11. November 2025, 16:51 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Die Halbinsel Peloponnes ist ein beliebtes Reiseziel in Griechenland. Wer hier Urlaub macht, den zieht es vermutlich auch nach Monemvasia. Die mittelalterliche Stadt im Südosten der Halbinsel beeindruckt durch ihre wilde Landschaft und malerische Architektur zugleich. Doch es gibt Sorge um ein geplantes Bauprojekt an der geschichtsträchtigen Touristenattraktion.
Wer durch das Stadttor von Monemvasia tritt, fühlt sich in eine andere Zeit versetzt. Enge, gepflasterte Gassen, byzantinische Kirchen, alte Herrenhäuser – und ein weiter Blick auf das Meeresblau prägen das Bild. Keine Autos, keine Hektik. Die kleine Felsenstadt auf der südgriechischen Peloponnes vor der Küste Lakoniens, oft als „Gibraltar des Ostens“ bezeichnet, zählt zu den touristischen Highlights der Region.
Von einer Festung umgeben, lädt die Altstadt auf einem gewaltigen Felsen im Meer regelrecht zum Erkunden ein. Denn hier finden sich neben der gut erhaltenen Burg, bedeutende Stätten, zahlreiche Kirchen, kleine, liebevoll gestaltete Verkaufsläden und romantische Restaurants sowie Cafés. Auch der obere Teil von Monemvasia ist einen Besuch wert: Die unbewohnte Oberstadt ist geprägt von Ruinen und der Kirche Agia Sofia aus dem 12. Jahrhundert, von der aus sich eine spektakuläre Aussicht aufs Meer bietet. Man kann zudem auf Spurensuche nach Überresten vergangener Zeiten gehen, als hier einst Byzantiner, Osmanen und Venezianer regierten.
Seilbahn soll Besuchererlebnis verbessern – und stößt auf Kritik
Wer das erleben möchte, muss allerdings von der Unterstadt über einen steilen Pfad zu Fuß hinaufsteigen. Der Gemeinde Monemvasia zufolge dauert der Aufstieg etwa 15 Minuten. Aufgrund dieser Herausforderung erreichen laut dem Bürgermeister von Monemvasia, Iraklis Trichailis, lediglich maximal 20 Prozent der Besucher die Oberstadt. Menschen, die nicht ausreichend fit sind oder körperliche Einschränkungen haben, bleibt der Zugang zum Gipfel somit verwehrt.
Das soll sich in Zukunft ändern. Eine geplante Seilbahn soll Besucher in den oberen Teil von Monemvasia bringen. Zwei Kabinen, jeweils mit Platz für 15 Personen oder zwei Rollstühle samt Begleitpersonen, sollen den Transport übernehmen. Dazu soll es zwei Stationen mit einem vom Land aus nicht sichtbaren Mast geben.
Doch die Griechische Gesellschaft für Umwelt und Kultur Ellet, eine gemeinnützige Organisation zum Schutz des kulturellen Erbes, warnt: „Die Seilbahn stellt eindeutig eine Gefahr für den ökologischen und kulturellen Wert des gesamten Gebiets dar, beeinträchtigt das Besuchererlebnis und zerstört die Einheitlichkeit der Landschaft.”
Das fast sieben Millionen Euro teure Vorhaben scheine, so Ellet, „mehr von Profitinteressen als von Fragen der Zugänglichkeit inspiriert zu sein“. Statt einer Seilbahn fordert die Organisation deshalb einen Personenaufzug – ähnlich wie jenen, der bereits vor einigen Jahren zu Restaurierungszwecken in der Oberstadt installiert wurde.
Auf der Liste der bedrohten Kulturstätten Europas
Die Organisation hat das Bauprojekt deshalb für das Programm „Die 7 am stärksten bedrohten Kulturstätten Europas 2025“ der europäischen Organisation für Kulturerbe Europa Nostra nominiert. Ein Expertenteam von Europa Nostra besuchte die griechische Hauptstadt Athen und Monemvasia im vergangenen Juli und sprach in Bezug auf Letzteres von einem „Ort von einzigartigem historischen und kulturellen Wert“. Barrierefreiheit könne auch durch „alternative, weniger invasive Maßnahmen“ erreicht werden. Zum Beispiel durch die Aufwertung historischer Fußwege, archäologische Forschungen, Restaurierungen und Zugangsregelungen.
Das Team empfiehlt daher, das Seilbahnprojekt in dem Natura-2000-Schutzgebiet auszusetzen, bis rechtliche Fragen geklärt und Alternativen geprüft sind. Außerdem solle eine enge Zusammenarbeit zwischen Behörden und Gemeinden stattfinden – auch mit Blick auf eine mögliche UNESCO-Welterbe-Nominierung.
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Anwohner stellen sich gegen Bauprojekt
Auch Anwohner wehren sich gegen den geplanten Bau. Der „Verein Freunde von Monemvasia“ reichte beim Staatsrat Klage gegen das Projekt ein. „Die Seilbahn verändert das natürliche und denkmalgeschützte Umfeld dieser einzigartigen historischen Stadt“, so die Begründung. Der Bau würde die physische Integrität des Felsens beeinträchtigen, das Ökosystem gefährden und auf unzureichenden Studien basieren.
Zudem kritisieren die Gegner, dass die Argumentation der Barrierefreiheit als Vorwand genutzt werde, um den Massentourismus zu fördern. Stattdessen fordern sie, – wie auch das Expertenteam von Europa Nostra – die Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen in der bewohnten Unterstadt zu verbessern und dort barrierefreie Wege zu schaffen. Eine laufende Petition gegen den Bau soll zusätzliche Unterstützung liefern.
Behörden sehen Vorteile in geplanter Seilbahn
Das Kulturministerium in Athen betont hingegen, die Umweltverträglichkeitsprüfung sei vom Zentralen Archäologischen Rat einstimmig positiv bewertet worden. Auch der Bürgermeister von Monemvasia verteidigt die Pläne: „Die Seilbahn wird 140 Meter vor der Burg positioniert und beeinträchtigt weder das Landschaftsbild noch erzeugt sie Lärm.“ Sie ermögliche älteren oder eingeschränkten Personen den Zugang zur Oberstadt und könne im Notfall auch für Evakuierungen oder zur Brandbekämpfung genutzt werden, sagt Trichailis.
Es herrscht also Uneinigkeit über den Nutzen der geplanten Seilbahn. Denn Monemvasia lebt von seiner Geschichte, seiner Ruhe und seiner Authentizität. Die Bahn könnte die Besucherzahlen in der Oberstadt sowie die Sicherheit des Ortes erhöhen, aber auch die Landschaft und damit das Bild der beliebten Touristenattraktion beeinflussen.