13. Februar 2026, 13:31 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten
Italien steht vor allem für Genuss, Kultur und sonniges Wetter. „Bella Italia“ meint dabei aber längst nicht nur bekannte Orte wie Rom, Florenz oder die Amalfi-Küste. Wer genauer hinsieht, entdeckt ein ganz besonderes Italien: kleine Dörfer mit Zitronengärten, Weinbergen, verwinkelten Gassen und schattigen Piazze inmitten sanfter Hügellandschaften.
Genau diese Orte rückt die gemeinnützige Initiative „I Borghi più belli d’Italia“ in den Mittelpunkt. Seit 2002 zeichnet der Verein Dörfer aus, die ihre „architektonische Integrität, ihre lokalen Traditionen und ihre besondere Lebensweise über Jahrhunderte bewahrt haben“. Für das Jahr 2026 wurden sieben neue Dörfer aufgenommen – fünf als ordentliche Mitglieder und zwei als sogenannte „Gast-Dörfer“. Sie stehen exemplarisch für ein Italien, das leise begeistert.
So wurden die schönsten Dörfer Italiens gewählt
Die Auszeichnung erfolgt anhand eines Katalogs von 72 detaillierten Kriterien. Bewertet werden unter anderem der Erhalt der historischen Bausubstanz, die städtebauliche Qualität des Ortsbildes, die Einbettung in die Landschaft, nachhaltige Entwicklung, Service- und Aufenthaltsqualität sowie das Engagement der Gemeinden für den Schutz lokaler Traditionen und Identität. Im Dezember 2025 wurden 21 Gemeinden begutachtet – sieben erfüllten die strengen Anforderungen. Mit diesen Neuzugängen wächst das Netzwerk auf insgesamt 382 zertifizierte Orte aus ganz Italien. Sie stehen für das, was der Verband selbst als „la vera Italia“ bezeichnet: Orte, in denen Geschichte, Alltag und Lebensweise bis heute eine stimmige Einheit bilden.
Übersicht
1. Limone sul Garda, Lombardei
Limone sul Garda liegt in spektakulärer Lage zwischen steilen Felsen und dem glitzernden Wasser des Gardasees. Das Dorf wird auch als „Perle des Gardasees“ bezeichnet. Berühmt ist es vor allem für seine historischen Zitronengärten, die sogenannten „Limonaien“, die hier bereits im frühen 18. Jahrhundert angelegt wurden. Terrassenartig schmiegen sie sich an die Hänge und erzählen von einer Zeit, in der Zitronen als kostbares Gut galten.
Bis ins 20. Jahrhundert war Limone nur per Boot erreichbar. Heute ist das Dorf ein beliebter Urlaubsort, der dennoch viel von seinem ursprünglichen Charakter bewahrt hat. Zwischen schmalen Gassen, kleinen Stränden und Blicken über den See zeigt sich Limone als mediterraner Ort mit alpinem Herz. Seepromenade, Badeplätze und enge Gassen verbinden sich hier mit jahrhundertealter Agrarkultur – eine Mischung, die Limone besonders reizvoll macht.
„Ein echtes Highlight“
„Limone sul Garda ist ein echtes Highlight! Durch die Vielfalt bietet sich das Dorf zu fast jeder Jahreszeit für einen Besuch an. Wir waren im Sommer dort – natürlich ist es sehr heiß, aber man findet schnell eine Abkühlung im schönen Gardasee. Auch sonst gibt es viel zu entdecken: kleine Cafés und Restaurants zwischen Felswänden, Boutiquen, Spazierwege und Ausflüge in die benachbarten Orte. Ein besonderer Tipp sind die Zitronenterrassen, die man dort besichtigen kann. Die Zitronen sollte man in Limone übrigens auch unbedingt probieren – sie werden in diversen Formen (Eis, Limoncello, Limonaden,..) im Ort verkauft. Gerade für eine Reise von Deutschland aus bietet sich Limone durch die Nähe gut an – hier wird sogar überwiegend Deutsch gesprochen. Auch preislich haben wir es als vollkommen okay wahrgenommen. Natürlich sind Limone und der Gardasee kein Geheimtipp mehr – daher kann es gerade zur Hauptsaison auch voller werden. Unangenehm voll haben wir es aber nicht erlebt. Limone ist also in jeden Fall eine Empfehlung!“
2. Pieve di Teco, Ligurien
Im Hinterland der ligurischen Riviera, fernab der belebten Küste, liegt Pieve di Teco. Das Dorf war einst ein wichtiger Rast- und Handelsplatz an der historischen Salzstraße, die das Meer mit dem Piemont verband. Davon zeugen bis heute die langen Arkadengänge im Ortskern, die dem Dorf ein beinahe städtisches Bild verleihen.
