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Der „Schutzheilige des Internets“

Warum in Assisi ein toter Teenager verehrt wird

Carlo Acutis
Carlo Acutis wurde nur 15 Jahre alt. Wegen seiner Verdienste um die katholische Kirche und zweier angeblich vollbrachter Wunder sprach ihn Papst Leo XIV. 2025 heilig. Foto: Getty Images
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

28. Juni 2026, 7:01 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Die Kirche Santa Maria Maggiore im italienischen Assisi ist seit fast 20 Jahren ein Pilgerziel für gläubige Katholiken weltweit. Denn hier ruhen seit 2007 die sterblichen Überreste des Teenagers Carlo Acutis, der 2025 vom Papst heiliggesprochen wurde. Was hat es auf sich mit der Verehrung des Jungen, der mitunter auch als „Schutzheiliger des Internets“ bezeichnet wird? TRAVELBOOK erzählt die wahre Geschichte des „ersten Millennial-Heiligen“.

In einem Glassarg, in Jeans und Jacke gekleidet, aufgebahrt, zieht der Heilige Carlo seit 2007 Menschen aus aller Welt an, die von seinem Leben und Wirken sowie auch von seinem viel zu frühen Tod mit nur 15 Jahren fasziniert sind. Vor allem für junge Gläubige ist er eine Identifikationsfigur, denn er ist heute auch bekannt als der „Schutzheilige des Internets“ und der „erste Millennial-Heilige“.

Laut „Encyclopedia Britannica“ wurde Carlo Acutis am 3. Mai 1991 in London geboren. Nur wenige Monate später zog die Familie nach Mailand, weil Vater Andrea dort einen Job als Vorsitzender einer Firma annimmt. Seiner Biografie zufolge begann Carlo sich bereits in einem sehr jungen Alter für die katholische Kirche und den Glauben an sich zu interessieren. Besonders liebte er das Beten des Rosenkranzes und die Zeremonie der Eucharistie, also des Gedenkens an das letzte Abendmahl.

Beten und Programmieren

Carlo Acutis
Der Körper von Carlo Acutis liegt in der Kirche Santa Maria Maggiore im italienischen Assisi aufgebahrt Foto: Getty Images

Seine Leidenschaft begeistert bald auch seine Mutter so sehr, dass sie sich in theologischen Kursen einschreibt, um die vielen Fragen ihres Sohnes besser beantworten zu können. Beide Eltern werden letztlich durch Carlo Acutis zu gläubigen Katholiken. Neben der Kirche hat der junge Mann aber noch eine andere Leidenschaft: das Programmieren am Computer und ganz allgemein Videospiele. Er selbst verordnet sich aber eine strikte Beschränkung auf eine Stunde Gaming pro Woche, um nicht der Sucht zu verfallen. Gemeinsam mit seinen Eltern reiste er zu den Geburtsorten bedeutender Heiliger und solchen, an denen sich eucharistische Wunder ereignet haben sollen.

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Schon als Junge half Carlo Acutis anderen Menschen. So setzte er sich für Mitschüler ein, die gemobbt wurden, und kaufte einmal einem Obdachlosen von seinem Taschengeld einen Schlafsack. In einem Tagebuch dokumentierte er seine eigene spirituelle Entwicklung, gab sich selbst „Noten“ für gutes bzw. in seinen Augen unwürdiges Verhalten. Im zarten Alter von elf Jahren begann er, eine Website über eucharistische Wunder aufzubauen, die sich im Laufe der Geschichte überall auf der Welt ereignet haben sollen. Er dokumentierte dort 187 solcher Vorfälle in fast 20 Sprachen nach Land und Datum. Schon bald wurde die Kirche auf seine Arbeit aufmerksam.

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„Gottes Influencer“

Gemeinden rund um den Globus nutzten die Page des jungen Carlo Acutis. Sie wurde zum exemplarischen Beispiel dafür, wie man das Internet zur Verbreitung des Glaubens nutzen könne. In der Folge erhielt Carlo nach seinem Tod den ehrenvollen Beinamen „Schutzheiliger des Internet“. In einem Nachruf bezeichnete ihn die „Daily Mail“ noch moderner als „Gottes Influencer“. Seit seiner Heiligsprechung im Jahr 2025 durch Papst Leo XIV. wurde er mitunter auch als der „erste Millennial-Heilige“ bezeichnet. Doch leider war dem jungen Mann mit den außergewöhnlichen Fähigkeiten und seiner großen Leidenschaft nur ein sehr kurzes Leben auf dieser Erde vergönnt gewesen.

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Im Oktober 2006 stirbt Carlo Acutis, gerade einmal 15 Jahre alt, an einem besonders aggressiven Fall von Leukämie. Zwischen der Diagnose der Krankheit und seinem Ableben lagen nur Tage. Auf eigenen Wunsch wurde sein Körper 2007 exhumiert und endgültig im italienischen Assisi beigesetzt. Carlo hatte diesen Ort auserkoren, weil er seit jeher untrennbar mit seinem liebsten Heiligen, Franz von Assisi, verbunden war. Bereits 2012 gab es dann erste Anstrengungen, ihn wegen seiner Verdienste um die katholische Kirche mit der Selig- und dann Heiligsprechung besonders zu ehren. Bei diesem Prozess halfen zwei Wunder, die ihm zugeschrieben werden.

Wunder und Heiligsprechung

So ereignete sich zunächst 2020 in Brasilien die wundersame Heilung eines Jungen namens Matheus Vianna. Dieser litt unter einer seltenen Pankreasstörung. Nachdem alle medizinischen Maßnahmen ausgeschöpft waren, wandte sich seine Mutter, „Catholic Answers“ zufolge, in einem Gebet an Carlo Acutis. Ihr Sohn wurde wieder gesund und die katholische Kirche erkannte den Fall nach einer Untersuchung offiziell als Wunder an. Diesem folgte noch ein zweites, und zwar die Heilung der Valeria Valverde, der die Ärzte nach einem schweren Fahrradunfall eigentlich keine Chance mehr gegeben hatten. Auch hier half wohl dem Glauben nach das Gebet zum Heiligen Carlo.

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Am 7. September 2025 sprach die katholische Kirche Carlo Acutis schließlich heilig. Seitdem hat der Hype um den Teenager, wenn überhaupt möglich, noch mehr zugenommen. An seinem Todestag, dem 12. Oktober, feiern Katholiken jedes Jahr auch seinen persönlichen Festtag. Der Eintritt zu seiner letzten Ruhestätte, der Kirche Santa Maria Maggiore, wie auch der Zutritt zu seinem Grab sind kostenlos. Die Kirche ist täglich von 8 bis 19 Uhr für Besucher geöffnet, samstags sogar bis 22 Uhr.

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