15. November 2025, 7:02 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Flugreisen bedeuten für viele Menschen Ausnahmesituationen. Hektik, Stress und ungewohnte Abläufe sorgen leicht dafür, dass die Aufmerksamkeit auf der Strecke bleibt. Vielleicht erklärt das, warum an Flughäfen und in Flugzeugen immer wieder die skurrilsten Dinge verloren gehen. Manchmal sogar lebende Wesen! TRAVELBOOK wirft einen Blick auf besonders ungewöhnliche Fundstücke aus den Lost-and-Found-Stellen rund ums Fliegen.
Verrückte Dinge, die schon auf Flugreisen verloren wurden
Vielleicht haben auch Sie schon mal beim Warten am Gate Ihr Handy aufgeladen, als das Boarding plötzlich losging. Tasche gegriffen und los – da hat man das Ladegerät schnell vergessen. Ein Verlust, den man wohl verschmerzen kann! Doch neben zahllosen unbedeutenden oder weniger wertvollen Gegenständen gehen auf Flugreisen immer wieder auch ausgesprochen kostbare Dinge verloren. Um all diese Fundstücke sinnvoll weiterzugeben, veranstalten viele Flughäfen regelmäßig Versteigerungen. Etwa die jährliche Theodore Bruce Auction am Flughafen Sydney brachte seit ihrer Einführung im Jahr 2013 bereits mehr als 1,14 Millionen Euro ein, wie der „Economist“ berichtet. Das Geld kommt einer Wohltätigkeitsinitiative zugute. In diesem Jahr waren es rund 2000 nicht abgeholte Gegenstände, die unter den Hammer kamen. Mit dabei: 200 Kopfhörer, zahlreiche Designergürtel, ungeöffnete Parfümflakons, Flaschen zollfreien Alkohols, sogar ein Staubsauger einer Premiummarke und mehr als 250 Laptops.
Eigentlich müsste es „vergessen“ und nicht „verloren“ heißen
Interessant ist wohl weniger die Tatsache, dass Reisende im Eifer des Gefechts Habseligkeiten vergessen, sondern viel mehr, dass so viele davon nicht nachträglich abgeholt werden. Bei sperrigeren Funden liegt der Grund dafür, dass sie am Boden zurückbleiben, sicherlich häufig an den Regeln der Airlines. Der „Economist“ berichtete etwa auch von einem zurückgelassenen Hoverboard – ein zweirädriges, von einem Elektromotor angetriebenes Fahrzeug. Wie wohl der Staubsauger auch, durfte dieses sicher nicht mit an Bord. Doch natürlich ist es nicht so, dass Gegenstände unmittelbar nach ihrem Eintreffen am Lost and Found veräußert werden. In Deutschland etwa gilt eine gesetzliche Aufbewahrungsfrist von sechs Monaten. Trotzdem sammelt auch beispielsweise der Flughafen Berlin stets so viele Fundstücke an, dass sie jedes Jahr für eine üppige Auktion reichen.
Das Verbraucherportal Flightright hat im Jahr 2015 einen Bericht über besonders skurrile Gegenstände veröffentlicht, die weltweit an Flughäfen gefunden wurden. Nicht alle davon wurden versteigert – dies wäre beim ersten Beispiel auch extrem fragwürdig!
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Babys, Autos – und manchmal auch der Verstand
Eine Hamburger Familie hat laut der Flightright-Veröffentlichung vor lauter Spontaneität ihr Baby am Flughafen vergessen – genauer gesagt im dortigen Reisebüro. Sie hatte vor Ort eine Last-Minute-Reise gebucht, die ihr nur wenige Stunden ließ, um nach Hause zu fahren, zu packen und rechtzeitig wieder am Flughafen zu erscheinen. Die Reisebüromitarbeiter boten an, ihr schlafendes Baby in dieser Zeit zu beaufsichtigen. Die Familie erreichte ihren Abflug – und hob ab! Ohne den Schlenker zum Reisebüro zu machen, um das jüngste Familienmitglied auszulösen. „Mit viel Mühe konnte die Angestellten den Piloten kontaktieren“, steht es in dem Bericht. Die demnach „gleichwohl erleichterte wie wahrscheinlich peinlich berührte Familie gab ihr daraufhin die Telefonnummer der Großmutter“.
Vergessene Autos dagegen scheinen alles andere als eine Seltenheit zu sein. Dies gilt offenbar insbesondere für den Flughafen Frankfurt-Hahn. In einer der jährlichen Auktionen seien 13 Fahrzeuge versteigert worden – deren Besitzer haben sich nie wieder gemeldet. Und manchmal, so Flightright, verlieren Reisende offenbar den „Sinn für Realität“. Dies bezieht sich auf einen Fall, als eine Flugreisende – genauer, die Tochter des damaligen Chefs der operierenden Airline – die Crew auf Reiseflughöhe zur Umkehr zwang. Der Grund: Ihr waren die falschen Nüsse serviert worden. Der Fall machte 2024 Schlagzeilen und brachte der Verantwortlichen eine Haftstrafe wegen Gefährdung der Flugsicherheit ein.
Am Flughafen von Alabama wurde eine vollständige Ritterrüstung zurückgelassen, an einem anderen US-Airport sogar das Raketenlenksystem eines Kampfjets, das umgehend an das Verteidigungsministerium weitergeleitet wurde. Flightright berichtet außerdem von einer am Flughafen Sydney vergessenen Beinprothese, einem 40,95-karätigen Smaragd samt 5,8-karätigem Diamanten in einer Socke sowie einer Barbiepuppe, in deren Innerem umgerechnet etwa 700 Euro versteckt waren.
Besonders eigentümliche Funde am Flughafen Changi
Der Flughafen Singapur-Changi ist eines der größten Drehkreuze der Welt. Hier kommen zahllose Fundstücke zusammen: Laut einem Bericht von „United Aviation“ sind es jeden Monat im Schnitt 3300 verlorene Gegenstände. Angaben des Flughafens zufolge werden rund alle zwei Monate Gebissprothesen im Transitbereich gefunden – und die meisten davon niemals abgeholt. Zu den weiteren ungewöhnlichen Gegenständen, die über die Jahre aufgefunden wurden, zählt ein komplettes Bettgestell (!), das Reisende bis zum Check-in transportiert hatten. Ebenso tauchten dem Bericht zufolge schon Waschmaschinen und Weinkühlschränke im Fundbüro auf.
Und: sogar ein lebender Hamster. Dessen Besitzer hatte den Verlust jedoch noch rechtzeitig bemerkt, ebenso wie der eines rund 1 Kilogramm schweren Goldbarrens. „Er wurde über Nacht im Fundbüro sicher verwahrt, bis der Besitzer – der bereits in Penang in Malaysia angekommen war und Anzeige bei der Polizei erstattet hatte – nach Singapur zurückkehrte, um ihn abzuholen“, berichtet das Portal.