14. September 2026, 7:22 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Bereits zu keltischen Zeiten eine Kultstätte, begeistert die Meeres-Höhle Fingal’s Cave noch heute Besucher mit ihren sechseckigen Basaltsteinen. Sie hat zahlreiche Künstler wie den deutschen Komponisten Mendelssohn und den britischen Maler Turner inspiriert und wurde von Persönlichkeiten wie dem Schriftsteller Jules Verne und Queen Victoria besucht. Und dann ist da noch die Legende um die Grotte, die von Riesen handelt.
Die schottische Insel Staffa, die zu den Inneren Hebriden gehört, ist eigentlich nichts weiter als ein großer Felsen, der vor der Westküste von Schottland aus dem sturmumtosten Atlantik ragt. Doch hier befindet sich eines der beeindruckendsten Naturwunder des Landes, welches bereits seit Jahrhunderten Künstler und Schriftsteller inspiriert: eine mächtige Seehöhle, die die Gezeiten über Jahrmillionen in den weichen Basaltfels gegraben haben, aus dem sie besteht, und deren auf wundersame Weise sechseckig geformte Säulen an ein anderes Naturwunder erinnern, nämlich den Giant’s Causeway in Irland. Tatsächlich rankt sich um Fingal’s Cave, so der Name der Grotte, ebenfalls eine Legende, die von Riesen handelt.
Eine Sprecherin der offiziellen schottischen Tourismusagentur „Visit Scotland“ erklärt TRAVELBOOK, dass die gewaltige Seehöhle vor 50 bis 60 Millionen Jahren entstand, als sie von Lavaströmen geformt wurde. Und zwar genau denselben, die auch den irischen Giant’s Causeway entstehen ließen. Deshalb findet man auch an beiden Orten die einzigartigen hexagonalen Basaltsäulen, die Betrachter seit jeher so faszinieren. „Die Kraft der Wellen, die gegen die Gesteinsformation brandete, formte dann im Laufe der Zeit Fingal’s Cave.“ Aus einer ursprünglich nur kleinen Öffnung im Fels bildete sich in Äonen die Grotte heraus, die wir heute vorfinden.
Inspiration für Künstler und Schriftsteller
Doch es sind nicht nur die bizarren Felsformationen, die Besucher in Scharen anziehen, sondern auch die einmalige Akustik in der Höhle. Im Gälischen erhielt Fingal’s Cave, die wohl schon früh auch eine keltische Kultstätte war, daher den Namen „Höhle der Melodie“. Der Klang, den die Wellen innerhalb des Felsendoms erzeugen, wird in verschiedenen Quellen im Netz als sehr beeindruckend beschrieben. Und er inspirierte auch schon lange vor Zeiten des Internets Künstler, wie zum Beispiel den deutschen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy. Nach einem Besuch des Naturwunders schuf er seine „Hebriden-Ouvertüre“ und ist damit bei Weitem nicht der Einzige, dessen Fantasie die Höhle anregte.
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„Andere berühmte Besucher waren Königin Victoria, Jules Verne und Robert Louis Stevenson“, so die Sprecherin. Der Schriftsteller Verne erwähnt Fingal’s Cave denn auch gleich in mehreren seiner Romane. Möglicherweise nahm Stevenson von seiner Visite die Idee zu seinem legendären Piratenklassiker „Die Schatzinsel“ mit. Andere berühmte Dichter und Autoren, die die Höhle besuchten, waren Walter Scott („Ivanhoe“) sowie William Wordsworth, John Keats und Alfred Lord Tennyson. Der wohl berühmteste britische Maler William Turner verewigte seine Erinnerungen in dem Werk „Staffa Fingal’s Cave“. Auch die Rockband Pink Floyd erwähnt Fingal’s Cave in einem nie veröffentlichten Song zu dem Film „Zabriskie Point“.
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Legende um Riesen
Zu verdanken ist diese bis heute anhaltende Berühmtheit dem britischen Botaniker Sir Joseph Banks, der Staffa 1772 besuchte und danach die Schönheit der Insel und auch von Fingal’s Cave öffentlich bewarb. Vielleicht rührt die Faszination um die Höhle aber auch von der Legende, die sich um sie rankt. Laut der Website „Scotland Stories“ lebte nämlich in ihr einst ein mächtiger Riese namens Benandonner. Er war verfeindet mit einem Krieger aus Irland namens Fionn MacCumhaill, kurz Fingal. Nachdem die beiden einander zu einem Kampf auf Leben und Tod herausgefordert hatten, baute dieser selbst eine Brücke von Irland auf das schottische Festland: den Giant’s Causeway.
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Über diesen machte sich nun Benandonner auf den Weg, um seinen Feind zu vernichten. Als Fingal schon aus der Ferne sah, wie groß sein Gegner war, bekam er es mit der Angst zu tun. Er griff auf eine List zurück, um dem Kampf zu entgehen. Von seiner Frau ließ er sich in Bettlaken wickeln und legte sich in eine riesige Krippe, als wäre er ein Säugling. Als Benandonner bei seiner Ankunft nun das vermeintliche Riesenbaby erblickte, packte wiederum ihn die Angst. Wenn das Fingals Sohn wäre, wie groß müsste dann erst der Vater sein? So kehrte Benandonner schließlich in seine Höhle in Schottland zurück, die heute skurrilerweise Fingal’s Cave heißt. Dabei zerstörte er den Giant’s Causeway.
So besuchen Sie Staffa
Wer Staffa und die berühmte Seehöhle besuchen möchte, hat dazu verschiedene Gelegenheiten. „Der einfachste Weg, die Insel zu erreichen, ist mit einem der lokalen Touranbieter wie Staffa Tours, Staffa Trips und Turus Mara. Die beste Saison dafür ist von Ende März bis September, dann verkehren von Oban aus Boote. Die Ausflüge sind aber stark abhängig von den jeweiligen Wetterbedingungen.“ Staffa selbst ist von Menschen unbewohnt, beheimatet aber eine einmalig diverse Tierwelt. Papageientaucher gibt es hier genauso wie Raubmöwen und andere Arten. Im Wasser vor der Insel tummeln sich Robben, Delfine, Wale und Haie.
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„Auf den Inneren Hebriden erwarten Besucher Bilderbuchdörfer und atemberaubende Strände mit kristallklarem Wasser. Außerdem faszinierende Begegnungen mit der Tierwelt und das Fangfrischeste aus dem Meer direkt vom Boot“, so die Visit-Scotland-Sprecherin. Die Inselgruppe besteht aus insgesamt 35 bewohnten und mehr als 40 unbewohnten Eilanden, zu denen auch Staffa gehört. Dennoch befindet sich hier mit Fingal’s Cave einer der ungewöhnlichsten Orte Schottlands. Seit 2001 ist die Insel als Naturreservat besonders geschützt und wird vom National Trust for Scotland verwaltet. Pro Jahr besuchen aktuell etwa 100.000 Menschen Staffa.