Keswick in Australien

Investor kauft Teil einer Trauminsel und verbietet Einheimischen Zutritt

Australien Whitsunday Islands
Die Whitsunday Islands in Australien sind ein wunderschöner Ort und locken mittlerweile neben Touristen auch immer mehr chinesische Investoren (Symbolfoto)
Foto: Getty Images

Keswick Island vor der Küste von Queensland, Australien, gehört seit Kurzem einem chinesischen Investor – und der legt sich offenbar mit den Einheimischen an. Zugänge zu Stränden wurden gesperrt, genau wie eine Landebahn für Flugzeuge und Boots-Anlegeplätze. Ein Paar verliert sogar sein Ferienhaus.

Australiens Whitsunday Islands sind weltberühmt. Dazu gehört auch die Insel Keswick. Laut der australischen Nachrichtenseite „News“ hat der chinesische Investor „China Bloom“ 20 Prozent an der Insel Keswick für die Summe von 20 Millionen Dollar (16,5 Millionen Euro) erworben. Bereits kurz darauf sollen an zahlreichen Stellen auf der Insel Schilder aufgetaucht sein, die Einheimischen den Zutritt zu vorher öffentlichem Gelände untersagen, einschließlich des Traumstrandes Basil Bay und dem Nationalpark, der 80 Prozent der 530 Hektar großen Insel bedeckt.

Teile der Trauminsel für 99 Jahre gepachtet

Die Zugänge und Wege seien teils sogar mit großen Steinen blockiert worden, zudem wurde der Landestreifen für Flugzeuge gesperrt, genauso die Anlegeplätze für Boote, die bislang Einheimische wie auch viele Touristen auf die Insel brachten. Außerdem dürften Einwohner der Insel ihre Häuser oder Wohnungen ab sofort nicht mehr an Touristen vermieten. „News“ wie auch diverse andere Portale berichten auch, dass die Einheimischen Julie Willis und ihr Mann ihr Ferienhaus aufgeben mussten, nachdem die chinesische Firma ihnen mitgeteilt habe, sie hätten drei Tage Zeit, es zu verlassen.

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Auf den 117 Hektar, die „China Bloom“ für eine Zeit von 99 Jahren gepachtet hat, soll schon bald ein Luxus-Ressort entstehen, das Platz für bis zu 3000 Menschen bietet. Allerdings fürchten die Einwohner von Keswick, dass das Ressort sich vornehmlich an chinesische Urlauber mit viel Geld richtet. Besonders frustrierend für die Einwohner: Unterschiedliche Autoritäten schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu oder erklären sich selbst für nicht zuständig. So sagte der Regional-Rat auf der Whitsundays-Hauptinsel Mackay, um das Problem müsse sich die australische Regierung selbst kümmern.

Bewohner als „Untermieter“ bezeichnet

Ein Sprecher des Bundesstaates Queensland, zu dem die Inseln gehören, sagte „News“, man wolle die Chinesen dazu bringen, „das Richtige zu tun“. „Wir arbeiten eng mit ‚China Bloom‘ zusammen, um sicherzustellen, dass alle ihre Aktivitäten im Einklang mit dem Pachtvertrag geschehen, besonders weil ‚China Bloom‘ die Straßen, Anlegeplätze, Piere und die marine Infrastruktur verbessert.“ Die Einheimischen bezeichnet man dabei als „Untermieter“, die ihre Probleme mit dem Hauptmieter (also „China Bloom“) eigenverantwortlich zu lösen hätten.

Besorgt sind die Menschen auch um die der Insel an sich: Demnach befindet sich auf dem von den Chinesen gepachteten Gelände auch ein wichtiger Brutplatz für Seeschildkröten, der durch die Bau-Bestrebungen zerstört werden könnte. Bereits 2019 kam es hier zu Bauarbeiten und Aushebungen, doch nach einer monatelangen Untersuchung kamen australische Behörden zu dem Schluss, es sei kein Fehlverhalten seitens der Chinesen festzustellen gewesen.

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Keswick ist nicht die erste Insel, auf der investiert wird

Der Kauf bzw. die Pacht von Keswick Island ist nicht das erste chinesische Investment auf den insgesamt 74 Whitsunday Islands: Bereits 2015 erwarb ein Konsortium aus Shanghai die kleine Insel Daydream Island mitsamt eines dort bereits befindlichen Luxus-Ressorts und Spas, wie die Zeitung „Financial Review” berichtet. Nur ein Jahr später kaufte ebenfalls ein chinesischer Investor South Molle Island. Auch das kleine Lindeman Island gehört demnach bereits den Asiaten. Damals sagte eine Tourismus-Beauftragte dem Blatt: „Das Interesse aus China ist so hoch wie nie zuvor, und wir dürfen diese Gelegenheit nicht verschenken.“

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Heute sieht die Gemütslage etwas anders aus, und so erheben sich bereits erste prominente Stimmen gegen das chinesische Investment auf Keswick Island. Jason Costigan, der ehemalige Premierminister von Queensland, sagte der „Daily Mail“: „Das ist ganz großer Mist! Ich stelle gerne persönlich Bolzenschneider zur Verfügung. Das sind die Whitsundays, nicht Wuhan. Was passiert hier bloß?“ Zwar gab er relativierend zu, man brauche die chinesischen Investments, dennoch wolle man keine chinesische Übernahme. „Das ist nicht im öffentlichen und nationalen Interesse.“

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