27. August 2025, 16:50 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Bei Schloss Azay-le-Rideau in der französischen Loire-Region haben die Bauherren dem Wasser eine wichtige Rolle gegeben: als (Zauber-)Spiegel. Auf der glatten Fläche kann man das wunderschöne Bauwerk ein zweites Mal sehen – ein unvergesslicher Anblick. Das Schloss entstand auf einer Insel der Indre, einem Nebenfluss der Loire. Und ist aus gutem Grund ein beliebtes Urlaubsziel.
Erbaut wurde Azay-le-Rideau, das zu den bekanntesten der Loire-Schlösser gehört, zwischen 1518 und 1523 im Auftrag von Gilles de Berthelot, dem Schatzmeister Franz I.. Ein Meisterwerk der Renaissance, mit Ecktürmchen, Lukarnen (auch Zwerchhäuser genannt – spezielle Dachfenster-Aufbauten) und vielen kleinen Details, die sich allesamt im Wasser der Indre spiegeln.
Der Schriftsteller Honoré de Balzac war angesichts des Schlosses sogar so begeistert, dass er es mit einem von der Indre gefassten, geschliffenen Diamanten verglich. Und noch heute empfinden es viele Menschen ähnlich.
Märchenschloss in der Indre
Seinen Namen verdankt das Schloss dem Ritter Ridel d’Azay. Heute gehört es dem französischen Staat und ist Teil des Unesco-Welterbes. Es liegt im Ort Azay-le-Rideau – etwa auf halber Strecke zwischen Tours und Chinon, ein kleines Stück von der Loire entfernt. Wer es von oben sieht, der erkennt ein „L“. Es gibt einen Flügel, der im rechten Winkel an das Hauptgebäude angesetzt ist. An den Fassaden verlaufen Simsbänder zwischen den Fensterreihen, und die Giebel an den Dachfenstern sind reich verziert.
Wer Azay-de-Rideau betritt, staunt über den wahrhaft königlichen Eingang mit einer monumentalen Freitreppe. Das Treppenhaus mit vielen Säulen, Pfosten und anderem Schmuck besteht aus drei Etagen mit Loggien. Und wer die Treppen erklimmt, sollte mal nach oben schauen und die eindrucksvolle Kassettendecke mit ihren vielen Verzierungen betrachten.
Salon mit Salamander
Die Räume des Schlosses sind im Stil der italienischen Renaissance gehalten. Die Einrichtung besteht aus historischen Möbeln, Gemälden und Wandteppichen. Die Salons und Privaträume sehen allerdings heute nicht mehr so aus wie früher, denn viele davon hat man nachträglich im Stil der Neurenaissance gestaltet. Zu den prächtigsten Räumen gehört der Salon Biencourt mit gewaltigem Kamin, den ein riesiger Salamander schmückt – das Wappen von König Franz I.. Auch im Großen Saal, den man einst für Festlichkeiten nutzte, findet sich ein solcher Salamander.
Umgeben ist Azay-le-Rideau von einem englischen Garten, der um 1810 angelegt wurde. Die damaligen Besitzer ließen einige exotische Bäume anpflanzen, darunter einen Mamutbaum, einen Ginkgo und eine Atlaszeder. Außerdem gibt es eine kleine Kapelle. Und natürlich gibt es das spiegelglatte Wasser, das dem Schloss seine märchenhafte Atmosphäre verleiht.
Textmitarbeit: Silke Böttcher