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Im Zion-Nationalpark

Was den Gipfel Angels Landing in den USA besonders und gefährlich zugleich macht

Angels Landing
Der US-Gipfel Angels Landing ist zwar nicht einmal 2000 Meter hoch, dennoch gilt die Wanderung dorthin als sehr gefährlich. Seit dem Jahr 2000 gab es hier mehr als ein Dutzend Todesfälle Foto: Getty Images/500px
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

8. März 2026, 14:32 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Angels Landing ist ein einzigartiger Berg im Zion-Nationalpark im US-Bundesstaat Utah. Doch so schön der Gipfel ist, so gefährlich ist er auch. Allein seit der Jahrtausendwende kamen hier bei Unfällen mehr als ein Dutzend Wanderer zu Tode. Der Trail gilt daher auch als einer der gefährlichsten Wanderwege auf der ganzen Welt. Und dennoch gibt es einen gewaltigen Andrang.

Wären Sie dazu bereit, für die Eroberung eines Gipfels Ihre Gesundheit oder gar Ihr Leben aufs Spiel zu setzen? Nun, die meisten würden diese ohnehin eher rhetorische Frage wohl sofort mit Nein beantworten. Und dennoch gibt es im Zion-Nationalpark im US-Bundesstaat Utah einen Berg, der Wanderer geradezu magisch anzuziehen scheint, obwohl von ihm eine tödliche Gefahr ausgeht. Ein außerirdisch schöner Felsen, der den Namen Angels Landing trägt – der Landeplatz der Engel. Doch was macht die Wanderung dorthin so faszinierend, dass Menschen dafür immer wieder ihre gesamte Existenz riskieren? TRAVELBOOK erklärt den einzigartigen Trail.

Mit einer Höhe von 1756 Metern ist der Gipfel Angels Landing nun wahrlich kein Bergriese, und dennoch sind hier laut der offiziellen Tourismuswebsite von Utah allein seit der Jahrtausendwende 13 Menschen in den Tod gestürzt. Andere Websites im Netz sprechen gar von 15 oder 20 bestätigten tödlichen Unfällen. Dabei ist die Wanderung an sich keinesfalls besonders gefährlich oder technisch anspruchsvoll. Das heißt, bis auf das letzte Stück Weg. Und das hat es wirklich in sich. Nur, wer sich traut, einen sehr schmalen Grat zu überschreiten, entlang dem der Fels zu beiden Seiten des Weges hunderte Meter senkrecht in die Tiefe hinabfällt, gelangt schließlich zu dem legendären Landeplatz der Engel. Und wird mit einer wahrhaft bombastischen Aussicht belohnt.

Angels Landing erhielt seinen Namen 1916 von dem Politiker Frederick Vining Fisher. Bei einem Ausflug in den Zion-Nationalpark sah er den Gipfel und soll spontan ausgerufen haben, dass nur ein Engel selbst dort landen könne. Vorher trug der Berg den nicht weniger poetischen Namen „Tempel des Aiolos“, benannt nach dem Gott der Winde aus der griechischen Mythologie. Bereits acht Jahre später begann man dann mit dem Bau des Wanderweges zu dem spektakulären Felsen. Seit 1926 ist der Trail freigegeben und hat seitdem zahllose Abenteurer und Naturliebhaber angezogen. „Angels Landing im Zion-Nationalpark zählt zu den spektakulärsten Tageswanderungen der Welt“, heißt es auf der Tourismuswebsite von Utah zu dem Weg.

Starke Nerven von Vorteil

Angels Landing
Es sind Ausblicke wie dieser, für den viele Wanderer eine Tour zum Angels Landing riskieren Foto: Getty Images

Zunächst einmal startet die Tour zum Angels Landing noch relativ entspannt. Am Ausgangspunkt, dem Grotto Trailhead, beginnt die Wanderung. Wer möchte, kann sich von einem Shuttle des National Park Service für nur einen Dollar Gebühr dort absetzen lassen. Nach der Überquerung des Virgin River über eine Brücke durchquert man eine Zeit lang den Refrigerator Canyon. Am Ende dieser Schlucht dann beginnt der schweißtreibende, anstrengende und auch gefährliche Teil der Tour. Denn ab hier geht es nur noch in eine Richtung: steil bergauf. Zunächst einmal über eine Strecke von 21 Serpentinen, die auch als „Walter’s Wiggles“ bekannt sind. Auf ihnen überwindet man in kürzester Zeit eine beachtliche Anzahl an Höhenmetern. Benannt sind sie nach Walter Ruesch, dem ersten Direktor des Zion-Nationalparks.

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Wer diese Passage gemeistert hat, gelangt zu einem Plateau namens Scout Lookout. Schon von hier bietet sich ein unvergleichlicher Panoramablick auf den Zion-Canyon und die tief unter dem Wanderer liegende Landschaft, geprägt von ihren rostroten Bergen. Für die letzten 150 Höhenmeter zum Angels Landing braucht es dann aber starke Nerven, denn der Weg ist nun extrem schmal und nur stellenweise mit Ketten gesichert. Hier sollte man nach Möglichkeit nur nach vorn schauen, denn links und rechts des Weges tun sich schwindelerregende Abgründe auf. Dieser Abschnitt ist es auch, der für die zahlreichen tödlichen Abstürze verantwortlich ist. Die offizielle Website kommentiert: „Man braucht keine übermenschlichen Nerven, aber selbst erfahrene Wanderer müssen während der gesamten Tour wachsam bleiben.“

Vergabe per Lotterie

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Der Lohn für die Mühen, der immer wieder Menschen ihr Leben riskieren lässt, ist ein unvergesslicher 360-Grad-Panorama-Ausblick in das weite, raue Land. Hier mag sich wirklich wie ein Engel fühlen, wer den Aufstieg geschafft hat. Bilder und Videos von der Ersteigung des Angels Landing dürften jedenfalls schon genügen, um Normalsterblichen eine gehörige Gänsehaut zu verursachen. Doch trotz seines Gefahrenpotenzials ist der Trail so beliebt, dass Plätze dafür extrem limitiert sind und über eine tägliche Online-Lotterie des US-Nationalparkservice vergeben werden. Die Begrenzung der täglichen Mengen an Wanderern dient vor allem in der Hochsaison der allgemeinen Sicherheit. Die Teilnahme an dem Verfahren kostet aktuell sechs Dollar.

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Den Zion-Nationalpark besuchen pro Jahr etwa fünf Millionen Menschen, und allein seit 2022 wurden mehr als 400.000 Genehmigungen für die Ersteigung des Angels Landing erteilt. Diese gelten für drei verschiedene Zeitslots täglich und werden entweder ein bis drei Monate im Voraus oder für Kurzentschlossene am Vortag ausgestellt. Alle Bedingungen für die Teilnahme entnehmen Sie bitte der Seite des Nationalparkservice. Je nach Fitnesslevel dauert die Wanderung zum Landeplatz der Engel bis zu vier Stunden. Die empfehlenswerteste Zeit dafür ist vom frühen Frühling bis in den Herbst. Den Sommer sollte man wegen möglicher extremer Hitze meiden. Dasselbe gilt für Feiertage wie den 4. Juli, da es dann im Zion-Nationalpark besonders voll sein kann. Bei ungünstigen Wetterbedingungen ist von der Tour dringend abzuraten. Übrigens: Wer nur bis zum Scout Lookout wandern möchte, braucht dafür keine Genehmigung.

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