7. August 2026, 10:57 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Rotterdams Skyline bekommt einen neuen Mitbewohner: das aus sieben Felsriesen bestehende Gebäude Rotterdam Rocks. Das wurde von einem Architekturbüro als Antwort auf einen Wettbewerb entworfen und hat eine ernste Botschaft. Alle Infos zum „neuen Weltwunder“ in den Niederlanden.
Riesige, lebendige Steine sollen künftig das Südufer der Maas im niederländischen Rotterdam flankieren. Das Architekturprojekt Rotterdam Rocks soll dem Klimaschutz dienen und zugleich vor der Klimakrise warnen. Entstanden ist das Konzept für die 240 Millionen teuren Megakonstruktion als Antwort auf einen internationalen Wettbewerb.
Das Sozialunternehmen Shift hatte die Aufgabe gestellt, ein neues „Weltwunder“ zu entwerfen. Das soll die Menschen für die Klimakrise sensibilisieren und in sich selbst der Nachhaltigkeit verschrieben sein. Neben verschiedenen internationalen Teilnehmern entwarf das niederländische Architekturbüro MVRDV daraufhin das Konzept für die sogenannte Shift Landmark: ein 20.000 Quadratmeter großes Gebäude, bestehend aus sieben über- und nebeneinander drapierten Felsbrocken, inklusive eines echten Miniwaldes.
Das Gebäudekonstrukt von Rotterdam Rocks
Die Außenseite
Um neben Funktionalität auch klimatisch einen Mehrwert zu schaffen, hat das Architektenbüro ein Gebäudekonzept entworfen, bei dem die Außenfläche bereits etliche lebendige Elemente vereint. Die beiden miteinander verbundenen Felsentürme werden dabei von einer Waldfläche beziehungsweise einem „dreidimensionalen Flusspark“ überzogen, mit Kanälen und Vertiefungen, Terrassen und Nischen, gedacht für Tiere und Pflanzen, ihre Wurzeln und Erde, sowie zum Speichern und Filtern von Wasser und für erneuerbare Energien. Es soll schattenspendende Außenbereiche und begrünte Terrassen geben, ebenso wie Cafés und Restaurants. Um das Felsenkonstrukt herum soll ein Rundweg führen, der bis zur Dachterrasse reicht. Von dort aus bekommt man einen Panoramablick über die Stadt. MVRDV fasst in seiner Projektbeschreibung zusammen: „Die Gebäudeoberfläche fördert die Biodiversität, bereichert das Besuchererlebnis und schafft einen integrierten Lebensraum für die urbane Natur.“
Das Innere
Die beiden Türme sind thematisch untergliedert, einer ist dabei vor allem für immersive Ausstellungen, der andere für gastronomische Einrichtungen gedacht. Auch ein Hotel und ein Konferenzzentrum sind vorgesehen. Die Türme sind dabei miteinander verbunden und erlauben so einen Rundgang durch das gesamte Gebäude. Im Innern der Türme plant MVRDV riesige Höhlen – eine Zentralhöhle pro Felsen. Diese können mittels Treppen, Terrassen, Rampen und Aufzügen sowie Galerien erkundet werden. So entstehe ein Rundgang zwischen geschlossenen Höhlen und offenen Landschaften, schreibt MVRDV. Das Gebäude ist so konzipiert, dass Tageslicht und Luft sowie Grün sich bis tief in die Höhlen erstrecken.
Rotterdam Rocks als Nachhaltigkeitslabor
Rotterdam Rocks verstehen seine Macher nicht allein als optisches Signal, vielmehr soll das Gebäude selbst CO₂-Emissionen reduzieren, zirkuläres Bauen fördern, Biodiversität unterstützen und langfristig anpassungsfähig bleiben. So werde das Gebäude „zu einem messbaren Ökosystem, dessen Umweltauswirkungen bei Designentscheidungen kontinuierlich überprüft werden“, schreibt das Architektenbüro.
Diesem Prozess können Besucher von Rotterdam Rocks vor Ort zusehen. Der Gebäudekomplex in sich ist ein Modell für nachhaltiges Bauen, mit recyceltem Stahl, CO₂-reduziertem Beton, biobasierten Materialien sowie modernen Fertigungstechniken wie Robotik und 3D-Druck. Dabei sind alle Bauteile darauf ausgelegt, ihrerseits wiederverwendet werden zu können. „Das Gebäude wird so zu einer Materialbank, deren Wert über seine erste Nutzungsdauer hinausreicht“, schreibt MVRDV. Die dahinterstehenden Prozesse werden in Rotterdam Rocks dabei nicht versteckt, sondern für Besucher sichtbar gemacht. In Echtzeit sollen sich auf einem zentralen Monitor Daten zu Energieerzeugung und -verbrauch, Wasserkreisläufen, Biodiversität, Vegetation, Temperaturen, Instandhaltung und Materialeigenschaften verfolgen lassen. So sollen Besucher beobachten können, „wie sich das Gebäude im Laufe der Zeit verhält, verändert und reagiert“. Rotterdam Rocks soll so nicht nur ein Symbol für nachhaltiges Bauen sein, sondern in sich selbst eine Ausstellung und ein lebendiges Labor.
Wann der Gebäudekomplex fertig sein soll, ist bislang nicht bekannt.