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TRAVELBOOK-Interview

Deutsche Auswanderin: „In Dänemark funktioniert einfach alles viel besser“

In diesem hübschen Haus in Dänemark lebt Nina Hamer (46) mit ihrem Mann und ihrer Tochter
In diesem hübschen Haus in Dänemark lebt Nina Hamer (46) mit ihrem Mann und ihrer Tochter Foto: Nina Hamer/Collage TRAVELBOOK
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Angelika Pickardt
Co-Redaktionsleiterin

26. März 2026, 10:26 Uhr | Lesezeit: 11 Minuten

Vor drei Jahren traf die gebürtige Rheinländerin Nina Hamer (46) eine Entscheidung, die ihr Leben komplett auf den Kopf stellte: Mit ihrem Mann und ihrer Tochter wanderte sie nach Dänemark aus und lebt dort heute in einem Reetdachhaus im Süden des Landes. Nina Hamer und TRAVELBOOK-Redakteurin Angelika Pickardt kennen sich seit vielen Jahren und sind eng befreundet – im TRAVELBOOK-Interview erzählt sie, wie es zu ihrer Auswanderung kam, welche Hürden es dabei gab und was Deutschland sich von Dänemark abgucken könnte.

TRAVELBOOK: Gleich mal mit der Tür ins Haus: Was läuft in Dänemark besser als in Deutschland?

Nina Hamer: „Also eigentlich läuft hier einfach alles besser als in Deutschland. Die Work-Life-Balance, die Integrations- und Migrationspolitik, dass Immobilien noch erschwinglich sind, dass man einfach die Familie und Freunde noch viel mehr wertschätzt, das soziale Miteinander. Es gibt keine Ellenbogengesellschaft. Und generell auch die Natur. Du hast einfach viel mehr Luft zum Atmen. Wir sind jetzt in einem Land zwischen den Meeren. Das macht es natürlich auch wunderschön. Und ja, also ganz vieles läuft besser als in Deutschland.“

Was waren deine Beweggründe, nach Dänemark auszuwandern, und warum ausgerechnet dorthin? 

„Ehrlich gesagt war es gar nicht mein Ziel, nach Dänemark auszuwandern. Es hat sich aus mehreren Beweggründen ergeben. Zum einen ist mein Mann Eike gebürtiger Flensburger und seine Eltern sind damals von Flensburg nach Dänemark gezogen. Wir haben sie dort besucht und uns hat das einfach sehr gut gefallen. Und vor allem haben wir gemerkt, dass wir uns hier noch ein freistehendes Haus leisten können, und haben relativ schnell entschieden, das Haus zu kaufen und damit auch auszuwandern, weil man ein Haus ja nur kaufen darf, wenn man auch nach Dänemark einwandert. Diese ganze Auswanderung mit Entscheidungen bis zum Umzug hat sechs Monate gedauert. Etwas schwierig war allerdings die Jobsituation für mich. Denn eigentlich sollte ich weiterhin remote für meinen damaligen Arbeitgeber in Deutschland arbeiten, wurde dann aber dort gekündigt und uns fehlte lange Zeit ein zweites Einkommen. Inzwischen arbeite ich in Teilzeit festangestellt in Nordfriesland, und nebenbei baue ich mir ein Online-Business im Network Marketing auf, was immer besser läuft.“

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Ist es einfach, als Deutscher nach Dänemark auszuwandern?

„Ja, das ist super einfach. Also, wir haben tatsächlich das Haus gekauft, sind dann zur Einwanderungsbehörde, haben uns da angemeldet, mussten beide Arbeitsverträge vorweisen. Und wenn du keinen Arbeitsvertrag hast, musst du pro Erwachsenem 12.000 Euro auf deinem Konto haben und die Kinder brauchen 6000 Euro, damit du dich gerade im ersten Jahr erst mal selbst versorgen kannst. Ansonsten, wenn du nicht vorbestraft bist oder dir hier nichts zu Schulden kommen lässt, dann kannst du relativ schnell nach Dänemark ziehen.“

„Die Sprache zu lernen, ist essenziell“

Wie wurdest du in Dänemark aufgenommen?

„Ich muss sagen, dass wir hier sehr herzlich aufgenommen wurden. Ich muss aber auch dazu sagen, dass wir uns sehr bemüht haben, uns zu integrieren. Das heißt, wir haben sofort einen Sprachkurs gebucht, den das Land ja für fünf Jahre bezahlt. Ansonsten haben wir uns auch durch unsere Tiere sehr gut integriert. Beim Gassigehen mit dem Hund zum Beispiel sind wir hier sofort mit den dänischen Nachbarn in Kontakt gekommen. Zudem haben wir auch ein Pferd, und hier ist Ringreiten ein Nationalsport. Da haben wir dann auch mitgemacht. Beim Stadtfest haben wir auch mitgemacht und beim Abbau geholfen. So ging das recht schnell.“

Hast du auch dänische Freunde, und war es schwer, diese Beziehungen aufzubauen?

