12. Juni 2026, 17:01 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Auch dieses Jahr im Juni findet wieder eine ganz besondere Fahrradtour über die Alpen statt. Hunderte Teilnehmer starten dann gemeinsam in Norditalien und wollen in nur acht Tagen mehr als 1000 Kilometer über mehr als 20 Berge bis nach Südfrankreich zurücklegen. Das Ziel ist nicht, als Erster anzukommen, sondern dabeizusein und durchzuhalten, ohne abzubrechen. Denn die Anstrengung aller als Gemeinschaft dient allein einem Zweck: Geld für Menschen zu sammeln, die an Blutkrebs erkrankt sind.
FireFlies, zu Deutsch Glühwürmchen, nennen sich die Mitglieder der 2001 gegründeten Radsport-Community, von der es mittlerweile Ableger auf der ganzen Welt gibt. Eine persönliche Herausforderung im Namen der Unterstützung von Menschen mit Krebs zu bestehen, ist zentraler Bestandteil ihrer Mission. Am kommenden Samstag (13. Juni) startet die nächste FireFlies-Tour, die von Venedig über die Alpen bis nach Menton in Südfrankreich führt. 1000 Kilometer, über 20 Pässe, acht Tage auf dem Rad.
Einer der begeisterten Teilnehmer ist Henning Gerstner, 52, Unternehmer und Coach aus Berlin. Vergangenes Jahr war er zum ersten Mal bei einer FireFlies-Tour dabei und steht auch dieses Jahr wieder in den Startlöchern. „Seit über 20 Jahren fahre ich Rennrad. Seit zwei Jahren ergibt es neben dem sportlichen Ehrgeiz auch Sinn“, sagt Gerstner TRAVELBOOK. Seine Beweggründe formuliert er so: „In meinem Alter trifft es plötzlich Freunde im direkten Umfeld, die schwer erkranken. Die Dinge nicht mehr tun können. Menschen, die wir verlieren. Umso mehr ist es für mich wichtig, etwas zu tun.“
Gemeinsam kämpfen für den guten Zweck
Fast 2,8 Millionen Euro an Spenden für die Blutkrebsforschung sind durch die weltweit stattfindenden FireFlies-Touren bislang zusammengekommen – eine Erfolgsgeschichte. „Unser Ziel ist es, Spenden zu sammeln, um lebensrettende Forschung zu den Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Leukämie und Blutkrebs zu unterstützen“, heißt es auf der offiziellen Website der Radsport-Community. „Wir fahren für diejenigen, die es nicht können – es ist hart, aber bei Weitem nicht so hart wie der Kampf gegen den Krebs.“
Tatsächlich ist die Tour selbst für erfahrene Rennradfahrer wie Henning Gerstner alles andere als einfach zu bewältigen. Er erinnert sich, wie er sich im vergangenen Jahr bei der Tour von Genf nach Nizza auf den 2360-Meter-Gebirgspass Col d’Izoard hochkämpfte und nur noch einen Gedanken hatte: „Ich kann nicht mehr. Ich möchte einfach nur absteigen und heulen.“ Und trotzdem fährt man weiter.
Aufgeben ist keine Option
Denn: Aus Erschöpfung aufzugeben, ist keine Option. Die Tour ist kein Rennen und es geht nicht darum, wer als Erster am Ziel ankommt. Es geht darum, Teil einer Gemeinschaft zu sein – gemeinsam ins Ziel zu kommen. Die genaue Route ist den Teilnehmern vorher nicht bekannt. „Wir wissen am Abend nicht, wo es am nächsten Tag hingehen wird. Wir wissen nur, dass es eine Menge Höhenmeter werden“, berichtet Gerstner. „Als man mir den Grund dafür erklärt hat, war ich massiv beeindruckt. Denn Menschen, die eine Krebstherapie machen, wissen auch am Abend nicht, was am nächsten Tag auf sie zukommt. Sie schlafen mit Ungewissheit zum nächsten Tag ein. Mit Hoffnung. Auch wir erfahren deshalb erst morgens, was der Tag bringt. Wird es hart oder nur schwierig. Einfach ist es nie.“
In diesem Jahr erhoffen sich die Teilnehmer der FireFlies-Tour, mit ihrer Aktion mindestens 120.000 Euro an Spenden zu sammeln. Diese gehen an The Blood Fund, eine Wohltätigkeitsorganisation, die die Forschung zur Behandlung von Leukämie und Blutkrebs am Hammersmith Hospital in London finanziert. Wer die Aktion unterstützen möchte, findet hier weitere Informationen.