Wer hat es erschaffen? Was soll es aussagen?

Das ist das beunruhigendste Monument der USA

Georgia Guidestones
Die Georgia Guidestones erinnern an Stonehenge – und sind fast noch geheimnisvoller... Foto: Flickr/ajmexico / CC BY 2.0

Im US-Bundesstaat Georgia steht ein mysteriöses Monument, um das sich diverse Verschwörungstheorien ranken. Denn auf den sogenannten Guidestones sind obskure Inschriften eingraviert, welche die Zehn Gebote für eine neue Weltordnung sein sollen.

Es seien die Zehn Gebote der Neuzeit oder ein Aufruf der Illuminaten zu einer neuen Weltordnung, und andere behaupten, die sogenannten Georgia Guidestones seien nicht weniger als ein amerikanisches Stonehenge. 

Bei allen Mutmaßungen, die Inschriften auf den vier 5,87 Meter hohen und rund 20 Tonnen schweren symmetrisch angeordneten Steintafeln sind zumindest verwirrend, wenn nicht gar beunruhigend – zumal laut diversen Quellen im Netz unbekannt ist, wer die Guidestones in Auftrag gegeben und finanziert hat.

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Zehn seltsame Botschaften

Georgia Guidestones

Monument des Wahnsinns? Um den Ursprung der Georgia Guidestones gibt es zahlreiche Verschwörungstheorien
Foto: Flickr/Dina Eric / CC BY 2.0

Die zehn Botschaften, die allesamt auf Englisch, Spanisch, Swahili, Hindi, Hebräisch, Arabisch, Alt-Chinesisch und Russisch wiedergegeben sind, sind nicht weniger rätselhaft:

  1. „Halte die Menschheit unter 500.000.000 in andauerndem Gleichgewicht mit der Natur.“
  2. „Vereine die Menschheit mit einer neuen Sprache.“
  3. „Steuere die Fortpflanzung weise – um Tauglichkeit und Vielfalt zu verbessern.“
  4. „Beherrsche Leidenschaft – Glaube – Tradition und alle Dinge mit gemäßigter Vernunft.“
  5. „Schütze Menschen und Nationen durch faire Gesetze und gerechte Gerichte.“
  6. „Lass alle Nationen ihre eigenen Angelegenheiten intern regeln und internationale Auseinandersetzungen vor einem Weltgericht beilegen.“
  7. „Vermeide kleinliche Gesetze und unnütze Beamte.“
  8. „Schaffe ein Gleichgewicht zwischen den persönlichen Rechten und den gesellschaftlichen Pflichten.“
  9. „Würdige Wahrheit – Schönheit – Liebe – bei der Suche nach Harmonie mit dem Unendlichen.“
  10. „Sei kein Krebsgeschwür auf dieser Erde – lasse Raum für die Natur – lasse Raum für die Natur.“

Wer steckt hinter dem Pseudonym R. C. Christian?

In Alt-Griechisch, babylonischer Keilschrift, Sanskrit und ägyptischen Hieroglyphen steht auf dem Monument zudem ein Motto geschrieben: „Let these be guidestones to an age of reason.“ Zu Deutsch: „Lasse diese (gemeint sind höchstwahrscheinlich die Steintafeln, Anmerk. d. Red.) Leitsteine in ein Zeitalter der Vernunft sein.“ Eine Tafel gibt zudem Hinweise auf eine ominöse Zeitkapsel, die unter den Guidestones vergraben liegen soll.

Als Schöpfer und Autor der Guidestones wird auf einem Stein ein gewisser R. C. Christian genannt, allerdings mit dem Hinweis, dass es sich hierbei um ein „Pseudonyn“ handele. Ja, nicht Pseudonym, sondern offensichtlich bewusst falsch geschrieben Pseudonyn. Was es damit auf sich hat, bleibt ebenso rätselhaft wie die wahre Identität des Mannes. Dass es sich um einen Mann handelt, wurde laut der US-Website „Wired“ von der Firma Elberton Granite Finishing bestätigt. Dort war 1979 ein Mann vorstellig geworden, der sich Robert C. Christian nannte und klare Vorstellungen hinsichtlich des zu errichtenden Monuments hatte. Die Steine sollten, so heißt es bei „Wired“, so beschaffen sein, dass sie eine Katastrophe überdauerten, sodass Menschen auf Grundlage der Botschaften eine neue, bessere Zivilisation erschaffen könnten.

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Guidestones sind „Kompass, Kalender und Uhr“ zugleich

Auch der Firma erschien der Auftrag seltsam, doch angesichts der Ernsthaftigkeit (und Zahlungsbereitschaft) des Mannes ließ man sich auf das Projekt ein. Als Kontaktperson für R. C. Christian fungierte der Banker Wyatt Martin, den Elberton Granite Finishing mit dem ominösen und stets elegant gekleideten Herrn zusammengebracht hatte. Laut „Wired“ sei Martin eine Verschwiegenheitsvereinbarung eingegangen, die es ihm untersagte, jemals die wahre Identität zu enthüllen. Daran hält sich der Banker bis heute.

