Unter mysteriösen Umständen

Von dieser Brücke in Schottland stürzten sich mehr als 600 Hunde

Overtoun Bridge
Die Overtoun Bridge nahe der schottischen Kleinstadt Dumbarton ist auch als „Hunde-Selbstmord-Brücke“ bekannt. Foto: Wikimedia Commons/Rosser1954/CC-BY-SA-4.0

Der Overtoun Bridge nahe der schottischen Kleinstadt Dumbarton haftet seit Jahrzehnten ein böser Ruf an. Mehr als 600 Hunde sollen sich von der Brücke gestürzt haben. Für 50 von ihnen endete der Sturz tödlich. Sprangen die Hunde freiwillig in den Tod oder wurden sie von Geistern getrieben? TRAVELBOOK hat nachgespürt.

Auf den ersten Blick wirkt die 1895 im viktorianischen Stil erbaute Granitbrücke in ihrer idyllisch-ländlichen Umgebung geradezu friedlich. Die Brücke befindet sich nahe der schottischen Kleinstadt Dumbarton und führt zum Overtoun House, einem Herrenhaus, das Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Grund ehemaliger Ländereien errichtet wurde.


Doch so friedlich das Anwesen heute auch scheinen mag, liegt hier beziehungsweise unter der Brücke seit den 1960er-Jahren im wahrsten Sinne des Wortes der Hund begraben. 70 Jahre lang soll sich ein Hund nach dem anderen von der Brücke gestürzt haben, insgesamt mehr als 600, berichtet u. a. „Daily Mail“. Für 50 endete der Sturz in die Tiefe tödlich, die anderen überlebten schwerverletzt. Was aber steckt hinter der mysteriösen Todesserie?

Wurden die Vierbeiner von einer unheimlichen Macht zum Sprung von der Brücke getrieben? Waren die Tiere depressiv und begingen Selbstmord? Mit diesen Fragen beschäftigten sich jahrzehntelang nicht nur Hunde-Experten und Wissenschaftler, sondern auch Hellseher und Geisterjäger.

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Sprünge nur an sonnigen Tagen

Seltsamerweise sollen die Hunde unterschiedlichen Medienberichten zufolge jedes Mal von derselben Stelle über die knapp 50 Zentimeter breite Brückenbrüstung gesprungen sein – und das nur an sonnig-klaren Tagen, die an der Westküste Schottlands eher selten sind. Ein weiteres Kuriosum ist, dass alle Hunde, die bei dem rund 15 Meter tiefen Brücken-Sturz verunglückten, lange (Jagdhund-)Schnauzen gehabt haben sollen.

Jagdhunde

Berichtet wird, dass nur Hunde mit langen Schnauzen von der Brücke gesprungen sein sollen
Foto: Getty Images

Die einen Wildbach überspannende Overtoun-Brücke hat im Laufe der Jahrzehnte jedoch nicht nur tierische Opfer gefordert. Im Oktober 1994 warf ein psychisch kranker Vater sein zwei Wochen altes Baby von der Brücke, da er fest davon überzeugt war, sein Kind sei der leibhaftige Teufel. Der Sturz endete für das Baby tödlich.

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Übernatürliche Kräfte

Dass bei dieser Häufung tragischer Unfälle etwas nicht mit rechten Dingen zugehen konnte, lag – ohne Frage – für so manchen auf der Hand. Insbesondere Paul Owens, ein Religions- und Philosophielehrer aus Glasgow, der unweit der Brücke aufgewachsen war, war der festen Überzeugung, dass hier übernatürliche Kräfte am Werk seien, schreibt u. a. „Daily Mail“. 2015 erschien sein Buch über die Overtoun-Brücke, in dem er behauptet, des Rätsels Lösung gefunden zu haben. Nach Owens‘ Theorie trage der Geist von Lady Overtoun die Schuld an den tragischen Unfällen.

Die Witwe soll nach dem Tod von Baron Overtoun im Jahr 1908 Tag und Nacht über das Anwesen und die Brücke gelaufen sein, um nach ihrem Mann zu suchen. Nachdem Lady Overtoun gut 20 Jahre später selbst verstorben war, hätten Spaziergänger ihren Geist in Form einer „weißen, durchscheinenden Gestalt“ mehrfach dabei ertappt, wie dieser übers Gelände geschwebt sei und aus den Fenstern des Hauses gespäht habe. Owens‘ Überzeugung nach habe der Geist die Hunde zum Sprung von der Brücke getrieben. Denn „Hunde können Dinge spüren, die wir nicht spüren können – eine Präsenz, die sie zum Springen bringt, treibt sie an“, zitiert „Daily Mail“ den Religionslehrer. Er selbst habe auf der Brücke ebenfalls diese „Präsenz“ gespürt. „Ich fühlte, wie ein Phantomfinger mich in den Rücken stieß und mich vorwärts trieb. Es war sehr gruselig“, heißt es weiter.

Das Geisterhaus, in dem die Seelen von 1700 Verstorbenen spuken sollen

Geruch von Nerzen

Es gibt allerdings noch andere Erklärungen für die Brückenstürze der Hunde. Nach Ansicht von Stan Rawlinson, einem Hunde-Experten, hätten Nerze, die sich unter der Brücke aufgehalten haben sollen, die Hunde zum Sprung in die Tiefe verleitet. Denn Rawlinson zufolge soll der Geruch von Nerzen, der an sonnigen Tagen besonders intensiv sein soll, nahezu in Raserei versetzen, schreibt „Daily Mail“. Da die Hunde nicht hätten sehen oder ahnen können, dass der Sprung über die Brückenbrüstung geradewegs in die Tiefe führt, seien sie schlicht ihrem Jagdinstinkt gefolgt. Dazu passe, dass nur Hunde mit langen Schnauzen und besonders gutem Geruchssinn von der Brücke gesprungen seien.

Ob letztendlich Lady Overtouns Geist oder die Nerze schuld am Unglück der Hunde gewesen sind, bleibt offen. Die Hundebesitzer in der Umgebung der Brücke sind jedenfalls seit Langem gewarnt. Wer selbst herausfinden will, ob es auf dem Overtoun-Anwesen spukt, kann einen Ausflug dorthin wagen – und im Overtoun-Haus auch die Teestube besuchen.