8. Januar 2026, 11:03 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Der Mont Blanc in den französischen Alpen ist der höchste Berg in der Europäischen Union. Doch der riesige Berg schrumpft. Woran das liegt.
Alle zwei Jahre wird der Mont Blanc neu vermessen. Dass es dabei mitunter zu Schwankungen kommt, ist normal. In den vergangenen Jahren zeichnet sich jedoch ein Trend ab: Der riesige Berg in den französischen Alpen schrumpft. Wurde ihm bisher eine Höhe von 4810 Metern zugeschrieben, kommen die aktuellen Daten auf einen neuen Wert: Die höchste Stelle des riesigen Bergmassivs ragt demnach auf 4807,30 Meter. Der Mont Blanc ist also um 2,7 Meter geschrumpft. Und das ist offenbar erst der Anfang.
Schmelzende Eiskappe
Der Mont Blanc verfügt über eine geologische Besonderheit: Der Gipfel des Bergs ist mit einer Eiskappe bedeckt. Nach Angaben der italienisch-französischen Forschungsmission, die das Bergmassiv vermessen hatte, ist diese Eisschicht aktuell 21,30 Meter dick. Und sie ist es auch, die das Felsmassiv zum Schrumpfen bringt, schmilzt sie selbst Stück für Stück weg. Verschwindet sie komplett, könnte sich die Höhe des Mont Blancs künftig auf 4786 Meter reduzieren. Der höchste Berg der Europäischen Union bliebe er dennoch, denn der zweithöchste, die Schweizer Dufourspitze, ist 4634 Meter hoch.
Die Eisschmelze in den Höhenlagen des Mont Blancs sei eine Folge des Klimawandels, schreibt die Österreichische Presseagentur (APA). Sie beruft sich dabei auf die norditalienische Stiftung Montagna Sicura, die an den Forschungen beteiligt war. Laut Montagna Sicura habe der Klimawandel damit Höhenlagen erreicht, die lange als weitgehend unbeeinflusst galten. Dass der Klimawandel selbst dort oben noch spürbar sei, bezeichnen die Forschenden als „alarmierend“. Messreihen über die Höhe des Mont Blancs werden laut APA alle zwei Jahre von Geometern des französischen Départements Haute-Savoie durchgeführt.
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Berge zunehmend instabiler
Die aktuellen Messungen erfolgten mittels Drohnen, Boden- und Satellitenradar. Dabei ging es den Forschenden nicht nur um die Ermittlung der tatsächlichen Höhe des Mont Blancs. „Die topografische Vermessung diente (…) auch dazu, das gesamte Umfeld der Spitze zu erfassen, um künftige Veränderungen und Entwicklungen messen zu können“, erklärt Fabrizio Troilo, Forschungskoordinator bei Montagna Sicura gegenüber APA.
Diese Erkenntnisse sind wichtig, um die gravierenden Auswirkungen, die das Schmelzen der Gletscher haben können, einschätzen zu können. Denn weit wichtiger als die Korrektur der aktuellen Gipfelhöhe des Mont Blancs ist die Stabilität des Bergs selbst. Das Magazin „Geo“ erklärt: „Wenn jahrtausendealte Eisriesen verschwinden und der Permafrost in den lockeren Gesteinsschichten taut, werden ganze Berghänge instabil.“ Laut „Geo“ könnten bis zum Ende des Jahrhunderts alle Gletscher der Alpen verschwunden sein, sollten die Temperaturen ungebremst weiter steigen.
Dabei stützt sich das Magazin auf eine Studie französischer Forscher aus Dezember 2024, die zeigt, dass sich die Erosionsrate im Mont-Blanc-Massiv im vergangenen Jahrhundert nahezu verdoppelt hat. Felswände in Höhenlagen unter 3800 Metern seien von Instabilität betroffen, heißt es in der Studie. Den wahrscheinlichen Grund sieht das Forscherteam im „derzeitigen starken Permafrostabbau“. Diese Geschwindigkeit, mit der das Massiv abgetragen wird, hängt offenbar auch mit einem Felssturz von 20.000 m³ zusammen. Laut der Studie ist es statistisch wahrscheinlich, dass derartige Ereignisse, bei denen Gesteinsmassen und Eis abbrechen, in weniger als sechs Jahren erneut auftreten. Es muss also damit gerechnet werden, dass es in näherer Zukunft zu weiteren und vermutlich größeren Felsstürtzen in der Region kommt.