14. November 2025, 18:17 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Hohe Standortkosten machen deutschen Airlines zunehmend zu schaffen. Während einige Wettbewerber wie Ryanair ihr Engagement in Deutschland bereits zurückgefahren haben, zieht nun auch Condor Konsequenzen – mit einer strategischen Ausrichtung ins Ausland. Warum der Ferienflieger auf internationale Zubringerflüge setzt und wie die Zukunft aussehen soll, erklärt CEO Peter Gerber im Gespräch mit BILD.
Condor hat eine Marktstudie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse der gesamten Branche zu denken geben. Der Preis ist dieser zufolge für viele Kunden das ausschlaggebende Kriterium bei der Flugbuchung: 63 Prozent der Befragten entscheiden sich bei der Flugauswahl über den Endpreis – also Flug und alle Gebühren.
Die gestiegenen Kosten sind lau Studie bei den Reisenden zudem deutlich spürbar: 82 Prozent nehmen den Preisanstieg wahr, 62 Prozent empfinden die aktuellen Flugpreise als eher teuer oder sogar als sehr teuer. Zudem wird der Wettbewerb im deutschen Luftverkehr kritisch gesehen. Laut Umfrage halten 46 Prozent der Befragten den Wettbewerb im deutschen Luftverkehr für schwach.
Margen im Luftverkehr bleiben niedrig
Condor selbst hat, wie auch Lufthansa, die Ticketpreise erhöht. Doch große Gewinnspannen sind dennoch nicht drin, erklärt CEO Gerber BILD: „Über die Branche hinweg liegt der Gewinn pro Passagier bei 5 Euro.“ Nur in bestimmten Weltregionen wie dem Mittleren Osten ließen sich laut Gerber höhere Margen erzielen – dort seien etwa 20 Euro pro Passagier möglich.
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, reagiert Condor mit einer gezielten Expansion ins Ausland. Ab 2026 sollen neue Zubringerflüge nach Frankfurt aus Barcelona, Venedig und Budapest angeboten werden. „Dort sehen wir eine Nachfrage nach unseren Langstreckenverbindungen. Wir würden gern mehr fliegen, aber es muss sich rechnen“, so Gerber.
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Auch über attraktive Einstiegspreise will die Airline im Ausland Kunden gewinnen. Im Winterhalbjahr kostet ein Flug von Berlin über Frankfurt nach Paris lediglich 62 Euro – ein Preisniveau, das sonst nur Billigflieger wie Easyjet anbieten. Air France verlangt für die Direktverbindung rund 90 Euro pro Strecke. Insider gehen davon aus, dass Condor bei geringer Auslastung in diese Lücke stoßen könnte.
Partnersuche: Kooperationen statt Abhängigkeit von Lufthansa
Ein weiterer Beweggrund für die neuen Pläne: Lufthansa ist nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf nicht mehr verpflichtet, Condor bevorzugten Zugang zu ihrem Zubringernetz zu gewähren. Die Folge: Condor muss selbst Alternativen schaffen. Der Mehrheitsgesellschafter Attestor prüft derzeit strategische Partnerschaften mit anderen großen Airlines. Besonders im Fokus stehen Mitglieder der Oneworld-Allianz wie American Airlines. Gerber bleibt dabei zurückhaltend: „Condor könnte es auch allein, wir haben keinen Zeitdruck.“
Ein erster Schritt ist bereits erfolgt: Mit Alaska Airlines, ebenfalls Teil von Oneworld, kooperiert Condor bereits bei Inlandsverbindungen in den USA. Ein eigenes Vielfliegerprogramm betreibt Condor allerdings bislang nicht – Kunden können Meilen entweder bei Alaska Airlines oder bei Emirates sammeln. Eine engere Zusammenarbeit mit Emirates scheint jedoch unwahrscheinlich: Die Golf-Airline verfolgt eine unabhängige Strategie. Zwar bestehe eine Kooperation mit Condor, aber Emirates will Strategie und Streckennetz unabhängig und flexibel gestalten. Ein umfassenderes Bündnis steht damit nicht zur Debatte.

