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Phänomen „Mile Cry Club“

Weinen im Flugzeug? Warum Sie damit nicht allein sind

Haben Sie schon einmal vom „Mile Cry Club“ gehört?
Haben Sie schon einmal vom „Mile Cry Club“ gehört? Foto: Getty Images
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Redakteurin

21. Juni 2026, 15:04 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Plötzlich laufen die Tränen: Während ein Film am Boden kaum eine Reaktion hervorruft, fängt man im Flugzeug plötzlich an zu weinen. Dieses Phänomen ist als „Mile Cry Club“ bekannt und beschäftigt seit Jahren nicht nur Reisende in sozialen Netzwerken. Wissenschaftler haben untersucht, warum Menschen im Flugzeug oft besonders rührselig werden – und die Erklärung ist komplexer, als viele vermuten.

Nicht der Film ist entscheidend

Eine Studie der Universität Washington ging der Frage nach, ob das Bordunterhaltungsprogramm Passagiere häufiger zum Weinen bringt. Das Ergebnis: Der Inhalt der Filme scheint dabei keine entscheidende Rolle zu spielen.

Stattdessen könnten verschiedene Bedingungen an Bord die Emotionen beeinflussen. Dazu zählt unter anderem der niedrigere Kabinendruck. Dadurch wird weniger Sauerstoff über das Blut transportiert. Mögliche Folgen sind Verwirrtheit, Müdigkeit und eine eingeschränkte Kontrolle über die eigenen Gefühle. Zusätzlich wirkt der permanente Geräuschpegel im Flugzeug belastend auf die Nerven und kann Menschen emotionaler machen.

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Höhe und Stress beeinflussen die Psyche

Generell scheint die menschliche Psyche in großer Höhe empfindlicher zu reagieren. Die US-Psychologin Jodi De Luca untersuchte diesen Zusammenhang und erklärte gegenüber den „Anchorage Daily News“, dass manche Passagiere möglicherweise die Sorge verspüren, während des Flugs könne etwas Schlimmes passieren.

Diese Angst kann dazu führen, dass das Gehirn vermehrt Stresshormone ausschüttet. Die Folge sind unter anderem eine erhöhte Herzfrequenz und mehr Anspannung – Faktoren, die Menschen schneller zu Tränen rühren können.

Dabei spielt laut De Luca nicht nur die Psyche eine Rolle. „Es ist nicht nur ein psychologisches Ereignis, sondern auch ein körperliches“, sagt sie.

Viele Belastungen kommen zusammen

Im Flugzeug treffen zahlreiche Faktoren gleichzeitig aufeinander: wenig Platz, Müdigkeit, Aufregung, die große Flughöhe, unbequeme Sitze und oft wenig überzeugendes Essen. Hinzu kommt das Gefühl, die Kontrolle über die Situation abgeben zu müssen.

All diese Umstände können dazu beitragen, dass Menschen emotional verletzlicher werden. Unter diesen Bedingungen sei es fast überraschend, dass nicht noch mehr Passagiere während eines Flugs weinen.

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Forscher sehen eine erhöhte emotionale Belastung

Für die Plattform „PeerJ“ befragten Wissenschaftler in den USA 1000 Flugreisende zu ihrer emotionalen Reaktion an Bord. Ihr Fazit lautete: „Menschen, die dieses angebliche Phänomen erleben, sind wahrscheinlich einfach einer stark erhöhten emotionalen Reizmenge ausgesetzt.“

Demnach könnte auch die Menge an emotionalen Inhalten eine Rolle spielen. Wer auf einem Langstreckenflug mehrere traurige Filme hintereinander anschaut, wird häufiger mit bewegenden Szenen konfrontiert als im Alltag – und reagiert entsprechend emotionaler.

So können Reisende vorbeugen

Jodi De Luca bewertet die Ursache jedoch etwas anders. „Es liegt daran, dass unsere Fähigkeit zur Regulierung unserer Emotionen in einer ohnehin bereits belastenden Umgebung eingeschränkt ist.“

Sie rät Reisenden deshalb, bereits vor dem Flug Strategien zur Entspannung einzuplanen. Hilfreich können etwa ein Rätselheft, Videospiele oder eine kuschelige Decke sein. Die wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen jedenfalls, dass Tränen über den Wolken kein ungewöhnliches Phänomen sind – und viele Flugreisende diese Erfahrung teilen.

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