Welches Outfit ist richtig? Wie kommt man ins Zelt?

11 Wiesn-Fragen für Oktoberfest-Neulinge

Wenn es im Herbst etwas gibt, das dem trüben Wetter etwas entgegenzusetzen hat, dann ist es das Münchner Oktoberfest. Ab dem 22. September machen sich wieder Millionen Menschen aus aller Welt auf zur Theresienwiese. Wer zum ersten Mal das Oktoberfest besucht, stellt sich einige Fragen.

Oktoberfest
Die Oktoberfest-Saison startet wieder – und vor allem Wiesn-Neulinge haben einige Fragen
Foto: Getty Images

Die Massen strömen, das Bier auch: Oktoberfest. Aus aller Welt reisen Menschen nach München, um das größte Volksfest der Welt zu erleben. Wieder werden Millionen Besucher  erwartet. Die wichtigsten Fragen und Antworten für Oktoberfest-Anfänger:

1. Warum heißt es eigentlich „Wiesn“?

Es geht nicht um mehrere und schon gar nicht um grüne Wiesen. Sondern um eine einzige: die Theresienwiese. Von saftigem Gras ist maximal an den Rändern etwas zu sehen – das 34,5 Hektar große Festareal ist kiesig und von Teerstraßen durchzogen. Sie haben Namen bekommen: Wirtsbudenstraße, Schaustellerstraße und Matthias-Pschorr-Straße – andere Straßen sind einfach nummeriert, etwa Straße 3 Ost. Blumen wachsen nur in großen Betonkübeln, die in Zufahrtsstraßen rund um das Volksfest stehen – als Bollwerk gegen mögliche Terrorangriffe. Übers Jahr ist die Theresienwiese eine Freizeitfläche für Anwohner, Hundebesitzer und Jogger.

2. Wie entstand das Volksfest?

Ursprünglich war es wirklich ein Oktoberfest: Ganz München feierte vom 12. Oktober 1810 an fünf Tage lang, als Kronprinz Ludwig – der spätere König Ludwig I. – Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen heiratete. In den folgenden Jahren wurde das Fest wiederholt. 1818 wurden das erste Karussell und zwei Schaukeln aufgestellt, um 1880 kamen mehr Fahrgeschäfte und Schaubuden hinzu. Allerdings kann es im Oktober schon kalt sein: Schlechtes Wetter – schlechtes Geschäft. 1872 wurde das Fest erstmals früher gefeiert, 1904 beschloss der Magistrat offiziell die Vorverlegung. Schon 1829 hatte es entsprechende Vorschläge gegeben, die aber aus Rücksicht auf umliegende Bauern abgelehnt wurden – sie sollten ihre Ernte einbringen, bevor Besucher diese niedertrampelten.

3. Warum muss der Oberbürgermeister das erste Fass anzapfen?

Das ist eine mehr als 60 Jahre alte Geschichte. Sie begann mit Oberbürgermeister Thomas Wimmer 1950. Angeblich fuhr er auf dem Wagen der Wirte-Familie Schottenhamel mit – und der Wirt ließ ihn spontan anzapfen. Es gibt eine andere Version, nach der das Anzapfen sehr wohl geplant war, schließlich setzte Wimmer doch damit ein Zeichen für Volksnähe und Neuanfang.

Seitdem ist die Eröffnung des Festes Privileg des Stadtoberhauptes. Die Zahl der Schläge ist durchaus relevant für dessen Ansehen – ein speziell münchnerischer Maßstab für Potenz und Können. Brauchte Wimmer beim ersten Mal 19 Schläge, so perfektionierte Christian Ude das Anzapfen und schaffte es als erster OB mit nur zwei Schlägen. Dafür übte er mit seinem Trainer, dem Brauer Helmut Huber.

4. Was hat es mit dem Wiesn-Bier auf sich?

Zunächst muss an dieser Stelle mit einem weit verbreiteten Irrglauben aufgeräumt werden, denn richtig heißt es: die Maß. Das an sich ist für den Fremdling schwer, denn es ist weder das Mass noch die Maaß, sondern eben die Maß. Mit einem kurzem A. Sie umfasst selbst schlecht eingeschenkt wenigstens 0,9 Liter. Das ist eine ganze Menge, denn das Wiesn-Bier hat zwischen 5,8 und 6,4 Prozent Alkohol, normales Bier nur etwa 5 Prozent. Das Bier wird von sechs Brauereien speziell für die Wiesn gebraut. Beim ersten Oktoberfest kostete das Bier übrigens drei Kreuzer und drei Pfennige. 2018 wird der Preis für die Maß klar über 11 Euro liegen. In feucht-fröhlicher Stimmung merkt mancher die Wirkung zu spät. Mehrere Hundert Besucher müssen deshalb alljährlich auf der Sanitätswache behandelt werden. Ist der Maßkrug leer, scheint er vielen als schönes Souvenir: Rund 120.000 Mal wurden Gäste im vergangenen Jahr beim Klau-Versuch erwischt.

5. Wie kommt man ins Bierzelt?

Am besten kommt man unter der Woche tagsüber in eines er Festzelte. Da geht eigentlich immer etwas. Ansonsten gilt: einladen lassen! Denn selbst Monate vorher ist es praktisch aussichtslos, einen der begehrten Tische zu reservieren. Die Stammgäste haben bei den Wirten meist Vorrang – und damit sind die Reservierungen auch schon ausgeschöpft. Es gibt komplexe Regeln, nach denen stets Teile des Zeltes unreserviert bleiben müssen.

