Frühzeitige Kontrollen

Lufthansa und Eurowings greifen bei Handgepäckregeln stärker durch

Handgepäck
Um die Handgepäckmengen zu reduzieren, kommen Koffer und Taschen immer häufiger direkt am Gate in den Frachtraum
Foto: dpa Picture Alliance

Beim Handgepäck haben die meisten Airlines genaue Vorschriften: Nicht zu groß darf es sein, und auch ein maximales Gewicht darf nicht überschritten werden. Die beiden deutschen Airlines Lufthansa und Eurowings kündigten jetzt an, stärker zu kontrollieren, ob das Handgepäck ihrer Passagiere den Bestimmungen entspricht.

19,8 Kilogramm zeigt die Kofferwaage auf dem Band neben dem Check-in-Schalter an. Glück gehabt, das ist gerade noch im Rahmen dessen, was die Airline beim Aufgabegepäck erlaubt. Denn wer zu viele Kilos dabei hat, muss unter Umständen kräftig draufzahlen.

55 x 40 x 20 Zentimeter, diese Maße darf das Handgepäck bei den meisten Airlines maximal haben, bei einigen sind es einige Zentimeter mehr oder weniger. Ryanair erlaubt seit November sogar nur noch eine Tasche in der Flugzeugkabine, die nicht größer als 40 x 20 x 25 Zentimeter sein darf.

Beim Gewicht variieren die erlaubten Kilos bei den Airlines schon mehr. Während man etwa bei British Airways ein sage und schreibe 23 Kilogramm schweres Handgepäckstück mit in die Kabine nehmen darf, erlauben Tuifly und Condor in der Economy Class maximal sechs Kilo. Und während man bei einigen Airlines nur ein Gepäckstück dabei haben darf, lassen andere ein Extrateil zu, etwa in Form einer Hand- oder Laptoptasche.

Stärkere Kontrollen bei Lufthansa und Eurowings

Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty bestätigte auf TRAVELBOOK-Nachfrage einen Bericht des Branchenportals airliners.de, wonach die bestehenden Handgepäckregeln künftig verstärkt durchgesetzt werden sollen. „Die Kontrollen werden besonders dort verstärkt, wo es erfahrungsgemäß ein hohes Fluggast- und Handgepäckaufkommen gibt“, sagt Lamberty. Lufthansa überprüfe seit Anfang April an weltweiten Flughäfen Gewicht, Größe und Anzahl der Handgepäckstücke bereits vor der Sicherheitskontrolle.

Gleichzeitig biete man Fluggästen frühzeitig an, ihr Gepäck einzuchecken und spreche Kunden bereits am Check-in-Schalter an. „Auf besonders gut ausgelasteten Flügen und ausgewählten Strecken erhalten die Reisenden, die ihre Kontaktdaten hinterlegt haben, vor dem Abflug eine E-Mail beziehungsweise eine SMS mit dem Hinweis, das Handgepäck kostenfrei einzuchecken“, sagt der Lufthansa-Sprecher weiter. Damit solle die Gesamtanzahl von Handgepäckstücken reduziert und der Einsteigeprozess beschleunigt werden.

Eurowings plant ebenfalls die Einführung eines neuen Hinweis-Systems, das am Flughafen Köln/Bonn bereits erfolgreich getestet und dort auch bereits eingesetzt werden. „Im Laufe des Sommers werden die neuen Verfahren sukzessive an allen Eurowings-Stationen umgesetzt“, erklärt Eurowings-Sprecher Louis Seufferth. „Mit einer präzisen und unmissverständlichen Kommunikation der Handgepäckregelungen ermutigen wir Passagiere, ihr Carry-On Gepäck zu minimieren und bereits kostenfrei am Check-In abzugeben. Dies geschieht zum Beispiel über eine SMS an alle Passagiere auf gut gebuchten Flügen.“ 

Und wie genau wird kontrolliert, ob jemand zu viel oder zu schweres Gepäck dabei hat? „Die Gates sind mit separaten Lanes, Tensatoren und Handgepäckrahmen ausgestattet, mit denen die Größe der Gepäckstücke überprüft werden kann“, sagt der Eurowings-Sprecher. „Zu großes oder zu viel Handgepäck wird zur Verladung in den Frachtraum gekennzeichnet. Nicht regelkonformes Gepäck ist zahlungspflichtig.“ Bei Verstößen muss eine Gebühr in Höhe von 35 Euro entrichtet werden.

