte die Airline den Flug stornieren, profitieren Sie.“

Denn dann hat der Fluggast Anspruch auf Ausgleichszahlung bis zu 600 Euro pro Person und dazu noch Schadensersatzansprüche. Kündigt er den Flug dagegen von sich aus, besteht lediglich ein Anspruch gegenüber der Fluggesellschaft auf Rückzahlung nicht angefallener Steuern und Gebühren – und das sind häufig nur wenige Euro.

Auch bei Pauschalreisen ist erst einmal die Devise: abwarten. Schon jetzt haben zahlreiche Reiseveranstalter und Kreuzfahrt-Anbieter ihre Umbuchungs- und Stornierungsbedingungen gelockert und bieten ihren Kunden auch kurzfristig die Möglichkeit, von einer neu-gebuchten Reise zurückzutreten oder das Ziel zu ändern, informiert der DRV. Am besten, Sie informieren sich bei einem Reisebüro oder direkt bei Ihrem Reiseveranstalter, welche Stornierungsbedingungen für Ihre Reise gelten.

Grundsätzlich gilt laut Reiserechtsexperte Bartholl immer: Liegt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes oder – wie für Italien – ein dringendes Abraten zu einer Reise in ein Land vor, kann die Pauschalreise kostenfrei storniert und das kostenfreie Rücktrittsrecht in Anspruch genommen werden.

Wie sieht es mit Hotelbuchungen in Deutschland aus?

„Es handelt sich um einen Mietvertrag. Solange das Hotel offen ist, muss ich bezahlen – auch wenn ich nicht anreise“, sagt Reiserechtsexpertin Sabine Fischer-Volk von der Kanzlei Karimi in Berlin. Eine Ausnahme bestehe, wenn vor Ort Quarantäne herrsche. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga bestätigt, maßgeblich seien die AGB des Hotels, solange das Zielgebiet nicht unter Quarantäne stehe. Reisewarnungen für Teile Deutschlands gibt es bisher nicht.

„Wenn ich bezahlen muss, aber nicht anreisen will, dann würde ich versuchen, eine Umbuchung auf einen späteren Zeitpunkt oder einen Gutschein auszuhandeln“, rät die Juristin. „Ein Gutschein ist besser, weil man sich dann nicht schon wieder auf einen festen Termin festlegen muss.“ Aber: „Wenn das Hotel irgendwann in finanzielle Schwierigkeiten käme, geht der Gutschein in der Insolvenzmasse auf. Das Geld ist dann zumeist weg.“

Insgesamt sollten sich Urlauber klarmachen, dass die Situation absolut außergewöhnlich ist: „In diesen Zeiten, wo alle von der Coronakrise betroffen sind, sollte man keine unrealistischen Vorstellungen haben, was die Durchsetzung von Reiserechten betrifft“, sagt Fischer-Volk. „Alle Seiten müssen mit Verlusten rechnen. Kaum jemand wird von Einbußen verschont bleiben.“ ​

 

Ist es sinnvoll, jetzt günstige Urlaubs-Angebote für Ostern zu buchen?

Generell sollte man bei allen Urlaubs-Aktionen, die aktuell angeboten werden, darauf achten, dass sie relativ lange kostenlos stornierbar sind. Schäfer empfiehlt etwa eine Frist von mindestens 14 Tagen vor Abreise.

Schäfer rät außerdem, in den nächsten Wochen vor allem keine individuellen Reisen zu buchen. „Dann muss man erstmal alles abklären: Will ich da hin? Kann ich da hin? Werde ich hereingelassen? Darf ich stornieren? Wie sieht es mit den Flügen aus, wie mit der Unterkunft? Das ist erst einmal Stress“, so Schäfer. Bei selbstorganisierten Reisen müssen die Gäste auch die Kosten für Stornierungen oder Umbuchen meist selber tragen.

Grundsätzlich kommt es, nach Ansicht von Gesundheitsexperten, derzeit vor allem darauf an, Sozialkontakte möglichst zu vermeiden. Nur so lässt sich die weitere Ausbreitung des Coronavirus noch eindämmen. Es ist gut möglich, dass dies auch mit Blick auf Ostern noch gelten wird.

Tui zum Beispiel will mit der vorübergehenden Aussetzung von Reisen nach eigener Aussage „einen Beitrag zu den weltweiten Bemühungen der Regierungen leisten, die Auswirkungen der Verbreitung des COVID-19 abzuschwächen“, wie es in einer Mitteilung heißt.

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Wenn ich verreise und dann unter Quarantäne gestellt werde – kann ich dann gekündigt werden?

Nein, sagt Jan Bartholl. „Da die Quarantäne die staatlich bzw. behördlich erzwungene Einschränkung der persönlichen Freiheit bedeutet, muss man dieser Folge leisten. Verstöße sind sogar strafbar. Ein Arbeitnehmer kann während der Quarantäne-Zeit nicht gekündigt werden“, so der Rechtsanwalt.

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Nach dem Infektionsschutzgesetz wird dem Arbeitnehmer für sechs Wochen nach Beginn des Verdienstausfalls der Lohn weitergezahlt. Wenn die Quarantäne nach sechs Wochen weiterhin andauert, wird Krankengeld gezahlt.

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