16. Januar 2026, 18:02 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Italien hat viele berühmte Seen – vom Gardasee bis zum Comer See. Doch wer glaubt, dort noch unberührte Ruhe zu finden, wird meist enttäuscht. Umso überraschender ist ein Reiseziel, das selbst in Italien noch als Geheimtipp gilt: der Lago del Turano. Dieser See ist einer der wenigen Orte des Landes, an dem es selbst in der Hochsaison kaum Touristen gibt – obwohl er nur rund eine Autostunde von Rom entfernt liegt.
Auf über 500 Metern Höhe in den Apenninen gelegen, wirkt der Lago del Turano wie eine andere Welt – mit mittelalterlichen Dörfern, grünen Bergketten und kristallklarem Wasser. Hier herrscht eine Gelassenheit, die man in Italien nur noch selten findet. Seit Jahrzehnten nutzen vor allem Einheimische den See als Rückzugsort vor der Sommerhitze in Italiens Hauptstadt Rom. Erst kürzlich hat das renommierte Reisemagazin „Condé Nast Traveller“ den Lago del Turano vorgestellt – und ihn als einen der letzten stillen Seen Italiens bezeichnet, der bislang fernab der touristischen Aufmerksamkeit liegt.
Was man rund um den See erleben kann
Der Lago del Turano ist vor allem ein Ziel für alle, die Ruhe suchen und Italien bewusst erleben möchten. Statt Trubel und Action stehen hier Spaziergänge am Wasser, ausgedehnte Mittagessen und Zeit in der Natur im Mittelpunkt. Eine besondere Möglichkeit, den See kennenzulernen, ist eine Fahrt mit der elektrisch und solarbetriebenen Ausflugsfähre, die vom Ufer bei Colle di Tora ablegt. Sie gleitet nahezu lautlos über das Wasser und vermittelt per Audioguide – auf Italienisch und Englisch – Einblicke in die Geschichte des Tals sowie in Flora und Fauna der Region. Auf Wunsch wird die Fahrt von einem kleinen Aperitif begleitet. Im Winter ist eine Reservierung erforderlich.
Auch an Land geht es entspannt weiter. Wanderwege führen durch die umliegenden Apenninen, etwa auf den Monte Navegna oder den Monte Cervia, von deren Gipfeln sich weite Blicke über den See und die umliegenden Dörfer eröffnen. Ein besonderer Ort ist zudem das verlassene mittelalterliche Dorf Antuni, das auf einem Hügel mitten im See liegt. Die Ruinen sind nur im Rahmen geführter Touren zugänglich und erzählen von einer bewegten Geschichte bis in den Zweiten Weltkrieg – heute ist Antuni ein stiller Ort, der eher zum Innehalten als zum Weiterziehen einlädt.
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Baden und Naturerlebnisse
An warmen Tagen zieht es Einheimische und Besucher an die kleinen Badestellen rund um den Lago del Turano, besonders nach Colle di Tora. Dort sitzen Familien am Ufer, springen ins Wasser oder lassen die Füße von den hölzernen Stegen baumeln. Das Wasser gilt als besonders klar und sauber – ideal für eine Abkühlung fernab überfüllter Strände. Auf der gegenüberliegenden Seeseite, bei Castel di Tora, gibt es ebenfalls Badeplätze mit Tretbooten, Kajaks und kleinen Strandbars. Das Dorf Castel die Tora nennt „Condé Nast Traveller“ eines der schönsten Dörfer Italiens. Hier befindet sich außerdem ein verstecktes Naturjuwel: Über einen Kieselweg und eine spiralförmige Holztreppe gelangt man zur Cascata delle Vallocchie, einem Wasserfall in einer kühlen Schlucht. Das klare Wasser lädt zum Baden ein, während schillernde blaue Schmetterlinge umherfliegen.
Auch Angler schätzen den See für seinen Fischreichtum. Der Lago del Turano ist vor allem für seine außergewöhnlich großen Karpfen bekannt: Einige Exemplare sollen über 20 Kilogramm wiegen und mehr als einen Meter lang sein. Durch das klare Wasser lassen sich die Fische oft sogar vom Ufer aus beobachten – ein ruhiges Schauspiel, das gut zur entspannten Atmosphäre des Sees passt. Für das Angeln ist allerdings eine Genehmigung erforderlich, die im nahegelegenen Rieti erhältlich ist.
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Kulinarik und italienische Gelassenheit
Kulinarisch geht es rund um den Lago del Turano bewusst bodenständig zu. In den umliegenden Dörfern servieren kleine Trattorien regionale Küche mit Zutaten aus der Umgebung – darunter frischer Fisch aus dem See, Pasta, einfache Fleischgerichte und Produkte aus den umliegenden Bergen. Lange Mittagessen gehören hier ebenso zum Alltag wie der Espresso als Absacker oder ein Glas Wein mit Blick auf das Wasser.
Neben bekannten Orten lohnt sich auch ein Abstecher nach Ascrea, einem hoch gelegenen Dorf am südlichen Ende des Sees. Mit rund 700 Metern Höhe bietet es einige der schönsten Ausblicke über das Tal und ist für seine traditionellen Feste bekannt, darunter ein Kastanienfest im Herbst. Ebenfalls sehenswert ist Paganico Sabino, ein kleines mittelalterliches Dorf oberhalb des Sees, das für seine ruhige Lage und seine authentische Küche geschätzt wird – hier erlebt man die Region besonders ursprünglich. Am Nachmittag trifft man sich rund um den See in Gartenbars und kleinen Lokalen zum Aperitivo. Genau diese Mischung aus Natur, gutem Essen und entspannter Alltagskultur macht den Lago del Turano zu einem Ort, den man nicht einfach besucht, sondern in dem man ankommt.