So grün ist die US-Stadt

In Miami kostet Müll wegwerfen 1500 Dollar

Miami Beach
Miami ist eine Großstadt mit Strand, der Miami Beach ist weltberühmt - dort sind Plastikbecher aus Umweltschutzgründen verboten
Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit sind nicht gerade die Aushängeschilder der USA. Doch gerade die schillernde Metropole Miami will grüner werden – davon haben auch Touristen etwas.

Auf dem Ocean Drive in Miami Beach ist die Hölle los. Unaufhörlich röhren die Motoren der Autos. Sehen und gesehen werden.

Es ist warm. Klimaanlagen laufen, Lichtreklamen erleuchten South Beach, DJs und Bands spielen Musik, in den Kneipen, Clubs und Restaurants tobt das Leben. Ein ganz normaler amerikanischer Ort also, an dem es ohne Auto nicht geht und wo man sorglos mit der Umwelt umgeht? Miami kann genau diesen Eindruck erwecken.

Kräne und Nationalparks

Kräne prägen das Stadtbild, an vielen Stellen entstehen neue Hochhäuser und Hotels. Außerdem hat Miami den größten Kreuzfahrthafen der Welt mit fünf Millionen Passagieren pro Jahr.

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Hafen

Riesenschiffe im Hafen: In Miami starten viele der amerikanischen Karibik-Kreuzfahrten.
Foto: Foto: Greater Miami Convention & Visitors Bureau/dpa-tmn

Doch

Darum sind in Miami Beach sämtliche Plastikbehälter verboten – bei Strafe. In den USA höchst ungewöhnlich. Kein Getränk im Plastikbecher sieht man, kein Essen „to go“ in Styropor. In regelmäßigen Abständen stehen riesige Mülltonnen hinter den Strandhäuschen. Die Strafe für die, die das erste Mal dabei erwischt werden, wie sie ihren Müll liegen lassen: 1500 Dollar (rund 1269 Euro).

Metromover

Der Metromover in Miami ist eine ferngesteuerte, elektrische Hochbahn und ist für die Mitfahrer kostenlos.
Foto: Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

Dass auch dieses hohe Bußgeld nicht alle davon abhält, ihren Müll einfach hinzuschmeißen, zeigen die regelmäßigen Strandsäuberungen, die sowohl private Gruppen als auch öffentliche Einrichtungen und Unternehmen organisieren.

Produkte aus der Region

Auch die Belegschaft des Hotels „The Palms“ macht alle drei Monate mit, als Teil ihres eigens aufgelegten grünen Programms. Das beinhaltet noch anderes: Die Klimaanlage läuft nicht auf Hochtouren, sondern mit angenehmen Temperaturen. Müll wird wenn möglich recycled, Bettwäsche und Handtücher nur auf Wunsch ausgewechselt. Das Schlüsselsystem wurde umgestellt auf Karten ohne Magnetstreifen – denn die lassen sich besser recyclen.

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Das Küchenteam des hoteleigenen Restaurants „Essenzia“ bewirtschaftet einen eigenen Garten, in dem tropische Früchte und Kräuter wachsen, die aus der Region kommen. Das Restaurant ist zudem ein sogenannter Farm-to-table-Betrieb: Die verwendeten Produkte kommen frisch vom Bauernhof aus der Region.

Brickell City Center

Clevere Architektur: Das Dach des Brickell City Centers im Finanzdistrikt Miamis wurde so konstruiert, dass die Sonne nicht direkt auf die Geschäfte fällt – zudem weht immer ein leichter Wind.
Foto: Foto: Mike Kelley/Brickell City Center/dpa-tmn

Darum gibt es keine Solarpanels

Es sind Dinge, die in Europa oft selbstverständlich sind – in den USA aber nicht. Warum keine Solarpanels auf dem Dach? Von Juni bis November ist Hurrikan-Saison, Wirbelstürme können die Panels vom Dach reißen. Das kann gefährlich werden. Daher keine Panels.

Morariu ist mit anderen Hoteliers im Greater Miami and the Beaches Hotel Association’s Sustainable Hospitality Council organisiert. In diesem Gremium werden immer wieder neue Ideen für Projekte zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit entwickelt.