„Ja, mittlerweile haben wir dänische Freunde, eben weil wir uns sehr um Integration bemüht haben. Hier gibt es aber auch Deutsche, die ziehen hier hoch und integrieren sich halt gar nicht und finden keine einheimischen Freunde. Die Dänen an sich haben die Mentalität, dass sie sehr viel für sich sind, sehr viel in der eigenen Familie und im engsten Freundeskreis. Und da kommt selten jemand Neues dazu. Es gehört schon sehr viel Fingerspitzengefühl dazu. Und es braucht manchmal Jahre, bis man wirklich echte Freundschaften hier oben findet.“

Wie gut sprichst du inzwischen Dänisch?

„Ich muss zugeben, dass ich mich sehr schwer tue mit dem Dänischen. Ich lerne es jetzt im dritten Jahr an der Sprachschule und kann es relativ gut lesen und auch verstehen. Allerdings haben wir noch die Herausforderung, dass man hier in Süddänemark Sønderjysk spricht, einen speziellen Dialekt, der sehr anspruchsvoll ist. Zudem leben wir hier im Grenzgebiet und deshalb sprechen auch viele noch Deutsch mit uns. Ich muss eigentlich Leute eher zwingen, dass sie mit mir Dänisch sprechen, damit ich es richtig lernen kann. Mir ist es wichtig, das zu können. Mich ärgert es eigentlich, dass ich es immer noch nicht fließend spreche. Aber wie gesagt, das ist für mich keine leichte Sprache. Allein schon durch die Aussprache, aber auch durch die Satzstellung. Manchmal hat ein Wort bis zu sechs oder sieben Bedeutungen, je nachdem, wie die Tonalität ist. Und da kann man sich auch ganz schön vertun beim Aussprechen und manchmal auch sehr ins Fettnäpfchen latschen.“

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Fühlst du dich manchmal noch fremd, und wenn ja, in welchen Situationen?

„Richtig fremd fühle ich mich hier eigentlich nicht. Also ich habe mich relativ schnell sehr wohl und auch heimisch gefühlt. Fremd fühlt man sich, glaube ich, wenn man in ein Gespräch kommt, wo man halt einfach der Sprache nicht so mächtig ist und die Dänen untereinander Witzchen machen und lachen und sehr schnell sprechen. Da hat man natürlich manchmal das Gefühl, ausgeschlossen zu sein, was sich aber einfach durch die Sprachbarriere ergibt. Und das ist etwas, wo ich realistisch sagen muss: Ich werde das wahrscheinlich niemals so lernen, dass ich auf einem Muttersprachniveau spreche.“

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„Integration funktioniert hier deutlich besser“

Du lebst seit nunmehr drei Jahren in Dänemark. Was könnte/sollte Deutschland sich abgucken?

„Da fallen mir mehrere Dinge ein. Was hier einfach viel besser funktioniert, ist die Integration von Zuwanderern. Bei allen Ausländern – inklusive uns Deutschen, die hierherziehen – wird super viel Wert darauf gelegt, dass man die Sprache schnell lernt. Die Dänen kriegen es einfach hin, für jeden Sprachkurse anzubieten, und Integration funktioniert eben nur über Sprache, als Zugang zu Arbeit, Gemeinschaft und einem echten Ankommen. Auch die Betreuung politischer Flüchtlinge läuft hier sehr engmaschig. Ziel ist, dass sie schnell einen Job finden. Und wenn sich jemand danebenbenimmt und kriminell wird, geht das mit der Abschiebung auch sehr schnell.

Dänemark ist zudem ja komplett digital, was vieles so viel einfacher macht. Wenn man sich selbstständig machen und gründen möchte, dann kann man das alles online machen. Du musst da nirgends hin, auf keine Behörde, und nicht irgendwelche Zertifikate ausdrucken und ausfüllen und mit der Post verschicken. Alles kommt in mein digitales Postfach, von der Unwetterwarnung bis zur Erinnerung an die Krebsvorsorge bis zur Steuererklärung.

Ein weiterer Punkt ist die Arbeitsmoral. Eine Viertagewoche ist hier total selbstverständlich, 40-Stunden-Jobs gibt es hier nur selten, also vielleicht in Kopenhagen, in den internationalen Firmen. Aber ansonsten arbeitet hier kein Mensch 40 Stunden. Die Work-Life-Balance ist in Dänemark viel, viel besser. Es wird auch ganz viel Wert auf Hygge gelegt, dieses Gemütliche, und dass man wirklich zu Hause zur Ruhe kommt, mit der Familie und den Freunden Zeit verbringt. Die Dänen lassen sich halt einfach nicht stressen.“

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Und umgekehrt: Was könnte in Dänemark besser laufen?

