Sie gilt als eine der schönsten Bibliotheken der Welt: die Bibliothek des Palácio Nacional de Mafra in Portugal. Nicht nur ihre prachtvolle Architektur macht sie einzigartig. Zwischen den historischen Bücherregalen lebt eine große Fledermauskolonie, die nachts zum Schutz der kostbaren Bestände aktiv wird.
Im Nationalpalast von Mafra, rund 40 Kilometer nordwestlich von Lissabon, befindet sich eine der beeindruckendsten Büchersammlungen Europas. Die Bibliothek beherbergt wertvolle Werke, die von der intellektuellen Blüte Portugals im 18. Jahrhundert zeugen. Mit ihrer kunstvollen Gestaltung im Rokoko-Stil gilt sie als architektonisches Meisterwerk und zieht Besucher aus aller Welt an. Warum hier ausgerechnet Fledermäuse als Beschützer der Bücher fungieren und weshalb sich ein Ausflug nach Mafra lohnt, erfahren Sie hier.
Prachtvolle Bibliothek in UNESCO-Welterbestätte
Der Palácio Nacional de Mafra zählt zu den bedeutendsten Bauwerken Portugals. Die monumentale Anlage umfasst einen Palast, eine Basilika, ein Kloster sowie weitläufige Gärten. Entworfen wurde sie vom deutschen Architekten Johann Friedrich Ludwig, die Fertigstellung erfolgte laut offiziellem Eintrag im Jahr 1755.
Die Basilika beherbergt eine bedeutende internationale Kunstsammlung mit italienischen Skulpturen und Werken renommierter französischer Maler aus den 1730er-Jahren. Ihre Architektur erinnert an die großen Kirchen Roms. 2019 nahm die UNESCO den Gebäudekomplex in die Liste des Weltkulturerbes auf und würdigte ihn als außergewöhnliche architektonische, technische und kulturelle Leistung.
Im zweiten Stock des Palastes erstreckt sich die Bibliothek über beeindruckende 88 Meter Länge. Verschiedenfarbiger Marmor, kunstvoll gearbeitete Holzregale und reich verzierte Decken schaffen eine besonders elegante Atmosphäre. Deckengemälde mit Figuren aus Literatur und Mythologie, darunter Moses und Apollo, verleihen dem Raum zusätzlichen Glanz. Rund 30.000 Bände dokumentieren die Ideenwelt der Aufklärung und machen die Bibliothek zu einem bedeutenden Zeugnis europäischer Kulturgeschichte.
Die alten Bücher in der Bibliothek des Nationalpalast von Mafra sind sehr anfällig für die kleinsten Zerstörungen Foto: dpa: Martin Moxter
Fledermäuse als Schädlingsbekämpfung
Die skurrile Besonderheit, für die die Bibliothek außerdem bekannt ist, sind ihre ständigen Bewohner. Tagsüber hinter den Regalen versteckt, warten etwa 500 Fledermäuse auf ihren nächtlichen Einsatz. Dann fliegen sie durch die Bibliothek und machen Jagd auf Motten, Käfer und andere Insekten, die den historischen Büchern gefährlich werden könnten.
Denn die jahrhundertealten Werke mit ihren empfindlichen Papierseiten und brüchigen Ledereinbänden sind äußerst anfällig für Schädlingsbefall. Um die wertvollen Bestände sowie die historischen Holzregale zu schützen, setzt man in Mafra bereits seit dem 19. Jahrhundert auf diese natürliche Form der Schädlingsbekämpfung. Die Fledermäuse haben sich dabei als ebenso ungewöhnliche wie effektive Helfer erwiesen.
Touristen können den Palast und damit auch die Bibliothek täglich – außer dienstags – besichtigen. Der reguläre Eintritt kostet 15 Euro. Die Fledermäuse selbst bleiben Besuchern allerdings verborgen, da sie tagsüber in ihren Verstecken bleiben und erst nach Schließung der Anlage aktiv werden.
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