2. Juni 2026, 10:44 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Fabian Pusch (33) aus Köln lebt für den Nervenkitzel auf Schienen. Der Fotograf hat weltweit fast 500 Achterbahnen abgehakt und will die Marke noch in diesem Sommer knacken. Gerade ist er von einer Schwedenreise zurück. Im Interview verrät er, wie aufwendig solche Trips wirklich sind, welche Parks ihn am meisten begeistern und welche seine Top-10-Achterbahnen in Europa sind.
TRAVELBOOK: Sie kommen gerade von einer Achterbahntour durch Schweden zurück. Wie aufwendig ist es eigentlich, solche Reisen zu planen?
Fabian Pusch: „Das kann schon ziemlich aufwendig werden. Viele Parks haben nur an bestimmten Tagen geöffnet, deshalb plant man solche Trips stark um Öffnungszeiten und Wartezeiten herum. Man versucht natürlich, außerhalb von Ferien und Wochenenden zu fahren, damit die Parks möglichst leer sind und man so viel wie möglich fahren kann. Diesmal waren es insgesamt acht Parks in Schweden, Dänemark und Norwegen.“
»Ich kann mich nicht daran erinnern, dass diese Leidenschaft jemals nicht da war
TRAVELBOOK: Sie nähern sich mittlerweile den 500 gefahrenen Achterbahnen. Wie ist daraus eigentlich so eine große Leidenschaft geworden?
Fabian Pusch: „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass diese Leidenschaft jemals nicht da war. Schon im Kindergarten war ich total gehypt von Achterbahnen. Bei Ausflügen ins Fort Fun war ich sogar in der kleinen Marienkäferbahn nervös, weil es so gekribbelt hat. Meine Eltern mussten mir früher manchmal den Bauch festhalten.
Auch Urlaube im Legoland Billund oder später Fahrten in den Movie Park waren absolute Highlights. Heute dreht sich ein großer Teil meines Lebens um Achterbahnen: Ich habe Tattoos, trage entsprechende T-Shirts und meine Wohnung ist voller Accessoires. Und auch wenn 500 gefahrene Achterbahnen für Fans gar nicht so viel sind: Auf die Zahl bin ich stolz. Die 1000 werden irgendwann auf jeden Fall geknackt.“
»Mir ist Atmosphäre wichtiger als extreme Rekorde
TRAVELBOOK: Welcher ist für Sie der beste Freizeitpark der Welt? Und worauf achten Sie bei einem wirklich guten Park?
Fabian Pusch: „Für mich ist das immer noch das Phantasialand. Ich habe inzwischen mehr als 50 Freizeitparks besucht, aber kaum ein anderer Park bindet seine Attraktionen so konsequent in die Themenwelt ein. Trotz seiner kleinen Fläche entwickelt sich der Park ständig weiter und geht auch Risiken mit neuen oder ungewöhnlichen Attraktionen ein. Dazu kommen Thematisierung, Musik und Essen – für mich passt dort das Gesamtpaket. Mir ist Atmosphäre wichtiger als extreme Rekorde. Ich nehme lieber eine weniger spektakuläre Bahn mit guter Story und Musik als eine reine Thrill-Achterbahn auf einer Betonfläche.“
„Ich bin mehr als 200 Achterbahnen weltweit gefahren – diese ist mein Favorit“
Das sind die höchsten Achterbahnen in Deutschlands Freizeitparks
Das sind seine Top 10 Bahnen in Europa
1. The Ride to Happiness, Plopsaland Belgium, Belgien
2. Batman – Gotham City Escape, Parque Warner Madrid, Spanien
3. Hyperia, Thorpe Park, England
4. Wildfire, Kolmården, Schweden
5. Untamed, Walibi Holland, Niederlande
6. Hyperion, Energylandia, Polen
7. Der Schwur des Kärnan, Hansa Park, Deutschland
8. Voltron Nevera, Europa Park, Deutschland
9. Toutatis, Parc Astérix, Frankreich
10. Zadra, Energyland, Polen
TRAVELBOOK: Was waren die verrücktesten oder schönsten Momente, die Sie durch Ihr Hobby erlebt haben?
Fabian Pusch: „Einer der schönsten Momente war der Heiratsantrag an meine Freundin in einem Freizeitpark. Das Ganze war monatelang geplant, ohne dass sie etwas davon wusste. Ich musste genau timen, wann ich was sage, damit ihre Reaktion perfekt auf das Foto passt, das während der Fahrt automatisch gemacht wird.
Ein weiterer besonderer Moment war vor Kurzem in Schweden im Park Kolmården. Dort durfte ich mit dem Cheftechniker vor der Öffnung einen ‚Liftwalk‘ auf einer der spektakulärsten Holzachterbahnen Europas machen. Man läuft dabei gesichert neben der Schiene bis hoch auf den Lift – mit Blick über den ganzen Park. Später nahm er uns noch hinter die Kulissen mit und schenkte mir ein benutztes Achterbahnrad. Für Fans ist das quasi der heilige Gral.“
»Lieber gut planen, als den halben Tag in Warteschlangen zu verbringen
TRAVELBOOK: Wie umgeht man lange Warteschlangen am besten?
Fabian Pusch: „Der wichtigste Punkt ist die Planung. Wenn möglich, sollte man außerhalb von Ferien, Feiertagen und Wochenenden in die Parks gehen und direkt zur Öffnung da sein. Viele Besucher laufen nach dem Eingang zur ersten Achterbahn, die sie sehen. Deshalb lohnt es sich oft, sich im Park von hinten nach vorne durchzuarbeiten. Auch hilft es, sich vorher anzuschauen, wo welche Attraktionen stehen. Lieber gut planen, als den halben Tag in Warteschlangen zu verbringen.“
TRAVELBOOK: Haben Sie durch Ihr Hobby auch Reiseziele entdeckt, die Sie unabhängig von den Freizeitparks überrascht haben?
Fabian Pusch: „Landschaftlich hat mich Saudi-Arabien außerhalb von Riad total überrascht. Wenn man aus der Stadt rausfährt, ist das eine unglaublich beeindruckende Landschaft – fast wie bei Roadrunner in den alten Cartoons. Auch die Berge in den Emiraten fand ich wahnsinnig schön. In Europa hat mich York in England besonders beeindruckt. Wir sind eigentlich nur wegen eines kleineren Freizeitparks hingefahren, aber die Stadt selbst war wunderschön. Ohne Freizeitparks wäre ich auch nie nach Madrid gekommen – und auch diese Stadt hat mich total begeistert. Und zuletzt natürlich Schweden. Meine Freundin und ich haben uns komplett in das Land verliebt. Es ist schön, wenn man Reisen und Freizeitparks so miteinander verbinden kann.“
TRAVELBOOK: Welcher Park oder welche Achterbahn steht noch ganz oben auf Ihrer Bucketlist?
Fabian Pusch: „Da gibt es ehrlich gesagt noch einige. Ganz oben steht Cedar Point in Ohio – für Achterbahnfans so etwas wie das Mekka. Der Park hat mehrere Achterbahnen, die ich unbedingt fahren möchte. Außerdem würde ich gerne noch California’s Great America in den USA besuchen. Und auch Japan und China stehen weit oben auf meiner Liste. Dort soll es nicht nur spektakuläre Freizeitparks geben, sondern generell unglaublich spannende Reiseländer.“