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Deutsche Aussteiger auf Weltreise

Warum dieses Paar an Marokkos Grenze seinen Lkw zerkratzen musste

Mit diesem Truck der Marke MAN (ein 12-Tonner) ist das Weltreise-Paar unterwegs. Darauf zu sehen: eine Weltkarte. Doch weil diese für die Marokkaner nicht richtig war, mussten die Deutschen sie zerkratzen.
Mit diesem Truck der Marke MAN (ein 12-Tonner) ist das Weltreise-Paar unterwegs. Darauf zu sehen: eine Weltkarte. Doch weil diese für die Marokkaner nicht richtig war, mussten die Deutschen sie zerkratzen.Foto: Petra Steeger/Winfried Stahl

Sie haben sich den Traum von der Weltreise erfüllt – und sich dabei für eine ganz besondere Art der Fortbewegung entschieden: Petra und Win sind mit dem eigenen Truck unterwegs. Im Gespräch mit TRAVELBOOK verraten die beiden, was eine Tankfüllung kostet, warum der Truck 16 Gänge hat und wie sie an der marokkanischen Grenze plötzlich Probleme mit der Lackierung hatten und ihren Lkw zerkratzen mussten-

„Tausche Zuhause gegen die Welt“ – unter diesem Motto sind Petra Steeger und Winfried Stahl aufgebrochen. Sie haben sich einen Traum erfüllt, einen ganz besonderen. Denn das deutsche Paar ist mit einem riesigen Truck unterwegs, der zu einem Wohnmobil umgebaut wurde. Auf ihrem Blog „A Dream and a Truck“ schreiben sie von ihren Erlebnissen und berichten von ihren Reise-Abenteuern. „Wie lange? Das werden wir sehen. Wohin? Das wissen wir noch nicht“, schreiben sie.

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, steht unter jeder Seite des Blogs. Startschuss für die Weltreise im Truck war im August 2016, seitdem sind die beiden schon mehr als 15.000 Kilometer mit ihrem Lkw umhergefahren, waren in Österreich, Slowenien, Kroatien, Italien, Frankreich, Spanien, Marokko und Portugal.

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Der allrad-angetriebene Sechszylinder Turbodiesel-Truck von MAN hat 280 PS und ist inklusive Motorrad-Träger 8,50 Meter lang, 3,68 Meter hoch und 2,30 Meter breit
Der allrad-angetriebene Sechszylinder Turbodiesel-Truck von MAN hat 280 PS und ist inklusive Motorrad-Träger 8,50 Meter lang, 3,68 Meter hoch und 2,30 Meter breit. Foto: Winfried Stahl/Petra SteegerFoto: Winfried Stahl/Petra Steeger

So viel kosten 600 Liter Tankfüllung

TRAVELBOOK hat mit beiden gesprochen, wollte beispielsweise wissen, was denn eine Tankfüllung des Trucks kostet. Immerhin passen in den Lkw 600 Liter Diesel. „In Deutschland kostet eine Tank-Füllung ca. 700 Euro. Am günstigsten war es bisher für uns in Marokko mit 540 Euro.“ Da fällt einem der Satz „einmal volltanken, bitte“ schon nicht mehr ganz so leicht…

So sieht der Truck von innen aus
So sieht der Truck von innen aus. Foto: Winfried Stahl/Petra SteegerFoto: Winfried Stahl/Petra Steeger

Im Schnitt reiche eine Tankfüllung etwa 2500 Kilometer, „je nachdem, ob wir Autobahn, Stadtverkehr, Berg-Piste oder Wüste fahren“. Das sind dann auch schon mal mehr als 25 Liter pro 100 Kilometer – was aber auch kein Wunder ist, guckt man sich den Truck mal genauer an. Denn der Lkw war mal ein 12 Tonnen schweres Baustellenfahrzeug und ist jetzt speziell für unwegsames Gelände ausgelegt.