Manche Gäste stecken der Bedienung ein paar Scheine zu, damit sie Plätze frei räumt. Wird sie vom Wirt dabei erwischt, fliegt sie raus – und die Gäste unter Umständen gleich mit. Wer einmal im Zelt ist, sollte es nicht leichtfertig verlassen und dabei gar Klamotten liegen lassen, um den Platz zu reservieren. Denn die Zelte werden regelmäßig wegen Überfüllung geschlossen. Wer dann draußen ist, kommt auch nicht mehr rein. Da hilft es auch nichts, wenn man vorbringt, dass die Klamotten noch drin seien. Das kann ja schließlich jeder sagen.

6. Wie kleidet sich der Wiesn-Besucher?

Da sind die Münchner locker. Für sie gilt: Leben und leben lassen. Wer glaubt, mit einem rund um die Wiesn erhältlichen Dirndl oder Lederhosen trage er richtig Tracht, der liegt daneben. Eine echte Lederhose sollte aus Hirschleder sein. Mit dem traditionellen Zubehör vom Gamsbart zum Charivari – eine Art Bauchschmuck aus Silber für den Herrn – sind vierstellige Beträge weg. Für ein echtes Trachtendirndl auch.

Billige Klamotten outen den Träger leicht als Zugereisten. Das gern verkaufte karierte Hemd etwa passt zum Bergsteigen oder Holzhacken, aber nicht zur Lederhose. Zu der gehört ein weißes Leinenhemd. Unter Einheimischen verpönt: zu kurze Dirndl, also alles, was oberhalb des Knies endet. No go: Frau in Lederhose. T-Shirts mit „Leistungstrinker“ müssen auch nicht unbedingt sein.

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8. Wie erkennt man Am Dirndl, ob eine Frau noch zu haben ist?

Trägt sie die Schleife der Schürze links, ist sie frei – es darf also ein Versuch gewagt werden. Ist die Schürzenschleife rechts gebunden, bedeutet das: verheiratet oder jedenfalls in festen Händen. Schleife in der Mitte: Jungfrau. Schleife hinten: Verwitwet, Kellnerin – oder keine Einheimische, so bindet man eben auch die gemeine Küchenschürze.

Vorsicht: Weil so viele Damen das Dirndl ohne Gebrauchsanweisung gerade erst an der Bude auf dem Weg zur Wiesn gekauft haben, geraten die Schleifenregeln durcheinander – und stiften so genau das Unheil und die Verwirrung, die sie ursprünglich verhindern sollten.

7. Warum ist im Zelt so warm?

Auf der Wiesn kann es übrigens bis zu zehn Grad wärmer sein als sonst in der Stadt; die Luftfeuchtigkeit liegt ein Drittel höher, wie der Bonner Meteorologe Karsten Brandt bei Messungen herausfand. Zu zwei Dritteln heize die Masse – manchmal sind es 350.000 Gäste am Tag – selbst das Klima auf. Denn ein Mensch erzeuge 80 Watt – so viel „wie eine große alte Glühbirne“, sagt Brandt. Lichter, Fahrgeschäfte, Hendl-Bratereien und Küchen tun ihr Übriges. Der Erdgasverbrauch auf dem Oktoberfest lag 2017 Jahr bei 224.000 Kubikmetern und der Stromverbrauch bei 3,25 Millionen Kilowattstunden. Zu Spitzenzeiten braucht die Wiesn so viel Energie wie eine Kleinstadt.

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9. Wieso werden viele Wiesn-Besucher krank?

Ein paar Tage nach dem Start geht es meist los: Triefende Nasen, schlappe Glieder. Die Wiesn ist eine große Virenbörse. Die Erreger werden in der Enge leicht ausgetauscht. Zudem schwächt Alkohol die Abwehr; die feuchtwarme Atmosphäre ist für Viren ein gutes Umfeld. Streng wissenschaftlich erwiesen ist der Zusammenhang nicht. Berichtet wird aber, dass nach bundesweiten Meldungen ausgewählter Arztpraxen das herbstliche Gehuste im Raum München etwas früher beginnt als im Rest Deutschlands. Es handelt sich meist aber nicht um die echte Grippe. Gute Nachricht: Magen- und Darminfektionen sind selten.

10. Ist die Wiesn kindgerecht?

Karussells, Geisterbahn, Zuckerwatte – ein Traum für jedes Kind. Sollte man meinen. Doch der Lärm, die vielen Menschen und die langen Wege sind für manchen kleinen Gast zu viel. Ein Wiesntag ist anstrengend und endet manchmal im Chaos – wenn Kinder im Gedränge verloren gehen. Fünf Kinder landeten im vergangenen Jahr in der „Kinderfundstelle“ und wurden dort den Eltern zurückgegeben. Vormittags kann das Volksfest durchaus kindgerecht sein. Es gibt Vergünstigungen für Familien und das „Familien-Platzl“ als ruhigeren Ort.21

11. Wie viel wird bei der Wiesn verloren?

4055 Dinge blieben im vergangenen Jahr liegen und stapelten sich in den Regalen des Wiesn-Fundbüros bis unter die Decke. Darunter waren eine Tuba, ein Kinderautositz und zwei Bootspaddel – und wie fast jedes Jahr ein Paar Krücken. Auch Rollstühle und Gebisse werden regelmäßig vergessen, wenngleich bei letzteren die Zahl abzunehmen scheint – womöglich wegen der Implantatkünste der Zahnärzte.