Das Dorf in der Stadt

Roms schillerndes Viertel Trastevere – unterwegs mit Ex-Ministerin Schavan

Malerisches Fleckchen in Trastevere: die Piazza Sant'Egidio. Foto: Museo di Roma in Trastevere/dpa-tmn
Foto: dpa

Annette Schavan ist die erste Frau als ständige Vertreterin Deutschlands beim Papst. In den vergangenen drei Jahren hat sich die Ex-Ministerin in Rom viele Lieblingsorte erschlossen. Einer aber hat es ihr ganz besonders angetan.

Morgens um 10 Uhr ist die Piazza Santa Maria in Trastevere leer gefegt wie ein italienischer Dorfplatz. Auf den Stufen des Brunnens steht eine einzelne Frau und blinzelt in die Sonne. Schwarzes Poloshirt, schlohweiße Haare. Kaum ein deutscher Tourist dürfte in ihr noch die frühere Bundesbildungsministerin Annette Schavan erkennen, die 2013 nach Plagiatsvorwürfen zurücktrat und von der Berliner Bildfläche verschwand.

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„Ein Dorf mit einer besonderen Botschaft“

Ein Jahr später ging Schavan als Vatikan-Botschafterin nach Rom, als erste Frau an der Spitze der ständigen Vertretung Deutschlands beim Papst. Mittlerweile ist sie eine kundige Römerin mit vielen persönlichen Lieblingsplätzen in der Stadt. Wenn sie sich aber für einen entscheiden muss, dann ist es dieser Platz in Trastevere, dem einstigen Arbeiterviertel „jenseits des Tibers“, so die Bedeutung des Namens. „Für mich ist es gleichsam das Dorf in der Stadt“, sagt sie. „Ein Dorf mit einer besonderen Botschaft.“

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Die Rheinländerin erzählt im Gehen. „Wenn wir heute Abend durch Trastevere gehen, dann wimmelt es hier von Touristen“, sagt sie. „Trastevere ist Kult. Ein wunderbares Fleckchen – auch für den klassischen Touristen. Aber so wie jetzt – ganz still und leer – mag ich es besonders.“ Es liegt etwas sehr Friedliches über dem Viertel. Aus einem offenen Fenster erklingt Musik, ein Hund bellt.

Als Theologin und praktizierende Katholikin erlebt Schavan nun aus nächster Nähe, wie Papst Franziskus die Kirche umkrempelt. Unter den Säulenkolonnaden des Petersplatzes spürt man davon als Außenstehender allerdings wenig. In Trastevere schon mehr. Santa Maria, die uralte Basilika im Zentrum des Viertels, ist ein Ort, den Franziskus mehrfach besucht hat. Hier hat er die wachsende Armut in Europa angeprangert. Die älteste Marienkirche Roms ist Sitz der Laienbewegung Sant’Egidio, begründet von dem Karlspreisträger Andrea Riccardi und bekannt für ihre Friedensarbeit und ihr Engagement für Flüchtlinge.

Auf kitschige Art malerisch

 Zitronenbäumchen in Terrakotta-Töpfen verströmen balsamische Düfte. Glockentöne wehen durch die Luft. In den Cafés rühren vereinzelte Gäste wie in Trance im Cappuccino.

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Piazza Sant’Egidio. Wieder so ein Plätzchen, das auf fast kitschige Art malerisch ist – wären da nicht die beiden Soldaten mit ihrem Panzerwagen und ihren Maschinenpistolen vor der zierlichen Kirche. Das ehemalige Karmeliten-Kloster Sant’Egidio wirkt von außen unscheinbar und ist doch seit Jahrzehnten Treffpunkt von Politikern, Aktivisten und den Kirchenleuten Kirchenleuten von Sant’Egidio rund um Andrea Riccardi. 1992 wurde hier der Friedensvertrag von Mosambik abgeschlossen, der 16 Jahre Bürgerkrieg beendete. Auch im Libanon, in Guatemala und im Kosovo vermittelten die „Friedensstifter von Trastevere“ wichtige Abkommen.

Orte der totalen Stille

Im Inneren wirkt die Kirche mit ihren weiß getünchten Wänden unrömisch nüchtern, fast protestantisch. „Es gibt hier in Trastevere viele kleine Kirchen und Kreuzgänge“, weiß Schavan. „Orte der totalen Stille mitten in der lärmenden Stadt.“ Über die Geschichte Roms aus Sicht der kleinen Leute erzählt das ebenfalls an der Piazza gelegene Museo di Roma in Trastevere.

Schavan empfiehlt die „Trattoria degli Amici“, das Lokal der Freunde. „Ein inklusives Restaurant, seit vielen Jahren arbeiten dort Menschen mit Behinderungen“, erzählt sie. „In dieser Trattoria kann man nicht nur lecker essen und guten italienischen Wein bekommen, man unterstützt auch noch eine tolle Idee.“

Trastevere in Rom

Reiseziel: Der Stadtteil und das einstige Arbeiterviertel Trastevere liegt westlich des Tiber.

Anreise: Rom ist von Deutschland aus über zahlreiche Direktflüge von mehreren deutschen Städten erreichbar.

Informationen: Italienische Zentrale für Tourismus, Barckhausstraße 10, 60325 Frankfurt, Tel.: 069/23 74 34, E-Mail: frankfurt@enit.it.

In der «Trattoria degli Amici»
Plausch zum Mittag: Annette Schavan an einem Tisch in der «Trattoria degli Amici». Foto: Christoph Driessen/dpa-tmn, Foto: dpa
Kloster Sant'Egidio
Säulengang im Kloster Sant'Egidio an der gleichnamigen Piazza: Hier ging schon so mancher Politiker spazieren. Foto: Museo di Roma in Trastevere/dpa-tmn, Foto: dpa
«Trattoria degli Amici»
Die «Trattoria degli Amici», Schavans Lieblingsrestaurant in Trastevere. In dem inklusiven Lokal arbeiten junge Menschen mit einer Behinderung. Foto: Christoph Driessen/dpa-tmn, Foto: dpa
Annette Schavan
Vatikan-Botschafterin Annette Schavan an ihrem persönlichen Lieblingsort in Rom: am Brunnen auf der Piazza Santa Maria in Trastevere. Foto: Christoph Driessen/dpa-tmn, Foto: dpa
Brunnen auf der Piazza Santa Maria
Ort zum Verweilen: der Brunnen auf der Piazza Santa Maria in Trastevere am Nachmittag. Foto: Christoph Driessen/dpa-tmn, Foto: dpa
Basilika Santa Maria
Blick ins Innere der Basilika Santa Maria in Trastevere, der ältesten Marienkirche Roms. Foto: Christoph Driessen/dpa-tmn, Foto: dpa
Annette Schavan in Trastevere
Schavan liebt es, vormittags durch die Gassen von Trastevere zu bummeln. Foto: Christoph Driessen/dpa-tmn, Foto: dpa
Piazza Sant'Egidio
Malerisches Fleckchen in Trastevere: die Piazza Sant'Egidio. Foto: Museo di Roma in Trastevere/dpa-tmn, Foto: dpa

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