Bis zu 10.000 Besucher täglich!

Warum dieses winzige Ösi-Dorf von Touristen überrannt wird

Hallstatt
Picture perfect: Ein asiatischer Tourist macht ein Bild von dem idyllischen Hallstatt
Foto: dpa Picture Alliance

Ein kleiner Ort in Österreich versetzt seit Jahren Asien in Extase: Tausende Touristen pilgern jeden Tag durch Hallstatt, und stehen dabei manchmal sogar mitten im Wohnzimmer eines Einheimischen. Die Bewohner des Ortes mit Postkarten-Idylle sind dementsprechend genervt. Doch was ist das Geheimnis von Hallstatt? TRAVELBOOK hat nachgeforscht.

Der Ort ist im Gegensatz zu den anderen drei mit knapp 800 Einwohnern aber auch sehr überschaubar. Dennoch kamen hier in diesem Jahr geschätzt eine Million Touristen hin. Besonders bei Asiaten genießt Hallstatt einen absoluten Kultstatus, wie unter anderem die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet.

Was macht also die Faszination dieses kleinen Ortes aus? Alles fing 1997 an, als die Gegend von der Unesco in die Liste der Welterbestätten aufgenommen wurde, und zwar gleich in zwei Bereichen: Kultur und Natur. Besonders chinesische Reisende, die auf ihrer meist kurzen Trips durch Europa nach einem Stück „heiler Welt“ suchen, entdeckten in den folgenden Jahren Hallstatt für sich – der Ort wurde schließlich derart beliebt, dass man ihn 2012 im chinesischen Guangdong kurzerhand originalgetreu nachbaute.

Touristen gehen einfach in Häuser

Hallstatt

Massenphänomen: Hallstadt lockte dieses Jahr eine Million Besucher an
Foto: Getty Images

Daraufhin explodierte die Nachfrage nach Hallstätter Idylle. Heute kommen die vielen Besucher aus Fernost – vor allem aus China, Südkorea und Taiwan – auch deshalb, um am hiesigen See Hochzeitsbilder aufzunehmen, die dann in der Heimat verteilt werden. Der Ort ist ein absolutes Phänomen in den sozialen Medien geworden, allein bei Instagram finden sich mehr als 430.000 Fotos mit dem Hashtag #hallstadt

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Laut „Spiegel Online“ verzeichnet das Dorf jährlich 150.000 Übernachtungen, an einem einzigen Tag kommen bis zu 10.000 Menschen.  Zwar profitieren viele Einwohner zwar von dem Tourismus, doch mittlerweile werden die Touristenmassen zum Problem und beeinträchtigen den Alltag der Hallstätter.

Keine Seltenheit sei es beispielsweise, dass chinesische Touristen einfach ungefragt in Häuser reinspazierten oder ihre Drohnen überall steigen ließen. Viele Besucher seien vollkommen überrascht zu erfahren, dass Hallstatt kein Museumsdorf ist, sondern ein Ort, an dem Menschen wirklich leben. Der Supermarkt führe mittlerweile vor allem auf den Tourismus ausgerichtete Produkte, die zudem noch deutlich teurer seien als anderswo – überhaupt sind anscheinend fast alle Geschäfte am Ort fast vollständig auf Besucher ausgerichtet und damit angewiesen.

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„Wir haben uns zu aggressiven Menschenfeinden entwickelt.“

Man spricht asiatisch: Viele Hallstätter Geschäfte haben sich dem Besucher-Boom angepasst
Foto: dpa Picture Alliance

Reisebusse verstopfen mittlerweile jeden Tag rund um die Uhr die Straße, die zum autofreien Ortskern führt. Schon denken die Ersten darüber nach, die Parkgebühr für diese Reisebusse von aktuell 30 Euro auf 100 Euro mehr als zu verdreifachen. Der Hintergrund: Ein Großteil der Besucher bleibt nur wenige Stunden, eilt von einem Fotostopp zum anderen und konsumiert wenig bis nichts. Bereits jetzt gibt es Verbotsschilder, die in zahlreichen asiatischen Sprachen beschriftet sind. Eine Anwohnerin sagte der österreichischen Tageszeitung  „Der Standard“: „Wir haben uns von gastfreundlichen Menschen zu aggressiven Menschenfeinden entwickelt.“

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Bürgermeister Alexander Scheutz hält den Kritikern allerdings entgegen, dass man allein durch die Einnahmen aus dem Tourismus überhaupt erst eine Arztpraxis im Dorf habe finanzieren können, auch kämen pro Jahr 150.000 Euro Einnahmen durch die Benutzung der öffentlichen Toiletten zusammen.

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Dennoch sehen viele in dem kleinen Ort die Belastungsgrenze längst überschritten, verlangen zum Beispiel nach einer Besuchergebühr oder einer Obergrenze bei Tagesgästen. Geht es nach dem Bürgermeister, werden solche Maßnahmen aber nicht kommen – stattdessen versucht man nun beispielsweise über die höheren Gebühren, die Touristen zu einem längeren Aufenthalt zu bewegen. Klasse statt Masse. So oder so, es steht zu erwarten, dass in Zukunft noch sehr viel mehr (asiatische) Besucher nach Hallstatt kommen werden – und mit ihnen wieder ein Ort genau jene Magie verliert, wegen der er einst berühmt wurde.

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