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Meinung zu den Familien-Sitzplatzrichtlinien

Warum Ryanair mich nicht neben meiner 4-jährigen Tochter sitzen ließ

Bei der Familien-Sitzplatzregelung von Ryanair sollte man besser genau hinschauen
Bei der Familien-Sitzplatzregelung von Ryanair sollte man besser genau hinschauen Foto: picture alliance / Bildagentur-online/Schöning
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Anna Wengel
Freie Autorin

5. November 2025, 7:06 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Unsere Autorin ist mit ihrer Familie mit Ryanair nach London geflogen. Laut der Familien-Sitzplatzrichtlinien der Airline hätte sie neben ihrer vierjährigen Tochter sitzen sollen. Stattdessen lag der Gang zwischen den beiden Plätzen. Hilfe seitens Ryanair? Null. Ein Kommentar.

„19C und 19D – da ist doch der Gang dazwischen“, denke ich schon bevor ich unsere Sitzplätze im Flugzeug sehe. Und: „Wie soll das denn gehen?“ Meine Tochter ist vier. Und obwohl sie eine für ihr zartes Alter schon wirklich erfahrene Reisende ist, war mir schon bevor wir ins Flugzeug nach London stiegen klar, dass das schwierig werden würde. So folgte beim versuchten Hinsetzen im Flugzeug auch direkt das erste vor Entsetzen verdrückte Tränchen: „Mama, ich will nicht allein neben dem fremden Mann sitzen.“ Kann ich irgendwie verstehen. Ich will auch nicht, dass du da sitzt.

Fehler im System bei den Ryanair-Familien-Sitzplatzrichtlinien

Wie sind wir hier gelandet, plant Mama doch normalerweise ganz gut im Voraus? Ganz einfach: Vor einigen Wochen buchte ich einen Flug nach London, hin und zurück. Irgendwo während des Buchungsprozesses lese ich, dass jüngere Kinder dank der Familien-Sitzplatzrichtlinien auch ohne extra hinzugebuchte Reservierung in jedem Fall neben einem Elternteil sitzen. Für diesen Text habe ich das noch einmal nachgeschaut. An einer Stelle steht bei Ryanair: „Für Familienbuchungen erhalten Kinder (im Alter von 2 bis 11 Jahren) kostenlos reservierte Sitzplätze, damit sie neben einem Elternteil sitzen können.“ Kaufe ein Erwachsener einen reservierten Sitzplatz, könne er bis zu vier Sitze für Kinder neben sich kostenlos auswählen. Die Voraussetzung: Man sitzt in den billigen Sitzreihen. Will man woanders sitzen, etwa dort, wo man etwas mehr Beinfreiheit hat, müsse man die Preisdifferenz beziehungsweise für das Kind den vollen Preis bezahlen.

Klingt doch erst einmal gut. Da der Flug nach London nur gut eine Stunde dauert und wir kaum Gepäck dabei haben, buche ich über mein Smartphone die Basic-Version. Also ohne reservierte Sitzplätze, aber plus 8 Euro für Sitze für Erwachsene, wie das System mitteilt. Kind sitzt auf jeden Fall neben mir – denke ich, und klicke mich recht schnell durch das System. Möglicherweise nicht ganz achtsam. Beim Einchecken sehe ich dann den Fehler: Ryanair hat uns zwei Gangplätze zugeteilt. Meinen Mann kann ich noch überall hinsetzen, die beiden vorab durch das System ausgewählten Mutter-Tochter-Sitzplätze stehen fest. Keine Änderung möglich. Obwohl an diversen Stellen auf dem Flugzeugsitzplan Plätze direkt nebeneinander verfügbar sind und das laut der Airline möglich sein sollte. Nur zu gern würde ich Ryanair an dieser Stelle Geld geben, damit es uns wirklich nebeneinandersetzt.

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In einer Reihe ist bei Ryanair nebeneinander

Angetan mit meinem naturgemäßen Glauben an das Wohlwollen anderer Menschen gehe ich am Flugtag an den Schalter, erkläre freundlich mein Problem und bitte um eine Lösung. Die für Münster beinahe faszinierend schroffe Antwort: „Sie hätten ja früher buchen können, jetzt geht da gar nichts mehr.“ Mein Antwort in etwa: „Ich habe schon im September gebucht und früh eingecheckt. Im System ließ sich nichts mehr ändern, die Sitzplätze standen fest.“ Langer Blick, keine Antwort. Gespräch beendet. Ein anderer Ryanair-Mitarbeiter fügt etwas kleinlaut hinzu: „Fragen Sie mal beim Einstieg ins Flugzeug nach, vielleicht können die noch etwas machen.“ Gesagt, getan. Die freundliche Antwort der Flugbegleiterin: „Sie sitzen doch in einer Reihe, damit ist das für uns nebeneinander.“ Ernsthaft? Auf meine Erwiderung, dass meine Tochter erst vier Jahre alt ist und vielleicht doch noch ein bisschen Unterstützung meinerseits benötigt, verspricht sie, später noch einmal zu schauen, ob sie andere Fluggäste zum Tauschen überreden kann. Die Flugbegleiterin sehe ich erst beim Aussteigen wieder.

Wie haben wir es gelöst? Beim Hinflug versteht die neben mir sitzende Mama offenbar mein Dilemma und tauscht mit dem Kommentar „Meine Tochter ist ja schon groß“ kurzerhand den Platz. Problem gelöst. Auf dem Rückweg ernte ich, angesichts meiner weinenden Tochter und der mit inzwischen drängenderem Ton vorgetragenen Bitte, man möge uns hier platzmäßig aushelfen, nur ein Schulterzucken und einen weiteren langen Blick von der Flugbegleiterin in der Nähe. Meine Tochter weint weiter, also nehme ich sie für den Moment auf den Schoß. Schon steht eine Flugbegleiterin neben mir: „Ich weiß, Ihre Tochter weint, aber das geht nicht.“ Okay, verstehe ich. Haben Sie eine andere Lösung? Den Babysitzgurt, den wir bis zum Alter von zwei Jahren noch auf dem Schoß nutzen durften, vielleicht? Nein. Geht nicht. Danke, Ryanair. Wie immer ganz besonders hilfsbereit. Und wieder ist es das zufällig erneut neben uns sitzende Mutter-Tochter-Duo, das aushilft.

Ryanair selbst erklärte auf eine Nachfrage seitens TRAVELBOOK: „Kinder im Alter von 2 bis 12 Jahren müssen neben oder in der Nähe eines begleitenden Erwachsenen sitzen. Dieser Passagier hat sich für zwei Gangplätze entschieden (19C und 19D), welche direkt nebeneinander liegen (…).“ Fast richtig.

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