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Wie sich mein Reisen mit Kind verändert hat

Mutter mit Kind am Flughafen
Als Mama reist es sich ein bisschen anders als allein Foto: Getty Images
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Anna Wengel
Freie Autorin

30. März 2026, 7:18 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

TRAVELBOOK-Autorin Anna Chiodo (ehemals Anna Wengel) war viele Jahre als Soloreisende unterwegs. Dann hat sie ein Kind bekommen. Für TRAVELBOOK hat sie aufgeschrieben, wie sich ihre Art zu reisen seitdem verändert hat und wie sie als Mama heute auf die Welt blickt.

Ich liebe kaum etwas mehr, als meinem Kind die Welt zu zeigen. Gemeinsam haben wir bislang 14 Länder bereist. Die Liste an Orten, die ich gemeinsam mit meiner Familie entdecken möchte, ist lang und wächst ständig. So wie früher. Obwohl das Reisen vor Mann und Kind anders war. Genauso wie ich.

Veränderte Bedürfnisse

Ich reise schon lange viel, meine Arbeit ist längst tief damit verwoben (mehr zu meinem Leben als reisende Autorin hier bei TRAVELBOOK). Und ich hatte gedacht, meine neue Familie würde sich nahtlos in mein altes Soloreiseleben einreihen, anpassen sozusagen. Guten Morgen, Realität. Nicht nur gab es quasi plötzlich mehr Ansprüche, einfach, weil wir drei und nicht mehr ein Mensch sind. Was mich jedoch noch viel mehr verwundert hat, war meine eigene Veränderung.

Mutterschaft verändert, haben alle gesagt. Und ich mir mich selbst daraufhin als tiefenentspannte, weil in mir ruhende, Reisemami vorgestellt. Das Kind auf den Rücken geschnallt einmal mehr durch Nepal laufend, ausgestattet mit den Weisheiten der Welt. Und zunächst war es so, oder zumindest fast und so ähnlich. Dann kamen der Schimmel, die Kälte, die Ratten und mit ihnen die riesengroßen Sorgen. Leise, fast klammheimlich änderten sich meine Bedürfnisse.

Sicherheit war plötzlich ein großes Thema, Sauberkeit ein weiteres. Einst habe ich in Indien wagemutig die einzige Toilette weit und breit betreten, mit zugehaltener Nase die diversen Ausscheidungen drum herum ignoriert und angesichts eines Affen im Wandloch schallend gelacht. Heute ist diese Abhärtung verschwunden. Nicht nur das. Sie hat sich ins Gegenteil verkehrt. Wollte ich es einst so einfach und landestypisch wie möglich und war ich bis zu meinen Dreißigern fröhlich bereit, mein Zimmer mit 20 anderen zu teilen, braucht es heute plötzlich saubere Räume und Betten. Getrennt von anderen Gästen, damit wir drei bloß gut schlafen können. Ehrlicherweise habe ich auch damals schon lieber allein und in sauberer Umgebung geschlafen, mir das angesichts meines mitunter knappen Budgets oftmals jedoch nicht erlaubt. Das ist heute anders. Die Erlaubnis, etwas mehr auszugeben, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen, hat sich verändert, gebe ich mir heute leichter.

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Geplant statt spontan

All das ist Teil einer Reiseplanung, die mir früher fremd war. Ich plane plötzlich Reisen. Früher bin ich einfach losgefahren und habe mich überraschen lassen. Nicht selten habe ich nur meine erste Nacht vor Ort im Vorhinein gebucht und mich anschließend spontan auf die Suche begeben und treiben lassen. Jetzt weiß ich plötzlich ungefähr, was mich erwartet. Um sicherzugehen, dass wir irgendwo zur Schlafenszeit meines Kindes unterkommen einerseits, andererseits aber auch, weil die Zeitspanne kürzer geworden ist. Selten fahren wir einfach los, lassen uns treiben und schauen entspannt, wie lange die Reise gehen soll oder wo wir schlafen wollen. Wobei ich behaupte, das ist im Moment so und wird sich künftig wieder ändern. Doch das Leben hat plötzlich mehr Ansprüche an mich, mehr Vor-Ort-sein wird auf verschiedenen Ebenen verlangt. Obwohl ich meine Arbeit weiterhin mitnehmen kann.

Auch dabei zeigt sich eine Änderung: Ich habe früher nie Urlaub gemacht, bin immer lange und viel gereist und habe dabei gearbeitet. Das war toll. Heute hat jemand Ansprüche an mich und meine Zeit, meine Tochter. Entsprechend verkürzt sich die Arbeitszeit auf Reisen. Und zugleich vergrößert sich mein eigenes Bedürfnis, einfach mal nur zu reisen. Das ist vielleicht der größte Unterschied für mich, seit ich ein Kind habe: Plötzlich mache ich wieder Urlaub. Nehme mir also Zeit, in der ich nicht arbeite. Dafür ist diese aktuell begrenzt. Das darf sich in Zukunft gern wieder ändern.

Die Welt erleben

Und das Reisen selbst? Einst bin ich mit weitem Blick durch die Welt gefahren, offen für alles und jede neue Erfahrung. Ob gut oder schlecht. Ich wollte leben, erfahren. Heute will ich das wieder. Aber es hat ein bisschen wachrütteln gebraucht. Das Sicherheitsbedürfnis ist groß, besonders wenn es um mein Kind geht. Während sie fröhlich in fremde Gesichter lacht und neugierig hinter großen Steinen nach Schlangen sucht, warte ich mitunter in Habachtstellung ab. Und schaue ganz genau, wie Menschen auf mein Kind reagieren. Droht irgendwo eine Gefahr? Muss ich reagieren? Braucht sie mich? Da geht der Blick für die Schönheit drum herum schon mal verloren. Dabei ist es diese Schönheit, an die sie mich Tag für Tag erinnert. Sie erlebt die Welt, wie sie ist, empfindet und entdeckt sie einfach. So wie ich früher. Und sie erlaubt mir damit, die Welt trotz Mamasorgen wieder neu für mich zu entdecken. Durch ihre und meine Augen. Was für ein Geschenk.

Ein kürzlich unternommener Solotrip nach Amsterdam (nachzulesen ebenfalls bei TRAVELBOOK) hat mich gerade wieder daran erinnert und mich ein bisschen durchgeschüttelt. Lebensbejahung und Offenheit haben nichts mit meinem Kind zu tun, sind Teil von mir oder sind es nicht. Und auch wenn ich vielleicht Gründe für die bisher gelebten Ängste finde, dürfen sie mich ab sofort nicht mehr leiten. Die Welt ist ein wunderschöner Ort, den mein Kind erfahren darf, genauso wie ich. Und deshalb geht es beim Mamasein für mich eben auch darum, mich selbst im Neuen wiederzufinden. Und genau das tue ich jetzt.

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