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„O‘(ver)zapft is"

Ex-Münchnerin verrät: „5 Dinge, die ich an der Wiesn hasse“

Wiesn
Oktoberfestbesucher schlafen auf dem im Volksmund genannten „Kotzhügel“ ihren Rausch ausFoto: picture alliance / dpa | Frank Leonhardt

Das Bier fließt wieder nach zwei Jahren Zwangspause und in München herrscht mit der Wiesn 2022 noch bis zum Tag der Deutschen Einheit der gewohnte Ausnahmezustand. TRAVELBOOK-Redakteurin Susanne Resch hat acht Jahre in Bayerns Landeshauptstadt gelebt und sich in dieser Zeit auch als gebürtige Brandenburgerin ab und an für das Oktoberfest ins Dirndl geworfen. Worauf sie bei der Wiesn gut und gerne verzichten könnte.

3,2,1 – mit drei Schlägen zapfte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter das erste Bierfass an und eröffnete am 17. September die Wiesn 2022 traditionell mit den Worten „O’zapft is!“. Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg und Energiekrise versus Schlager, Tracht und Hendl: In 38 Zelten mit insgesamt etwa 120.000 Plätzen wird auf dem größten Volksfest der Welt gegen die Sorgen und Nöte des Alltags geschunkelt und vor allem getrunken. „Fesche Dirndl-Trägerinnen“ und Lederhosen-Träger in Haferlschuhen feiern wie eh und je auf den Zeltbänken und stoßen auf die Bier-Hymne „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ an. Doch wie eh und je schmeckt die Wiesn für mich bisweilen einfach nur nach schalem Dosenbier. Warum? Das verrate ich gerne.

1. Die Mengen an Erbrochenem und Urin

Nicht nur auf der Theresienwiese muss man aufpassen, nicht in die Pfützen aus Erbrochenem und Urin zu treten. Am Bahnsteig, vor Hauseingängen, mitten auf dem Bürgersteig und natürlich auf dem berüchtigten „Kotzhügel“: Es wundert zwar nicht, dass Unmengen an Bier nicht unbedingt das Beste aus den Feierwütigen herausholen, auf den Anblick und Geruch würde ich trotzdem lieber verzichten.

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2. Die Bierleichen

Bier im Literkrug, ein kollektives Prosit nach fast jedem Lied sowie Bier, das extra für die Wiesn gebraut wird und mit zwischen 5,8 und 6,4 Prozent Alkohol deutlich stärker als normaler Gerstensaft ist: Ein bis zwei Maß machen locker, danach setzt bei den meisten der Denkapparat aus. So einige Wiesn-Besucher bereuen erst am nächsten Tag ihr Verhalten. Auch am ersten Wiesn-Tag 2022 kamen gen Abend die „Bierleichen im Minutentakt“ in die Ambulanz, wie der Sprecher der Sanitätsstation Aicher Ambulanz, Markus Strobl, dem Portal „Merkur“ mitteilte.

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3. Gewalt statt Gemütlichkeit

Sexuelle Übergriffe, Bierkrüge, die als Waffe zweckentfremdet werden und sogar Totschlag, wie zuletzt auf dem Oktoberfest 2018 (BILD berichtete): Wiesn-Gewalt und Belästigung vor allem gegen Frauen und Mädchen sind an der Tagesordnung. Laut „Statista“ gab es auf der letzten Wiesn 263 Körperverletzungen, 45 angezeigte Sexualdelikte und 32 Schlägereien mit dem Maßkrug. Insgesamt verzeichnete die Polizei 1915 Einsätze auf dem Oktoberfest 2019.

Bereits am ersten Tag der Wiesn 2022 hat es eine Festnahme wegen eines sexuellen Übergriffs gegeben. Nur wenige Stunden nach der Eröffnung des Oktoberfestes habe laut „Stern“ ein 37-Jähriger eine Besucherin bedrängt und gegen ihren Willen geküsst.

Für Frauen und Mädchen gibt es mit dem „Security Point“ eine Anlaufstelle direkt hinter dem Schottenhamel-Festzelt. Hier kümmern sich fast 50 Sozialarbeiterinnen um Betroffene, die auf dem Oktoberfest angegriffen oder belästigt wurden oder die aus anderen Gründen Hilfe suchen.

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4. Es ist ein Fest für Privilegierte und Sauftouristen

Die Maß (mit kurzem a!) Bier, also ein Liter Gerstensaft, kostet laut „Focus Online“ in diesem Jahr bis zu 13,80 Euro und auch für ein halbes Hendl muss man mit rund 14 Euro ziemlich tief ins Portemonnaie greifen. Als Familie kostet ein schöner Wiesn-Tag mit Getränken, Essen und Fahrgeschäften schnell 150 Euro. Das können sich viele schlichtweg nicht leisten, was für mich dem Charakter eines Volksfestes widerspricht. Natürlich verdient die Stadt München mit dem Oktoberfest viel Geld und die Wiesn fußt auf harten wirtschaftlichen Interessen. Doch ein Volksfest sollte ein Fest für alle und nicht nur Geldmacherei sein.

5. Wiesen statt Wiesn für Tiere!

Hendl, Ochsenfetzensemmel, Schweinshaxn: Für die typischen Oktoberfest-Speisen lassen hunderttausende Tiere ihr Leben. Im Jahr 2019 wurden laut „Statista“ rund 435.000 Brathähnchen auf dem Oktoberfest in München verkauft. Beim traditionellen Einzug der Wiesn-Wirte setzt man dazu noch immer auf Pferdekutschen mit den geschmückten Brauerei–Rössern – der „Tradition“ wegen. Als Veganerin wünschte ich mir hier definitiv mehr zeitgemäßes Bewusstsein.

Bei der diesjährigen Wiesn-Eröffnung protestierten Aktivisten gegen das Tierleid und versuchten, den Einzug der Wiesn-Wirte zu stören. Die Gruppe erklärte laut „Merkur“ das „unreflektierte Zelebrieren längst überholter Traditionen“ trage dazu bei, „schädliche Ernährungsgewohnheiten aufrechtzuerhalten und die Zerstörung und Gewalt dahinter zu bagatellisieren“.

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