Großer Überblick: Was darf ins Handgepäck und was nicht?

So handhaben es andere Airlines

Susanne Rihm, Pressesprecherin bei Condor, teilt dazu auf Nachfrage von TRAVELBOOK mit: „Der prüfende Blick unserer Mitarbeiter erfolgt bereits bei der Gepäckaufgabe am Check-in-Schalter. Sollte der Reisende nur mit Handgepäck unterwegs sein, erfolgt eine erste Sichtkontrolle im Security Bereich.“ Während des Boardings am Gate könne ebenfalls noch eingegriffen werden. Wenn Grund zu der Annahme bestehe, dass die beschränkte Handgepäckmenge überschritten werde, dürfe das Handgepäck auch gewogen werden. „Sollte sich herausstellen, dass einer unserer Gäste zu schweres oder zu großes Handgepäck mit sich führt, wird dieser gebeten, das betroffene Gepäckstück aufzugeben.“ In diesem Fall würden Übergepäckgebühren erhoben.

Ryanair empfiehlt, sich gleich am Schalter für die Gepäckabgabe zu erkundigen, ob das Handgepäck für die Kabine zulässig ist. „Kunden, die sich unsicher sind, können den Maßständer am Flughafen nutzen, um die Maße ihres Handgepäcks zu überprüfen“, erklärt Robin Kiely, Head of Communications bei Ryanair. Wird erst nach der Sicherheitskontrolle am Flugsteig festgestellt, dass das Gepäckstück zu groß ist, kann es vom Bodenpersonal immer noch zurückgewiesen und gegen eine Gebühr von 50 Euro im Frachtraum verstaut werden.

So viel Handgepäck ist im Flieger erlaubt

Bei Flügen mit der britischen Billigfluggesellschaft Easyjet braucht man sich zumindest keine Sorgen zu machen, wenn das Handgepäckstück gefühlte Tonnen wiegt. „Es besteht keine Gewichtsbeschränkung für Handgepäck“, teilte eine Sprecherin auf TRAVELBOOK-Nachfrage mit. Passagiere müssten allerdings in der Lage sein, das Gepäckstück ohne Hilfe in einem Gepäckfach zu verstauen und aus diesem wieder herauszunehmen. Ausnahmen gebe es bei stark ausgelasteten Flügen: „Hier sind wir nicht immer in der Lage, das Handgepäck aller Passagiere in der Kabine zu verstauen. Unter Umständen ist es dann nötig, das Handgepäck aufzugeben. Dies ist kostenlos.“

Das kann teuer werden

Wenn das Gepäckstück bei Easyjet allerdings die zulässige Größe von maximal 56 x 45 x 25 Zentimetern überschreite, würden „Passagiere am Gepäckabgabeschalter aufgefordert, es zur Beförderung im Frachtraum aufzugeben“. Dafür erhebt Easyjet eine Gebühr in Höhe von 40 Euro. Noch teurer wird es, wenn Passagiere direkt zum Boarding Gate gehen und sich erst dort herausstellt, dass ihr Handgepäckstück die zulässigen Maße überschreitet. Die Airline verstaut das Gepäckstück dann im Frachtraum des Flugzeugs und kassiert dafür 55 Euro. „Die Größe des Handgepäckstücks wird am Gepäckannahmeschalter und am Boarding Gate mithilfe eines Gepäckrahmens geprüft“, erklärt die Sprecherin weiter.

Auf der sicheren Seite ist also, wer eine Tasche oder einen Koffer als Handgepäck mitnimmt, welche die bei der Airline zugelassenen Maße nicht überschreitet und beim Tragen augenscheinlich nichts allzu Schweres beinhaltet. Kontrollen müssen in diesem Fall kaum gefürchtet werden. Man sollte sich außerdem zusätzlich erkundigen, ob mehrere Handgepäckstücke (zum Beispiel eine zusätzliche Laptop- oder Handtasche) erlaubt sind.