Ein wichtiger Faktor ist der Nahverkehr. Miami hat einen Metromover, eine elektrische Bahn auf Stelzen, die durch die Innenstadt fährt. Auf vorgegebenen Linien, kostenlos für die Nutzer. Außerdem gibt es Busse und Trolleys, die Haltestellen bedienen, an denen die Busse nicht halten. Und Mietfahrräder. Kreditkarte in die solarbetriebene Station, fertig. 6,50 Dollar (rund 5,50 Euro) kostet das pro Stunde, 24 Dollar (rund 20,30 Euro) pro Tag.

Plötzlich fahrradfreundlich

Anfangs hat man die Gründer des Gremiums um Colby Reese für verrückt erklärt. Es gab nicht mal Radwege in Miami und Miami Beach. Doch inzwischen sind fast 2000 Räder im Umlauf. „Wir haben dafür gesorgt, dass Miami zu einer radfahrerfreundlichen Stadt geworden ist“, sagt Reese. Vor einigen Jahren hat eine große Bank das Sponsoring für Räder und Stationen übernommen, seither sind die Räder blau, und ihre Zahl ist deutlich gewachsen.

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Leihfahrräder

Die USA sind zwar das Land der Autofahrer – doch im Miami können Touristen auch Leihfahrräder nutzen. Das kostet pro Tag 24 Dollar.
Foto: Foto: Verena Wolff/dpa-tmn

In Miami werden außerdem alte Gebäude nachgerüstet, neue umweltfreundlich gebaut. Das Phillip and Patricia Frost Museum of Science hat schon bei der Architektur auf Nachhaltigkeit gesetzt: Der Wind, der vom Meer her weht, kann jederzeit durch die teils offenen Gebäude wehen. Vor dem Eingang stehen Solarbäume, über deren Panels die Sonnenenergie aufgefangen wird. Auch auf dem Dach des neuen Wissenschaftsmuseum samt Aquarium und Zoo sind Panels.

Solarbäume

Vor dem Phillip and Patricia Frost Museum of Science in Miami stehen Solarbäume, die über Panels die Energie der Sonne nutzen.
Foto: Foto: David Adame/Florida Power & Light Company/dpa-tmn

Auch das Brickell City Center (BCC) im Finanzdistrikt Miamis zeigt Architektur, die sich dem Klima angepasst hat. Ein Hotel, zwei Wohntürme mit Luxus-Apartments, Mall. Damit die Architektur der Türme ein unvergleichliches Gesicht bekommt, haben die Planer den Architekten Hugh Dutton damit beauftragt, die Gebäude durch ein sogenanntes Klimaband zu verbinden. Diese Schattierungen, die an eine liegende Jalousie erinnern, gewährleisten nicht nur, dass keine direkte Sonneneinstrahlung auf die Geschäfte fällt.

„Er hat es geschafft, die Brise vom Meer einzufangen und dafür zu sorgen, dass hier immer ein leichter Wind weht“, sagt Regina Lacayo, Sprecherin des Immobilienentwicklers Swire. „Wir wollen, dass hier ein richtiger Stadtteil entsteht, in dem die Menschen gut und möglichst umweltfreundlich leben können.“ Darum ist hier jeden Samstag Markttag, ganz traditionell. Für nachhaltiges Einkaufen, farm-to-table – und das sogar in der Großstadt Miami.

Miami

Klima und Reisezeit: In Miami ist es das gesamte Jahr über warm. Die Wintermonate sind nicht so schwül wie der Sommer. Die Hurrikan-Saison dauert in Florida von Ende Juni bis November.

Karte von Miami

Miami steht für Konsum und Hedonismus – trotzdem setzt die Metropole in Florida zunehmend auf Nachhaltigkeit.
Foto: Foto: dpa-infografik

Anreise: Lufthansa fliegt von Deutschland aus direkt nach Miami, mit United und Delta kommt man per Zwischenstopp in die Stadt.

Übernachtung: Miami und vor allem Miami Beach sind hip – und teuer. Von der Jugendherberge bis zum Luxushotel gibt es alles. In der Stadt sind die Preise niedriger als am Strand. In Miami Beach bieten viele Hotels auch Liegen sowie Service am Strand an. Das kostet zwischen 20 und 30 Dollar (rund 17 bis 25 Euro) pro Nacht und Zimmer, unabhängig davon, ob man sie nutzt oder nicht. Parkgebühren im Hotel von 40 bis 50 Dollar (rund 34 bis 42 Euro) sind keine Seltenheit.