Unter den Arkaden befinden sich kleine Läden, Cafés und Handwerksbetriebe. Die Atmosphäre ist ruhig und ländlich geprägt – gleichzeitig wirkt der Ort lebendig und authentisch. Museen wie das Keramikmuseum oder das Museo della Mezzadria erzählen vom bäuerlichen Leben und der Handwerkstradition der Region. Umgeben von ligurischen Alpen ist Pieve di Teco zudem ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen. Wer Pieve di Teco besucht, entdeckt ein Ligurien jenseits von Strand und Riviera.
3. Castelvetro di Modena, Emilia-Romagna
Ein Dorf für alle Genießer: Castelvetro di Modena thront auf einem Hügel inmitten von Weinbergen. Hier wächst der Lambrusco Grasparossa, eine der bekanntesten Rebsorten der Region, ebenso wie die Trauben für den berühmten Aceto Balsamico di Modena. Die Landschaft rund um das Dorf ist geprägt von sanften Hügeln und Rebhängen.
Der mittelalterliche Ortskern mit Türmen, Mauern und der schachbrettartig gepflasterten Piazza della Dama wirkt wie eine Filmkulisse. Zudem prägen historische Palazzi, Kirchen und Weinmuseen das Bild und machen Castelvetro zu einem kulinarischen sowie kulturellen Zentrum der Emilia-Romagna. Darüber hinaus gehören Weinproben, Spaziergänge durch die Rebhänge und Besuche traditioneller Osterien hier fest zum Dorfleben.
4. Cusano Mutri, Kampanien
Cusano Mutri liegt malerisch im Herzen des Regionalparks Matese in Kampanien. Dieses Dorf hat sich in seiner Struktur seit dem Mittelalter kaum verändert: Enge Gassen, steile Treppen, kleine Plätze und helle Steinhäuser prägen den historischen Kern. Dadurch wirkt der Ort beinahe zeitlos. Schon nach wenigen Schritten fühlt sich Cusano Mutri wie ein Dorf an, das seinen Charakter bewahren konnte – hier passt vieles noch so zusammen, wie es über Jahrhunderte gewachsen ist.
Charakteristisch sind die zahlreichen Türme und Glockentürme sowie kunstvoll verzierte Bögen. Umgeben von Schluchten, Wäldern und Wanderwegen ist Cusano Mutri ein idealer Ort für alle, die Geschichte und Natur verbinden möchten. Cusano Mutri bietet sich zugleich als hervorragender Ausgangspunkt für Wanderungen durch Schluchten und Gebirgslandschaften des Matese-Gebirges an.
5. Rivello, Basilikata
Rivello breitet sich terrassenförmig über einem Hang in der Basilikata aus. Von hier reicht der Blick bis zur tyrrhenischen Küste – ein seltenes Zusammenspiel aus Meer- und Berglandschaft, das den Ort besonders macht. Schon die Anfahrt wirkt wie ein langsames Eintauchen in ein ursprüngliches Italien: zunächst kurvige Straßen, dann weite Ausblicke, und schließlich am Ende ein Dorf, das sich wie ein Amphitheater an den Hang legt.
