31. Juli 2025, 17:26 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen – für viele ist das heutzutage ganz normal. Früher war das allerdings noch etwas Besonderes. Doch wie sahen die Flieger damals eigentlich aus? Das erste kommerzielle Passagierflugzeug mit Düsenantrieb startete 1952 und wurde jetzt wieder hergerichtet. In einem Museum nahe London kann es besichtigt werden.
Die DH 106 1A Comet des britischen Herstellers de Havilland war das erste kommerzielle Passagierflugzeug der Welt, das mit Düsenantrieb geflogen ist. Damit löste es die bisherigen Propellermaschinen ab und war deutlich schneller und komfortabler. Ihren ersten Flug machte die Maschine im Dienst der Air France im Mai 1952 von London nach Johannesburg. Doch auch, wenn dieser Flugzeugtyp ein neues Zeitalter einläutete – immerhin konnte er auf bis zu 12.000 Meter aufsteigen – war im Vergleich zu heute noch viel Luft nach oben. Denn für die Strecke brauchte die Maschine etwa 23 Stunden, da die maximale Reichweite bei rund 2800 Kilometern lag. So musste die Reise in mehreren Etappen absolviert werden. Und das war nicht das einzige Problem, das die Comet hatte.
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Erstes Passagierflugzeug mit Düsenantrieb steht nahe London
Die Comet war das erste Passagierflugzeug mit Düsenantrieb – heutzutage gibt es nur noch ein einziges Exemplar. Und das steht im de Havilland Aircraft Museum nördlich von London. Wie „CNN“ berichtet, wurde die Maschine 1985 dem Museum in einem miserablen Zustand übergeben. Demnach war es mehr oder weniger eine blanke Metallröhre, die Überreste des Rumpfes. Doch über die Jahre haben Freiwillige das Flugzeug mit viel Mühe wieder auf Vordermann gebracht, sodass es heute besichtigt werden kann. Lediglich die Flügel fehlen, da sie zu viel Platz im Museum einnehmen würden.
Betritt man den Flieger, wird man in eine andere Zeit katapultiert. Denn die Einrichtung der Comet hat nichts mit dem zu tun, was wir heutzutage von einem (normalen) Passagierflugzeug beziehungsweise Ferienflieger kennen.
Kein Vergleich zu heutigen Ferienfliegern
Breite Sitze mit blauem Bezug und viel Beinfreiheit, große, quadratische Fenster mit kurzen Vorhängen – so sah die Standardklasse aus. Dazu noch verchromte Getränkehalter und, wie damals üblich, Aschenbecher an jedem Platz. Anders als heute gab es über den Sitzen auch keine Gepäckfächer, lediglich kleine Knöpfe, um die Flugbegleiter zu rufen. Diese wurden in mühevoller Kleinarbeit mithilfe von 3D-Druckern nachgebaut.
Auch damals gab es schon einen First-Class-Bereich. Dieser war ebenfalls mit breiten, bequemen Sitzen ausgestattet. Dabei waren je zwei Sitzpaare gegenüber aufgebaut, dazwischen ein großer Tisch, so wie man es heute etwa aus Bahnabteilen kennt.
Laut „CNN“ war dies der Höhepunkt des Luxusreisens. Werbefotos aus der Zeit zeigten Passagiere in schicker Kleidung mit Cocktails in der Hand und üppigem Essen. Und Reisende waren zu der Zeit vermutlich wirklich sehr wohlhabend.
Laut Eddie Walsh, einem ehrenamtlichen Museumsmitarbeiter, der die Restaurierung leitet, war es damals sehr teuer, mit der Comet zu fliegen. Im „CNN“-Gespräch erklärt er, dass man schon sehr wohlhabend sein musste, um überhaupt irgendwohin fliegen zu können – vor allem mit der Comet. Demnach kostete ein Einzelticket für die erste Verbindung nach Johannesburg etwa 175 Pfund. Heutzutage entspricht das umgerechnet mehr als 5200 Euro.
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Auch Technikinteressierte kommen auf ihre Kosten
Aber nicht nur die Einrichtung wurde komplett nachgebildet, sondern auch das Cockpit. So kommen gerade Technikinteressierte im de Havilland Aircraft Museum voll auf ihre Kosten. Dabei grenzte der Nachbau samt der unzähligen analogen Ziffernblätter, Schaltern und Bedienfelder an eine nahezu unmögliche Aufgabe, so Walsh.
Die Comet hatte noch eine weitere Besonderheit. So befanden sich hinter den Sitzen von Pilot und Co-Pilot Stühle. Dort saßen ein Flugingenieur, der den Treibstoffverbrauch überwachte, und ein Navigator, der die Routen mit Papier, Stift und Karten plante. Damit war dieser Flugzeugtyp auf dem neuesten Stand der Technik im Jahr 1952.
Erfolgsgeschichte ohne Happy End
Doch obwohl die Geschichte des ersten Passagierflugzeuges mit Düsenantrieb so gut begann, nahm sie kein gutes Ende. Und auch das wird im Museum gezeigt. So ist eine Seite der Maschine freigelegt, sodass sozusagen das Gerüst zu erkennen ist – und entsprechend die einstigen Mängel aufzeigt.
Denn die Kabinenwand gehört mit zu den größten Problemen seiner Zeit und zeigte massive Konstruktionsfehler auf. Nicht mal ein Jahr nach dem ersten Flug gab es das erste tödliche Unglück mit einer Comet. Zwei Monate später kamen bei einem weiteren Absturz weitere Menschen ums Leben.
1954 folgten weitere Unglücksfälle – so brach eine Comet auf einem Flug nach Italien in der Luft einfach auseinander. Das führte zu einem weltweiten Flugverbot, um mögliche Probleme aufzudecken. Nachdem der Flugbetrieb wieder aufgenommen worden war, gab es ein weiteres tödliches Flugunglück, was letztlich zum endgültigen Aus der Comet 1A führte.
Spätere Tests am Rumpf des Flugzeugtyps ergaben, dass die Außenschicht dem wiederholten Druckaufbau und -abfall nicht hatte standhalten konnte. So war es zu Rissen und Brüchen gekommen.