Für viele war jedoch schon das Pseudonym Anlass für Spekulationen. So heißt es auf der nebulösen Webseite „Transinformation“, R. C. stehe „Rose and Cross“, was wiederum auf die mystische Ordensgemeinschaft der Rosenkreuzer hinweise.

Die Errichtung der Guidestones stellte auch die auf Steinarbeiten sepzialisierte Firma Elberton Granite Finishing vor Herausforderungen, sowohl was die Dimensionen als auch Details angeht. Das Unternehmen musste sich auch Hilfe eines Astronomen suchen, so ausgeklügelt waren die Pläne in puncto Ausrichtung, etc. Schließlich wurde das Monument von dem gewissen R. C. Christian als „Kompass, Kalender und Uhr“ beschrieben. Und tatsächlich: In den Guidestones wurden verschiedene wichtige kalendarische Events wie Sonnenwenden und Tag- und Nacht-Gleiche auf präzise Art und Weise berücksichtigt.

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Warum das Monument so beunruhigend ist

Als Geldgeber für die Guidestones wird auf einer Inschrift am Monument „Eine kleine Gruppe Amerikaner, die nach dem Zeitalter der Vernunft trachten“ genannt. Manche glauben, dahinter könnten nur die Illuminaten stecken, wie diese und zahlreiche andere Webseiten fest überzeugt sind.

Georgia Guidestones

Diese und andere mysteriöse Inschriften finden sich auf den vier Stelen wieder. Weder für die Platzierung noch für die Öffnung der Zeitkapsel wurde ein Datum eingraviert.
Foto: Wikipedia / KiltedEditor71 / CC BY-SA 3.0

Natürlich wird auch darüber spekuliert, wie die geheimnisvollen Inschriften auf den Steinen denn zu deuten seien, und vor allem die ersten beiden Botschaften ließen viele an wohlwollenden Zielen der geheimen Gruppe zweifeln. Schließlich solle die bereits zu Milliardengröße angewachsene Menschheit auf maximal 500.000.000 begrenzt werden. Heiße das, dass ein Großteil der Menschheit eliminiert werden solle, um einer neuen Elite Platz zu machen, die Kontrolle über einfach alles ausübe, von der Fortpflanzung über die Gesetze bis hin zur Sprache? Schnell wurde eine Analogie zu den Nazis gesehen, weshalb die Guidestones zurecht bis heute nicht als klassische Attraktion taugen.

Und dann ist da noch diese Voraussetzung, welche das Monument laut R. C. Christian haben müsse: nämlich, dass es so robust sein müsse, um eine Katastrophe zu überdauern. Doch wer könnte für diese verantwortlich sein? Plant die „kleine Gruppe Amerikaner, die nach dem Zeitalter der Vernunft trachten“ womöglich selbst diese Katastrophe? Oder geht sie nur fest von einer aus? Sicher ist: Die Guidestones implizieren, dass es eine Art Apokalypse geben wird, ohne einen konkreten Zeitpunk zu nennen. Und apropos Datum: Zwei Datumsangaben fehlen seltsamerweise. So wurde der Platz, der auf den Steinen für Angabe des Datums der Platzierung der Zeitkapsel vorgesehen war, leer gelassen – und ebenso der Zeitpunkt, an dem die Kapsel geöffnet werden soll.

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Yoko schrieb einen Song über die Guidestones

Auch die anderen „Gebote“ wurden von Verschwörungstheoretikern auseinandergenommen, von Teufelswerk war unter anderem die Rede, das von einer Gruppe Satanisten in Auftrag gegeben worden sei. Andere wiederum sehen in dem X, welches das Monument aus der Luft bildet, einen Landeplatz für Ufos.

Fakt ist: Die Guidestones lassen so viel Interpretationsspielraum, dass Esoteriker, selbsternannte Hexen, Ufologen und andere Anhänger seltsamer Theorien darin die perfekte Projektionsfläche für ihre zum Teil sehr wirren Weltanschauungen finden. Auch John Lennons Witwe Yoko Ono bezog sich bereits auf die Guidestones: In dem Song „Georgia Stone“, in dem sie die zehnte Botschaft singt, „Sei kein Krebsgeschwür auf dieser Erde – lasse Raum für die Natur – lasse Raum für die Natur“.

Banker Wyatt Martin, der R. C. Christian persönlich kennengelernt hat, will sich zu den wilden Theorien nicht äußern. Gegenüber „Wired“ sagte er nur, der Mann habe „anständig und ehrlich“ gewirkt.

Auch nach der Errichtung der Guidestones hatte Martin noch immer wieder Kontakt zu Christian, zuletzt um die Jahrtausendwende. Er glaube, so zitiert ihn „Wired“, der Mann sei mittlerweile gestorben. Sein Geheimnis hat er wohl mit ins Grab genommen.

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