Schwere Vorwürfe aus Afrika

Haben die Kanaren Sand aus der Sahara geklaut?

Playa de las Teresitas, Teneriffa
Wüstensand auf Teneriffa: Seit den 1970er-Jahren wird an der Playa de las Teresitas nahe der Inselhauptstadt Santa Cruz Sand aus der Sahara aufgeschüttet
Foto: Getty Images

Manche Kanaren-Inseln wie Teneriffa und Lanzarote schütten ihre dunklen Lavastrände seit Jahrzehnten mit hellem Wüstensand auf, um sie für Touristen attraktiver zu machen. Jetzt werden die Kanaren beschuldigt, tonnenweise Sand aus der Sahara gestohlen zu haben.

Teneriffas weißer Vorzeigestrand Playa de las Teresitas nahe der Inselhauptstadt Santa Cruz wirkt nicht nur künstlich, er ist es auch.

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Mit gut neun Millionen Quadratkilometern, einer Fläche in etwa so groß wie die USA, ist die Sahara die größte Trockenwüste der Erde und liegt rund 250 Kilometer von den Kanaren entfernt. Rund ein Fünftel der Sahara ist Sandwüste. In Anbetracht der Größe scheint es auf den ersten Blick zwar nicht aufzufallen, wenn Sand aus der Sahara verschwindet, doch die einheimischen Völker sehen durch den ihrer Ansicht nach illegalen Abtransport von Saharasand ihre Rechte verletzt, schreibt „Teneriffa News“.

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Konkret handele es sich um Lieferungen zweier verschiedener Schiffe in der Zeit zwischen dem 19. Februar und 7. Mai 2019. Die mit Saharasand beladenen Frachter hätten mehrere Häfen auf Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote und Teneriffa angesteuert. Nach dem Bericht von „Teneriffa News“ sollen sich mehrere afrikanische Zusammenschlüsse in einem Schreiben bei der Regierung der Kanarischen Inseln über den ihrer Auffassung nach illegalen Abtransport beschwert haben.

In dem Schreiben sollen die Afrikaner zudem auf Urteile des europäischen Gerichtshofs verwiesen haben, nach denen die Westsahara und Marokko als getrennte Gebiete anzusehen seien. Absprachen mit Marokko über den Abtransport des Wüstensands würde das saharaurische Volk, mit dem keine Verträge abgeschlossen worden sein sollen, nicht anerkennen. Laut „Teneriffa News“ hätten die Kanaren auf die Vorwürfe bislang nicht reagiert.