Vertrauen statt Kontrolle

Uruguays „Kiosk der Ehrlichkeit“

In Uruguay gibt es einen Kiosk namens „Ehrlichkeit“, und der Name ist Programm, denn hier wird erntefrisches Gemüse angeboten, ganz ohne Kasse oder feste Preise. In einer kleinen Spendenbox gibt jeder das, was er geben kann.

Wer in Großstädten wie Berlin, Köln oder Hamburg lebt, der kennt das: Wenn mal keine Getränke mehr da sind, die Butter fehlt oder plötzlich Heißhunger auf Schokolade aufkommt, die Supermärkte aber entweder schon geschlossen haben oder aber zu weit weg sind, gibt es eine bequeme Lösung: Der Gang zum nächsten Kiosk. Oder auch Büdchen, Späti oder Trinkhalle genannt. Dort gibt es dann auch nach Feierabend noch Obst, Schokolade, Bier, Wasser & Co. – natürlich zu einem kleinen Aufpreis. Anders ist das bei diesem Kiosk in Südamerika.

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Washington César Nieto arbeitet zusammen mit seinem Cousin Edgardo Velásquez im Honestidad, was übersetzt „Ehrlichkeit“ heißt. Das ist ein kleiner Kiosk nahe dem Örtchen Ecilda Paullier in Uruguay, der auf Spenden basiert. Früher gehörte er seinem Onkel, mittlerweile ist der Laden sehr berühmt. Nietos Motivation: „Menschen sollten in Frieden leben, ohne sich um Diebstahl zu sorgen oder alles ständig zu überwachen.“ Das Gemüse, das hier angeboten wird, ist nicht nur frischer als in den großen Lebensmittelläden, sondern auch noch mehr als 50 Prozent günstiger.

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Win-Win-Situation

Eine kleine Spendenbox steht unauffällig auf einer Fensterbank und wird mit drei bunten Blumentöpfen verziert. Hier wirft jeder das rein, was er kann und möchte – ohne Zwang, ohne Kontrolle, ganz nach dem Vertrauens-Prinzip.

Was sich Nieto davon erhofft, ist vor allem Kundenbindung: „Die Idee ist, dass Menschen zu uns kommen, hier kaufen, den Kiosk kennenlernen und uns ermutigen, weiterhin Gemüse anzubauen.“ Das wäre dann die klassische Win-Win-Situation.

Auch beispielsweise in Neuseeland ist dieses Prinzip bekannt: Die sogenannte „Honesty Box“ („Ehrlichkeits-Box“) steht überall dort, wo Gemüse und Obst angebaut wird. Auf Tafeln sieht der Kunde die empfohlenen Preise, die viel niedriger sind als in den üblichen Geschäften, doch was er letztendlich in die Holzbox wirft, bleibt ihm überlassen. Schade ist nur, dass in einigen Orten, zum Beispiel in Motueka, bereits Kameras gesichtet wurden. Offenbar missbrauchen einige das Prinzip Vertrauen, sodass wieder kontrolliert werden muss.

Chance für die Ehrlichkeit

Das gleiche Prinzip wird auch auf einigen Campingplätzen Neuseelands angewandt. Auf meist eher schlichten Stellplätzen, z.B. im Fiordland-Nationalpark im Süden der Südinsel, funktioniert die Bezahlung nach dem Vertrauens-Prinzip. Einfach ein paar Dollar in die Holzbox werfen, schon darf man ruhigen Gewissens die Nacht hier verbringen.

Projekte wie das von Washington César Nieto in Uruguay zeigen, dass auf Ehrlichkeit basierte Geschäfte auch eine Chance verdient haben.

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