„Was mir nicht gefällt: Man muss in Dänemark seinen Zahnarzt komplett selber zahlen, außer Kinder bis zum 18. Lebensjahr. Die bekommen auch die Zahnspange vom Staat. Aber danach musst du dich selber kümmern. Viele Dänen haben teilweise Zahnlücken, weil sie sich keinen Zahnersatz leisten können. Ansonsten ist das Gesundheitssystem in meinen Augen aber gut aufgestellt. Man ist hier automatisch staatlich versichert. Es gibt keine privaten Krankenkassen.“

Was könnten die Dänen an den Deutschen komisch finden?

„Herrliche Frage. Ich denke, sie finden es komisch, dass wir solche Workaholics sind, dass wir uns mit allem so stressen und auch so ordnungsliebend sind. Also die Dänen sind schon auch ordentlich und legen Wert darauf, dass ihre Gärten schön sind. Man sieht in Dänemark wirklich selten ungepflegte Häuser oder Gärten. Aber ich glaube, wir Deutschen sind tatsächlich in den Augen der Dänen die absoluten Perfektionisten, und das finden sie manchmal auch ganz lustig. Noch so ein Punkt: Wir Deutschen sind ja manchmal sehr direkt und fallen direkt mit der Tür ins Haus. Das mögen die Dänen gar nicht, und man darf auch nie unangekündigt irgendwo hinkommen. Also, man geht nicht einfach mal auf einen Kaffee rüber, sondern man wird wirklich bewusst eingeladen.“

Was findest du manchmal merkwürdig am Verhalten der Dänen? Oder an bestimmten Vorschriften?

„Was mir auffällt: In Dänemark vergleicht man sich nicht mit anderen. Man redet auch nicht viel über Geld. Zudem wird Kritik nicht öffentlich geäußert und man spricht nicht schlecht über Dinge oder andere. Interessant ist auch: Autos sind in Dänemark wahnsinnig teuer und ein absolutes Luxusgut. Hier fahren viele Karren, die bald auseinanderfallen. Wir selbst haben uns hier auch zwei alte Autos gekauft und unsere neueren in Deutschland gelassen – auch, weil die Einfuhrsteuer so extrem hoch ist.

Ein Riesenthema ist hier auch die Mülltrennung. Wenn man denkt, dass in Deutschland schon viel Müll getrennt wird, dann ist das hier noch viel absurder. Also gefühlt gibt es hier sieben Tonnen für alles und dann noch eine kleine Tonne für Deodosen und Batterien. Also alles wird komplett zerlegt. Das ist schon sehr merkwürdig.“

„Ich vermisse die landschaftliche Abwechslung“

Was vermisst du an Deutschland?

„Eigentlich gar nicht so viel. Ich glaube, was ich als Rheinländerin am meisten vermisse, ist die rheinische Mentalität, dieses Lustige, der Karneval. Und auch oft das Wetter, weil es hier oben in Dänemark doch deutlich mehr regnet und die Winter dunkler sind. Und ich vermisse die landschaftliche Abwechslung, dass es auch mal Hügel gibt oder Berge oder Flusstäler. Dänemark ist ja ein ganz flaches Land, und links und rechts haben wir dann die Dünen und Strände und ein paar Fjorde – es ist halt ein Land am Meer.“

Kannst du dir vorstellen, für immer in Dänemark zu bleiben, oder hast du schon neue Pläne?

„Wir träumen schon davon, hier alt werden zu können. Aber es hängt auch ganz davon ab, wie sich alles weltpolitisch entwickelt. Ich glaube, wenn ich nochmal auswandern würde, dann doch in wärmere Gefilde, weil das regnerische Wetter und die langen Winter schon gewöhnungsbedürftig sind.“

Was ist dein wichtigster Tipp an alle, die mit dem Gedanken spielen, nach Dänemark auszuwandern?

„Was ich am meisten empfehle, ist tatsächlich hier nicht nur im Sommer zwei Wochen Urlaub im Ferienhäuschen zu machen, sondern sich vielleicht auch mal drei Wochen Urlaub im Winter hier zu nehmen und auch diese Dunkelheit und das Wetter auszutesten. Um zu testen, ob man das auf Dauer gut aushalten kann, also quasi auch mal so die Schattenseiten des Auswanderns zur Probe lebt. Ich würde aus heutiger Sicht auch immer Dänisch schon von zu Hause aus lernen, entweder an der VHS oder in einem Onlinekurs, und mich mit dieser Sprache auseinandersetzen. Ich würde auch immer versuchen, nicht den Gedanken zu haben, weg aus Deutschland zu gehen, sondern eher, dass man hin zu etwas Neuem möchte. Man sollte nie vor etwas fliehen, denn dann wird man oft enttäuscht. Und ich würde mich auch vor allem mit dem Thema Arbeit auseinandersetzen, also was arbeite ich hier, ist das sicher, hat wenigstens einer von uns so ein gutes Einkommen, dass wir uns das alles leisten können.

Ansonsten würde ich sagen: Go for it, weil es ein tolles Land ist. Wenn jemand wirklich zur Ruhe kommen will, dann ist er hier genau richtig.“

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