Gate of Heaven auf Bali

Warum dieses Fotomotiv ein totaler Fake ist

Der Pura-Lempuyang-Luhur-Tempel auf Bali ist eines der beliebtesten Instagram-Motive überhaupt. Doch typisch für das soziale Netzwerk ist, dass hier, wie so oft, eine wunderbare Welt gezeigt wird – die die Realität jedoch gar nicht mehr widerspiegelt.

Es gibt Sehenswürdigkeiten, die sind so perfekt, dass es irgendwie drüber ist. Das „Gate of Heaven” auf Bali zum Beispiel – oder komplizierter: das „Candi Bentar“ am Tempel Pura Lempuyang Luhur.

Gate of Heaven auf Bali

Das Fake-Motiv: Gate of Heaven am Tempel Pura Lempuyang Luhur – mit See
Foto: Getty Images

Kein See am Gate of Heaven

Der Tempel lockt scharenweise Touristen an – und viele von ihnen sind vermutlich enttäuscht, wenn sie am Tor zum Pura Lempuyang Luhur eintreffen. Der Grund: Von einem See ist keine Spur. Dafür stehen und sitzen hier jede Menge Touristen, die auf das perfekte Foto hoffen. Und das kreieren sie mitunter selbst. Der „See” ist nichts weiter als die Reflektion eines Spiegels, der unter das Smartphone oder die Kamera geschoben wird.

Gate of Heaven auf Bali

Die Realität: Gate of Heaven am Tempel Pura Lempuyang Luhur – ohne See
Foto: Getty Images

Das ist zwar ein schöner Effekt, doof aber, wenn man sich auf das hübsche Motiv im echten Leben gefreut hat – einfach, weil man vielleicht Dinge schön findet und nicht nur auf der Suche nach einem Like-bringenden Instagram-Shot ist. Die Touristenmassen weggedacht, sieht die Realität am Pura-Lempuyang-Luhur-Tempel übrigens auch nicht fürchterlich aus. Vor dem Gate ist ein normaler Weg, der Vulkan dahinter bleibt derselbe.

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„Instagram-User ruinieren alles”

Doch die Enttäuschung über die Realität am Gate of Heaven ist durchaus nachvollziehbar. Aktuell geht ein Tweet von Userin Polina Marinova viral, in dem sich die Autorin darüber beschwert, dass „Instagram-User alles ruinieren”.

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Hinzu kommt, dass man mit seinem Wunsch nach dem „perfekten“ Foto auch nicht alleine ist, sondern laut mehrerer übereinstimmender Berichte in langer Schlange mit vielen anderen „kreativen“ Instagram-Fotografen auf seine mutmaßlichen dreißig Sekunden Fotozeit warten muss. So empfiehlt etwa die Lifestyle Bloggerin Diana Kubasova auf Instagram ihren Followern: „Ich rate euch, so ein Foto schon bei Sonnenaufgang zu machen. Später muss man zwei Stunden in der Schlange stehen und tagsüber kann die Hitze unerträglich werden“.

Hinzu kommt, dass die Vermutung nahe liegt, dass es sich bei den Fotos um ein ausgeklügeltes Geschäftsmodell handelt. Auf mehreren Videos und Fotos ist zu sehen, wie die Touristen von Einheimischen fotografiert werden und nicht von ihren Begleitern.

Auseinandersetzen mit der Historie? Fehlanzeige

Aber nicht nur das Vorgaukeln einer falschen Realität ist fragwürdig. Der Trend zum schnellen Foto statt der Auseinandersetzung mit dem, was da vor einem steht, ist es fast noch mehr. Der Pura Lempuyang Luhur ist einer von Balis ältesten Tempeln. Wie viele der fotosüchtigen Instagram-User sich tatsächlich mit der Geschichte eines der heiligsten Orte auf ganz Bali auseinandersetzen? Fraglich.