3. Juli 2026, 11:07 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
In den ersten deutschen Bundesländern haben die Sommerferien begonnen, die Hauptreisezeit an Europas Flughäfen beginnt. Und parallel zum steigenden Passagieraufkommen wächst das Risiko für Chaos, konkret für lange Warteschlangen, Verspätungen und andere Störungen. Einige Flughäfen gelten dabei als besonders anfällig. TRAVELBOOK gibt einen Überblick.
Einreisesystem (EES) begünstigt Chaos an Flughäfen
Branchenvertreter sehen das neue, schrittweise eingeführte EU-Einreisesystem (EES), das zusätzliche biometrische Kontrollen vorsieht, zunehmend als Belastungsfaktor für den Sommerreiseverkehr. Die EU-Reform gilt als wichtiger Schritt zur Modernisierung der Grenzkontrollen. Sie erweist sich jedoch in der praktischen Umsetzung – insbesondere vor dem Hintergrund des hohen Passagieraufkommens in der Ferienzeit – als herausfordernd.
In Italien wird inzwischen sogar über eine zeitweise Aussetzung der biometrischen Grenzkontrollen nachgedacht, wie die „Financial Times“ berichtet. Ziel sei es, ein mögliches Reisechaos an stark frequentierten Flughäfen wie Rom-Fiumicino und Ciampino zu verhindern. Der Betreiber Aeroporti di Roma warnt, das System sei bei hohem Passagieraufkommen nur eingeschränkt praktikabel und könne die Abfertigung deutlich verlangsamen. Und unter anderem in Portugal zeigen sich bereits erste Auswirkungen.
In Portugal drohen lange Wartezeiten
Vor allem am Flughafen Lissabon kommt es seit einigen Monaten immer wieder zu schwerwiegenden Verzögerungen bei der Passkontrolle. Als Hauptursache gilt die schrittweise Umstellung auf das neue EES, daneben ein hohes Passagieraufkommen sowie begrenzte Kapazitäten an den Grenzschaltern.
Der britische „The Guardian“ berichtet in diesem Zusammenhang von teils mehrstündigen Wartezeiten. Aufgrund seiner Struktur und des hohen Anteils internationaler Passagiere sei der Flughafen Lissabon-Portela besonders anfällig für Rückstaus an der Grenze, die sich in der Ferienzeit schnell auf den gesamten Abfertigungsprozess auswirken können.
Neue Probleme am Flughafen Amsterdam
Auch am Flughafen Amsterdam Schiphol müssen Reisende derzeit mit erheblichen Einschränkungen rechnen. „Ausgerechnet“, möchte man sagen, denn es handelt sich nicht nur um den drittgrößten Flughafen Europas, sondern es sind dort zuletzt auch immer wieder Probleme aufgetreten.
Ende Juni war es zu einem Zwischenfall gekommen, als eine Decke über einer Sicherheitskontrolle im Terminalbereich einstürzte. Die Folge waren stundenlange Warteschlangen, zahlreiche Passagiere verpassten ihren Flug. Darüber berichtet „AeroTelegraph“.
Bei Stammgästen weckt das womöglich unangenehme Erinnerungen. Erst zu Jahresbeginn hatten Schneechaos, Engpässe bei der Bodenabfertigung und Probleme nach einer Umstellung bei den Sicherheitskontrollen für massive Störungen gesorgt.
EU-Grenzkontrollsystem EES sorgt für Chaos an Flughäfen
Besonders großer Passagier verursacht Sicherheitspanne am Flughafen
Mehrere griechische Flughäfen anfällig für Chaos
Seit Jahren zählt Kretas Flughafen Heraklion zu den am stärksten ausgelasteten Ferienflughäfen Europas. Die Passagierzahlen steigen kontinuierlich – erst in diesem Jahr verzeichnete der Airport neue Rekordwerte. Der Zustrom bringt den inzwischen in die Jahre gekommenen Flughafen Nikos Kazantzakis regelmäßig an seine Kapazitätsgrenzen. Abhilfe soll der derzeit im Bau befindliche neue Flughafen in Kastelli schaffen, der den Airport voraussichtlich 2028 ersetzen soll. Ob das die Probleme tatsächlich löst, bleibt abzuwarten. TRAVELBOOK-Redaktionsleiter Yannic Stock hat sich in diesem Kommentar bereits kritisch mit dem Großprojekt auseinandergesetzt.
Kurzfristig dürfte sich die Lage jedenfalls kaum entspannen. Nach Angaben der griechischen Zeitung „Kathimerini“ führen Personalmangel bei den Fluglotsen, veraltete Technik und die hohe Auslastung des Luftraums während der Hauptreisezeit immer wieder zu Verspätungen im griechischen Flugverkehr. Davon können auch Verbindungen zu beliebten Ferieninseln wie Rhodos, Kos oder Korfu betroffen sein. Reisende sollten deshalb insbesondere an stark frequentierten Reisetagen mit Verzögerungen und längeren Wartezeiten rechnen.
Tipps für Reisende
Wer in den kommenden Wochen eine Flugreise geplant hat, sollte diese mit ausreichend Zeitpuffer antreten. Zudem empfiehlt es sich, möglichst frühzeitig online einzuchecken und sich über mögliche Änderungen im Ablauf zu informieren, die etwa aus Umstrukturierungen oder Kapazitätsverlagerungen an größeren Drehkreuzen resultieren können.
Beispielhaft ein Blick auf Deutschlands größten Flughafen in Frankfurt am Main. Dieser erwartet in diesem Sommer einen der verkehrsreichsten Reisezeiträume der vergangenen Jahre. Der Betreiber Fraport empfiehlt Passagieren, die außerhalb des Schengen-Raums reisen, mindestens drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. Hintergrund sind unter anderem veränderte Abläufe nach der Inbetriebnahme von Terminal 3 sowie die Verlagerung von Airlines und Prozessen innerhalb des Flughafens.