Café con piernas

Warum die Kellnerinnen in chilenischen Cafés so wenig anhaben

Café con piernas in Santiago de Chile
In manchen Cafés in Santiago hat nicht nur der Kaffee eine anregende Wirkung auf die vorwiegend männlichen Gäste
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Nicht nur, dass in Chiles Hauptstadt Meeresgetier mit Wurst als Spezialität gilt, hier bekommt man auch als „Chopp“ einen Schoppen Fassbier. Und überhaupt hält Santiagos Gastronomie für Touristen einige Überraschungen parat: etwa die Cafés con piernas.

Auch wenn in Chile schon lange erfolgreiche Weine und süffige Biere produziert, gab es hier bis vor 20 Jahren nur Pulverkaffee. Bis ein Geschäftsmann mit der Idee knapper Bekleidung und schöner Beine der Espressokultur auf die Sprünge half.

Nirgendwo anders außer in Chile gibt es dieses Phänomen. Seit den 1990er-Jahren stieg die Zahl der Cafés kontinuierlich. Und auch wenn die Betreiber betonen, es seien seriöse Einrichtungen, prangern zunehmend mehr Chilenen das vermittelte Frauenbild an und kritisieren es zurecht als Sexismus.

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Ein „Café con piernas“ in Santiago
Foto: Getty Images

Weniger harmlose Cafés haben dunkel getönte Scheiben

Die Bikini-, Flirt- und Fummel-Varianten der Cafés con piernas haben dunkel getönte Scheiben. Hier haben die Bardamen noch weniger an. Regierungsbeamte, Banker und andere Señores verschönern sich so die Mittagspause und den Feierabend. Die meisten der harmloseren Varianten in der Hauptstadt Santiago de Chile stehen in den Fußgängerzonen – und regelmäßig erleben Touristen beim Betreten des vermeintlich normalen Cafés einen Schock. Aber in Santiago gibt es natürlich auch mehr als nur die Cafés con piernas.

Geschäftsmänner in einem „Café con piernas“ in Santiago

Geschäftsmänner in einem „Café con piernas“ in Santiago
Foto: Getty Images

Von der Fußgängerzone ist es ein kurzer Spaziergang zur Plaza de Armas mit Kathedrale, Restaurants, Gauklern und Artisten. Vor allem zwischen November und März ist es hier angenehm, wenn die Sonne kräftiger scheint – man befindet sich südlich des Äquators. Eine autofreie Gasse führt vorbei an Straßenhändlern, Geschäften und Feinkostläden zum nahen Mercado Central.

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Chile-Urlauber sollten unbedingt Curanto probieren

In dem 1872 eröffneten und in den kühlen chilenischen Monaten nur spärlich beheizten Bau türmen sich bei den Händlern frischer Thunfisch, Muscheln, Krebse, Oktopus und vieles mehr. Die Gäste genießen die Köstlichkeiten unter einem Dach in einem der vielen Lokale, Bier- und Weintheken. Clowns und Musikanten mischen sich häufig unter die Gäste, ob in einem der noblen Restaurants oder in den volkstümlichen Lokalen wie Tio Willy oder Clarita.

Junger Wein, der in Deutschland als Federweißer oder Rauscher und in Chile als Pepino bekannt ist, mundet gärungstrüb für rund 1,50 Euro pro Glas. Gefragter sind gängige einheimische Rot- und Weißweine. Die Fischspezialität Ceviche wird ab umgerechnet 4 Euro serviert, Fischsuppe ab 5 und Curanto – üppiges Stew aus Fisch, Muscheln, Fleisch, Wurst und Gemüse – für drei Personen ab etwa 22 Euro.

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So sieht ein Curanto aus

Viele deutsche Einflüsse in der Gastronomie

Chile war und ist ein beliebtes Land für deutsche Einwanderer. So hinterlässt Alemania auch in Santiagos Gastronomie Spuren. Manche Konditoreien locken mit Cujen – Kuchen ausgesprochen – und Apfelstrudel. Und viele Lokale offerieren Cerveza (Bier) als Chopp, also als Glas oder Schoppen vom Fass. Zu den alkoholischen Lieblingsgetränken der Chilenen gehört Pisco, ein Destillat aus Traubenmost, in vielen Variationen.

Wer Gastronomie mit deutschen Wurzeln mag, hat in Santiago eine große Auswahl: Gefragt sind unter anderem Fuente Alemana, Lili Marleen, Starnberg, Elkika Ilmenau, Los Vikingos und Bierstube. Wer bei einem Spitzenkoch speisen will, der geht zu Rodolfo Guzmán ins Boragó. Der nimmt nur einheimische Zutaten, gern die der Ureinwohner – und hat auch in Spanien und Deutschland Bewunderer.

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