LKW mit 16 Gängen

Deswegen hat er sogar 16 Gänge. „Der Lkw hat im Normalbetrieb acht Gänge, und diese sind nochmals erweitert um halbe Stufen (1,5 – 2,5 – 3,5 etc.), so ergeben sich die 16 Gänge. Je nach Streckenanforderung, wie beispielsweise Bergfahrt, kann es sinnvoll sein, nur in halben Gängen zu schalten.“

Die Küche wirkt sehr schick und modern
Die Küche wirkt sehr schick und modern. Foto: Winfried Stahl/Petra SteegerFoto: Winfried Stahl/Petra Steeger

Und was ist das Highlight des Lkw? Win: „Mich begeistert die Offroad-Fähigkeit am meisten. Zu wissen, ich kann alle Orte, die ich mir fahrerisch zutraue, auch erreichen. Anders gesagt: Das Fahrzeug kann sicher mehr als sein Fahrer.“ Petra: „Ich genieße das immer vorhandene Bett, weil ich es sehr gerne zwischendurch als ‚Lounge‘ nutze und dafür keine Sitzfläche geopfert werden muss wie bei einem Umbaubett.“

Dabei wollten beide ursprünglich eigentlich gar nicht so einen großen Lkw haben. Der Plan begann gedanklich mit einem VW-Campingbus, erst „nach einigen Überlegungen und durch einen glücklichen Zufall“ seien sie schließlich bei dem Lkw gelandet.

In solche einem Gelände fühlt sich der Truck erst richtig wohl
In solche einem Gelände fühlt sich der Truck erst richtig wohl. Foto: Winfried Stahl/Petra SteegerFoto: Winfried Stahl/Petra Steeger

Reise mit Open End

Eine Route haben Petra und Win nicht geplant, auch ist nicht klar, wie lange die komplette Reise überhaupt gehen soll. „Wir planen eigentlich nur grob das Reiseland vor und lassen uns dann von Tag zu Tag treiben“, sagen sie. Eine Reise mit Open End sozusagen. „Dabei spielen zufällige Begegnungen, interessante Reiseberichte, schöne Landschaften oder freundliche Empfehlungen eine inspirierende Rolle. Natürlich sind Jahreszeiten oder das aktuelle Wetter auch ein wichtiger Aspekt.“

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Das Badezimmer
Das Badezimmer. Foto: Winfried Stahl/Petra SteegerFoto: Winfried Stahl/Petra Steeger

Kurioses Problem mit Marokkos Zoll

Kurios wurde es, als sie mit ihrem Truck nach Marokko reisen wollten. Direkt an der Grenze, als sie gerade vom Schiff gefahren waren, wurden sie vom Zoll aufgehalten. Grund: Die Weltkarte auf der einen Seite des Trucks. Denn dort war das Land Westsahara südlich von Marokko eingezeichnet. Laut Verständnis der Beamten gebe es nur ein einheitliches Marokko. Also mussten die beiden die Grenzlinie auf der Weltkarte entfernen und auch der Schriftzug „Westsahara“ musste mit scharfen Messern aus dem Lack gekratzt werden. Dann erst durften die beiden weiterfahren.

Private Safari
Private Safari. Foto: Winfried Stahl/Petra SteegerFoto: Winfried Stahl/Petra Steeger

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Mit dem Truck durch enge Gassen

Und was war das bislang größte Abenteuer, das die beiden auf der Reise erlebt haben? Das passierte in den Bergen der Sierra Alhamilla in Andalusien, Spanien, bei der ersten echten Offroad-Tour, als der Lkw dann auch mal abseits des Asphalts zum Einsatz kam. Am Ende der Tour „mussten wir unerwarteterweise durch winzige Gassen in den Ortskern fahren. Hätten wir das vorher gewusst, wären wir die Tour vielleicht nicht gefahren“.

Das Weltreise-Paar Petra und Win finanziert sich die Reise unter anderem mit der Vermietung seiner Wohnung, aber die beiden versuchen auch, ihre Ausgaben so gering wie möglich zu halten
Das Weltreise-Paar Petra und Win finanziert sich die Reise unter anderem mit der Vermietung seiner Wohnung, aber die beiden versuchen auch, ihre Ausgaben so gering wie möglich zu halten. Foto: Winfried Stahl/Petra SteegerFoto: Winfried Stahl/Petra Steeger

Zum Glück wurde es für Petra und Win noch nicht kritisch auf der Reise, es gab keine brenzligen oder gar gefährliche Situationen. „Wir haben bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Dafür sind wir sehr dankbar und vertrauen darauf, dass das immer so sein wird.“

Den Großteil der Welt hat das Paar noch vor sich, und Pläne haben beide genug: „USA, Kanada, Alaska, Südamerika, Hawaii (vermutlich ohne Truck), Südafrika, Namibia, Botswana und was uns sonst noch einfallen wird. Die Welt ist groß!“