6. Mai 2026, 15:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer häufig fliegt, kennt es – und fürchtet es mitunter sogar ein wenig: den Moment kurz vor dem Boarding, in dem sich entscheidet, ob es direkt über die Fluggastbrücke ins Flugzeug geht oder erst mit dem Bus übers Rollfeld. Doch warum ist das eigentlich so? TRAVELBOOK hat mit einem Experten gesprochen.
Für die einen gehört es einfach zum Flugerlebnis, für die anderen ist es ein lästiger Umweg vor der eigentlichen Reise. An vielen Flughäfen gehört Bus-Boarding fest zum Ablauf. Dabei bringen Shuttlebusse die Passagiere über das Vorfeld zum Flugzeug, statt dass sie über die Fluggastbrücke, auch Gangway genannt, direkt einsteigen. Das passiert selbst dann, wenn die Maschine bereits in Sichtweite steht und scheinbar bequem zu Fuß erreichbar wäre.
Das steckt hinter dem Bus-Boarding
Wie Luftfahrtexperte Cord Schellenberg erklärt, liegt der Unterschied vor allem an den verschiedenen Abstellpositionen der Flugzeuge: „Am zentralen Terminalgebäude und bei großen Flughäfen auch an sogenannten Satellitenterminals gibt es meist Fluggastbrücken, die das wettergeschützte Einsteigen ermöglichen.“ Große Flughäfen seien zudem oft mit mehreren Brücken ausgestattet, etwa für Großraumflugzeuge oder sogar den Airbus A380, bei dem parallel auf mehreren Ebenen eingestiegen werden kann.
Steht ein Flugzeug jedoch auf dem Vorfeld, sieht es anders aus: „Vorfeldpositionen sind meist nicht mit Fluggastbrücken ausgestattet, hier werden Treppen benötigt“, erklärt Schellenberg. In solchen Fällen bringt ein Bus die Passagiere zum Flugzeug. Einige kleinere Flughäfen kommen sogar ganz ohne Fluggastbrücken aus.
Bus-Boarding kommt deshalb besonders häufig bei Kurzstreckenflügen zum Einsatz. Die kleineren Maschinen lassen sich einfacher auf Außenpositionen abstellen. Außerdem sind Fluggastbrücken nicht für alle Flugzeugtypen geeignet: „Für kleine Flugzeuge wäre die Brücke zu steil ausgerichtet“, so der Experte.
Ob das Boarding über die Fluggastbrücke, per Bus oder zu Fuß erfolgt, erfahren Passagiere meist erst am Gate. Die Ticketklasse spielt dabei kaum eine Rolle. Zwar steigen Fluggäste mit Priority Boarding in der Regel zuerst ein, doch ob Economy oder Business Class gebucht wurde, entscheidet nicht darüber, wie man ins Flugzeug kommt.
Selbst bei teuren Tickets kann also ein Bus warten. „Wenn viel los ist, reichen die Kapazitäten nicht aus“, sagt Schellenberg. Besonders an großen Drehkreuzen mit vielen gleichzeitigen Abflügen müssten kleinere Maschinen häufig auf Außenpositionen ausweichen.
Neben der Auslastung spielt auch der Preis eine Rolle. Laut dem Portal „Aviation Direct“ setzen vor allem Billigairlines wie EasyJet oder Ryanair auf Bus-Boarding, um Kosten zu sparen. Denn Fluggastbrücken verursachen zusätzliche Gebühren sowie Wartungs- und Personalkosten.
Vor- und Nachteile des Bus-Boardings
Bus-Boarding bringt für Passagiere auch Vorteile mit sich. Häufig öffnen Airlines beide Türen des Flugzeugs zum Einsteigen, sodass sich die Passagiere besser verteilen und das Boarding schneller vorangeht. Bei schlechtem Wetter schützt der Bus zudem einen Großteil des Weges und ist damit angenehmer als ein kompletter Fußweg über das Vorfeld. Erst beim Aussteigen am Flugzeug sind Reisende Wind und Regen wieder ausgesetzt.
Trotzdem empfinden viele Reisende diese Variante als weniger angenehm. Die Busse bieten meist nur wenige Sitzplätze, zudem wird es oft eng. Häufig kommt es auch zu Wartezeiten, etwa wenn der Bus erst vollständig gefüllt wird.
„Es zählt immer die Nähe zum Terminal“, sagt Schellenberg. Kurze Wege könnten sogar schneller sein, während längere Busfahrten den Ablauf verzögern.
Übrigens: Auch wenn der Weg zum Flugzeug oft kurz wirkt, dürfen Passagiere ihn meist nicht zu Fuß zurücklegen. „Bei längeren Entfernungen oder viel Verkehr auf dem Vorfeld funktioniert das nicht – Sicherheit geht immer vor“, betont Schellenberg. Nur selten, etwa bei kurzen und abgesperrten Strecken, ist Walk-Boarding erlaubt.
Ein weiterer Grund für Bus-Boarding kann spontan entstehen: „Wenn ein Flugzeug deutlich früher oder später landet als geplant, kann die vorgesehene Position bereits belegt sein“, erklärt der Experte. Dann bleibt oft nur die Außenposition – und damit der Weg per Bus.