7. Oktober 2026, 10:18 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Eine unsanfte Landung kann schnell den Eindruck erwecken, dass im Cockpit etwas schiefgelaufen ist oder der Pilot nicht besonders sicher war. In Wahrheit gibt es verschiedene Situationen, in denen Flugkapitäne bewusst auf eine harte Landung setzen. TRAVELBOOK hat mit einem Luftfahrtexperten darüber gesprochen.
Wann eine unsanfte Landung eine gute Sache ist
Die meisten Fluggäste schrecken kurz auf, wenn statt des erwarteten sanften Ankommens auf der Landebahn ein Rumpeln zu hören und zu spüren ist. Doch wer glaubt, dass es sich dabei zwangsläufig um ein Versehen handelt oder gar die Sicherheit an Bord gefährdet war, irrt. Im Gegenteil: Eine etwas härtere Landung dient in der Regel der Sicherheit.
Ein typischer Fall, in dem eine härtere Landung sinnvoll sein kann, ist ein sogenannter „contaminated runway“, also eine „kontaminierte Piste“, wie der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongart TRAVELBOOK erklärt. Gemeint ist eine Landebahn, auf der sich beispielsweise durch starken Regen Wasser angesammelt hat oder Schnee, Schneematsch oder Eis liegt. „In diesen Situationen versucht der Pilot, mit dem Flugzeug möglichst schnell Bodenkontakt herzustellen“, so der Fachmann. Ein etwas festeres Aufsetzen sorgt dafür, dass das Gewicht der Maschine schnell auf dem Fahrwerk liegt und die Räder ausreichend belastet sind. Dadurch kann das Flugzeug anschließend kontrolliert abgebremst werden.
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Ebenso könne bei starkem oder böigem Wind eine härtere Landung sinnvoll sein. Wie Heinrich Großbongart erklärt, soll das Flugzeug möglichst schnell stabilen Bodenkontakt bekommen, damit der Pilot die Maschine sicher auf der Piste halten kann. Besonders wichtig ist dies bei Seitenwind, da das Flugzeug sonst leichter seitlich versetzt oder durch eine Böe wieder angehoben werden kann.
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Nicht nur der Moment des Aufsetzens ist entscheidend
Wie dazu auch in einem Bericht der Flug- und Wartungssicherheitsabteilung von Airbus beschrieben wird, kommt es darauf an, an einer vorgesehenen Stelle der Landebahn aufzusetzen. Denn wer zu weit hinten aufsetzt, verliert wertvolle Strecke zum Abbremsen – gerade dann, wenn Wasser, Schnee oder Eis die Bremswirkung zusätzlich beeinträchtigen.
Nach dem Aufsetzen muss das Flugzeug möglichst schnell langsamer werden. Gleichzeitig ist beim Bremsen besondere Vorsicht gefragt, denn Wasser, Schnee oder Eis auf der Piste können die Haftung der Räder beeinträchtigen. Dabei helfen unter anderem die sogenannten Spoiler, also diese Klappen auf den Tragflächen, die nach der Landung ausgefahren werden und den Auftrieb verringern. Weiterhin trägt die Schubumkehr der Triebwerke dazu bei, die Maschine abzubremsen. Eine möglichst früh einsetzende und kontrollierte Bremsung ist deshalb entscheidend, um das Flugzeug sicher auf der Piste zum Stehen zu bringen.
Weshalb sanfte Landungen zum Problem werden könnten
Jetzt versteht man als Laie wahrscheinlich auch besser, warum eine besonders sanfte Landung auf einer kontaminierten Piste nicht unbedingt von Vorteil ist. Beim Aufsetzen müssen die Räder möglichst schnell zuverlässig Bodenkontakt bekommen und anfangen, sich zu drehen. Bei einem sehr weichen, gleitenden Aufsetzen kann sich dieser Vorgang verzögern – insbesondere auf einer Piste, auf der Wasser, Schnee oder Schneematsch liegt. Dann könnten auch die Bremsen und anderen Systeme zur Verzögerung erst später wirksam werden. Ein fester, aber kontrollierter Bodenkontakt hilft dagegen dabei, die Räder schnell zu belasten und die Bremsung möglichst früh einzuleiten.