Abseits großer Touristenströme zeigt sich Rivello als stilles, authentisches Süditalien: Kirchen, alte Palazzi und ein Kloster aus dem 16. Jahrhundert prägen das Ortsbild. In den schmalen Gassen wiederum scheint die Zeit langsamer zu vergehen. Das Dorf eignet sich ideal für Reisende, die Italien jenseits bekannter Routen entdecken möchten – und bietet zugleich einen perfekten Ausgangspunkt für Ausflüge in den Pollino-Nationalpark oder ans Meer.
Auch interessant: 6 Orte in Italien, die noch echte Geheimtipps sind
Die 9 charmantesten Orte am Gardasee
7 Top-Angebote für einen Urlaub am Gardasee
6. Borgo il Piazzo, Biella, Piemont
Borgo il Piazzo ist der historische Kern von Biella im Piemont. Oberhalb des heutigen Stadtzentrums gelegen, war das Viertel einst Zufluchtsort und später kulturelles Zentrum. Da sich die Initiative „I Borghi più belli d’Italia“ eigentlich an kleine Gemeinden richtet und Borgo il Piazzo zur Gesamtgemeinde Biella gehört, gilt der Ort aufgrund seiner Einwohnerzahl bis 2027 als „Gast-Dorf“.
Gegründet im 12. Jahrhundert, entwickelte sich das Viertel zum kulturellen Zentrum der Region. Enge, gepflasterte Gassen, Palazzi und ruhige Plätze prägen das Bild. Eine Standseilbahn verbindet Borgo il Piazzo mit der modernen Stadt – eine kleine Zeitreise inklusive. Der Charme des Dorfes ist unbestritten – besonders im Sommer pulsiert hier das Leben rund um die zentralen Plätze.
7. Borgo Vecchio, Termoli, Molise
Direkt an der Adriaküste liegt Borgo Vecchio, die historische Altstadt von Termoli in Molise. Auf einer schmalen Landzunge gelegen, ist das Viertel von drei Seiten vom Meer umgeben. Das macht Borgo Vecchio zu einer besonderen Mischung: einerseits alt und geschützt wie eine kleine Festung, andererseits offen und hell durch das Wasser, das hier fast überall im Blick bleibt. Auch dieses Dorf wurde als „Gast-Dorf“ gekürt.
Alte Stadtmauern, eine normannische Burg und einige der engsten Gassen Italiens prägen das Ortsbild. Weite Ausblicke und die unmittelbare Nähe zum Strand machen Borgo Vecchio zu einem ungewöhnlichen Dorf, das Geschichte und Meer miteinander verbindet. Trotz offizieller Auszeichnung gilt Termoli noch als Geheimtipp.
Ein Adria-Juwel
„‚Molise non esiste‘ – dass die zweitkleinste Region Italiens gar nicht existiert, ist der Bielefeld-Gag auf dem Stiefel. Dabei hat der auch bei Urlaubern recht unbekannte Flecken Land in Süditalien so viel zu bieten: Berge, Strände, Kultur, kulinarische Spezialitäten und eben Termoli – ein Adria-Juwel, das sogar dem Tourismusmagnet Polignano a Mare Konkurrenz macht. Die kompakte Altstadt ragt mit ihren imposanten Mauern auf spektakuläre Weise ins Meer hinein und bietet einige Möglichkeiten zur Verköstigung mit traditioneller (fischlastiger) Cucina Molisana.
Doch eigentlich sollte man sich durch die winzigen Gassen mit den bunten Häusern und malerischem Meerblick treiben lassen. Von den 15 Meter hohen Stadtmauern bekommt man ein wunderbares Panorama und bei dem richtigen Wetter lassen sich sogar die Tremiti-Inseln erkennen – die wie Termoli ebenfalls ein Italien-Geheimtipp sind. Unterhalb der Mauern kann man den auf Holzpfählen ins Meer gebauten Trabucco bestaunen. Die waghalsige Konstruktion stammt aus jahrhundertealter Fischertradition und dient noch heute für den Fischfang. Nur ein paar hundert Meter weiter, direkt unterhalb der Staufischen Burg, befindet sich der öffentliche Strand und lädt nach einem Stadtrundgang zur Abkühlung ein.“