6. Juli 2026, 7:04 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Im Mai 1980 brach der Vulkan Mount St. Helens im US-Bundesstaat Washington auf verheerende Weise aus. Die Folge war eine der größten Naturkatastrophen der amerikanischen Geschichte, bei der 57 Menschen ihr Leben verloren, und die sogar die Sonne verdunkelte. Es war gleichzeitig auch die teuerste Vulkaneruption in der Historie des Kontinents, die nach damaligem Wert weit über eine Milliarde Dollar an Schäden verursachte. Seitdem beobachten Wissenschaftler den Feuerschlot genau, denn er ist immer noch aktiv.
Es ist der 18. Mai 1980, 8:32 Uhr Ortszeit, als im Süden des US-Bundesstaates Washington die Apokalypse hereinbricht. So zumindest muss es auf die Menschen damals gewirkt haben. Denn in diesem Moment beginnt die gesamte nördliche Flanke des Vulkans Mount St. Helens abzurutschen. Bereits Wochen vorher, genauer seit März 1980, hatte es Anzeichen gegeben, dass sich hier bald eine Katastrophe ereignen könnte. Mit ihrem tatsächlichen Ausmaß hat aber niemand gerechnet. Und so kommt am Ende für 57 Menschen jede Hilfe zu spät. 500 Quadratkilometer Natur sind komplett verwüstet und teilweise unter einer bis zu 180 Meter dicken Schicht aus Asche, Schlamm und Geröll begraben. Es ist der wirtschaftlich bis heute verheerendste Vulkanausbruch der US-Geschichte.
Laut der Seite der Geologischen Gesellschaft von Amerika zeigen sich am 20. März 1980 erstmals Zeichen dafür, dass der Mount St. Helens wieder aktiv sein könnte. Erste Aufzeichnungen über Ausbrüche des Vulkans gehen bis zu 300.000 Jahre zurück, gefolgt immer wieder von bis zu 15.000 Jahre andauernden Ruhephasen. Doch nun bebt hier die Erde. Innerhalb von nur zwei Monaten, die bis zu der endgültigen Katastrophe vergehen, ereignen sich mehr als 10.000 kleinere Erdbeben. Zudem bildet sich an der Nordflanke des Vulkan-Berges durch unterirdische Magma-Flüsse eine Auswölbung von mehr als 1,6 Kilometern Durchmesser. Diese dehnt sich täglich um fast zwei Meter aus. Am 27. März spuckt der Mount St. Helens, benannt nach einem englischen Baron, dann erstmals Dampf und Asche.
Größter jemals aufgezeichneter Erdrutsch
Behörden beginnen unmittelbar mit der Evakuierung der ohnehin dünn besiedelten Region rund um den Feuerschlot. Doch zu diesem Zeitpunkt ahnt noch niemand, wie katastrophal der endgültige Ausbruch des Mount St. Helens am 18. Mai 1980 tatsächlich sein wird. Am frühen Morgen dieses Tages ereignet sich schließlich ein Erdbeben mit einer Stärke von 5,1 auf der Richterskala. Innerhalb weniger Minuten nach dieser Erschütterung beginnt die gesamte Nordflanke des Feuerschlots im größten jemals aufgezeichneten Erdrutsch zu Tal zu stürzen. „Encyclopedia Britannica“ zufolge erreicht die Lawine aus Gestein, begleitet von einer seitlich entweichenden, 350 Grad Celsius heißen Gaswolke, dabei Geschwindigkeiten von bis zu 500 Stundenkilometern.
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Der pyroklastische Strom, der dem Mount St. Helens entweicht, begräbt Täler und Flüsse in einem Umkreis von 27 Kilometern unter einer teils bis zu 180 Meter dicken Decke aus Trümmern. Gleichzeitig steigt vom Vulkan aus eine Wolke aus Gas und Asche in den Himmel, die 27 Kilometer in die Höhe reicht. Der Ort Spokane, 400 Kilometer vom Unglücksort entfernt, meldet in der Folge eine komplette Verfinsterung des Himmels. 520 Millionen Tonnen Asche werden in die Luft geblasen. Sie verbreiten sich in einem Radius von fast 57.000 Quadratkilometern über die gesamten Vereinigten Staaten. Innerhalb von drei Tagen hat die Asche die gesamten USA bedeckt, und nach 15 Tagen ist sie rund um den gesamten Erdball nachzuweisen.
Unvorstellbare Zerstörung
Die seitliche Gasentweichung am Mount St. Helens fällt durch ihre Druckwelle schätzungsweise 10 Millionen Bäume. Ein Umkreis von 500 Quadratkilometern Natur ist vollständig verheert. Eis und Schnee, durch die Eruptionshitze geschmolzen, vermischen sich mit Gestein zu Schlammlawinen. 200 Häuser werden zerstört, und 57 Menschen verlieren bei der Katastrophe ihr Leben. Sie vernichtet zudem knapp 300 Kilometer Straße, gut 24 Kilometer Schienennetz und 27 Brücken. Auch Millionen von Tieren, die meisten davon Fische, verlieren bei dem Ausbruch ihr Leben. Das Erstaunliche: All diese Auslöschung richtet der Berg in einer Zeitspanne von gerade einmal neun Stunden an. Bereits am nächsten Tag hat er seine Aktivität bis auf Weiteres vollständig eingestellt.
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Und auch der Mount St. Helens selbst übersteht diesen Tag nicht unbeschadet. Bei dem Erdrutsch verliert er mehr als 400 Meter seiner ursprünglichen Höhe. Maß er zuvor 2950 Meter, sind es, als sich der Staub legt, nur noch 2549 Meter. Bereits zwei Jahre nach der Tragödie weist die US-Regierung ein 445 Quadratkilometer großes Gebiet rund um den Vulkan als nationales Monument und somit Schutzzone aus. In dieser forschen Wissenschaftler bis heute zum Feuerschlot. Denn er gilt immer noch als aktiv. Besucher können den Berg vom Johnston Ridge Observatorium aus sehen. Von hier aus kann man den Krater, den Lavadom und die Ebene überblicken, wo sich einst die beispiellose Tragödie ereignete. Bis heute ist der Ausbruch des Mount St. Helens auch der wirtschaftlich verheerendste der US-Geschichte.
Laut einem offiziellen Dokument der US-Behörde für Rechenschaftspflicht (Government Accountability Office) genehmigte der US-Senat damals 946 Millionen Dollar, um die Schäden durch den Vulkanausbruch langfristig zu beheben. Andere Quellen im Netz sprechen gar von Schäden von bis zu 1,8 Milliarden US-Dollar, die der Mount St. Helens verursacht haben soll. Rechnet man diese Summen auf den heutigen Wert um, kommt man durch die Inflation auf fast ein Vierfaches. Der Seite des „Mount St. Helens Science & Learning Center“ zufolge hat die Nationale Forstbehörde bis heute etwa 5665 Hektar Fläche um das einstige Katastrophengebiet mit zehn Millionen Nadelbäumen neu bepflanzt. Laut Schätzungen von Wissenschaftlern ist ein ähnlich vernichtender Ausbruch in näherer Zukunft aktuell nicht zu befürchten.