29. Juni 2026, 7:12 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Der Lake Wakatipu auf Neuseelands Südinsel ist der drittgrößte See des Landes. Seine Ausmaße sind geradezu gewaltig – genau wie die der Kreaturen, die unter seiner Oberfläche leben. Denn in dem Gewässer ist der neuseeländische Langflossen-Aal heimisch, der mehr als doppelt so groß und bis zu dreimal so schwer werden kann wie andere Aal-Arten. Auch erreicht dieser Fisch mitunter ein wahrhaft biblisches Alter. Nur ein Grund, warum ihn die einheimischen Maori als eine Art Himmelsbote verehren. Und auch der See selbst hat einen festen Platz in ihrer Mythologie.
Laut der offiziellen Tourismus-Website der Stadt Queenstown, die an den Ufern des Lake Wakatipu liegt, entstand er vor etwa 15.000 Jahren, als ein gewaltiger Gletscher sich dort durch das Land schob. Der Lake Wakatipu ist der drittgrößte See in ganz Neuseeland und mit einer Länge von 84 Kilometern sogar der längste überhaupt. Auf einer Fläche von 290 Quadratkilometern wird er bis zu 399 Meter tief. So groß ist der See, dass er sogar seine eigenen Gezeiten hat. Etwa alle 25 Minuten hebt und senkt sich sein Wasserspiegel um 12 Zentimeter. Ein Phänomen, für das Wissenschaftler bislang keine Erklärung haben. Einer alten Maori-Legende zufolge ist dafür eine Liebesgeschichte verantwortlich.
Die Liebeslegende um eine Beziehung ohne Zukunft
Demnach lebten einst an den Ufern des Lake Wakatipu die beiden Liebenden Matakauri und Manata. Er war ein gewöhnlicher Krieger, sie die Tochter des Stammesführers – eine Beziehung ohne Zukunft, so schien es zunächst. Doch dann wurde Manata entführt von dem schrecklichen Riesen Matau, der sie in seine Höhle verschleppte. Manatas untröstlicher Vater versprach nun jenem jungen Mann die Hand seiner Tochter, der sie ihm zurückbringen würde. Nur Matakauri war mutig genug, sich in das Versteck des Riesen zu wagen. Er konnte jedoch zunächst ihre Fesseln nicht lösen, die aus einem magischen Seil geknüpft waren.
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Verzweifelt fing Manata an zu weinen, und die Liebe in ihren Tränen löste schließlich doch die verhexte Schnur. Der zu diesem Zeitpunkt schlafende Riese fand ein grausiges Ende, denn Matakauri legte Feuer unter ihm. Als sein Körper schmolz, verformte sich auch die Landschaft um ihn herum, und ein gewaltiger Krater entstand. Dieser, Sie ahnen es vielleicht schon, füllte sich dann mit dem Wasser des heutigen Lake Wakatipu. Die Maori halten das Steigen und Abebben des Wassers für den Herzschlag des Riesen. Und so ist es wohl wenig verwunderlich, dass sich auch um die sonderbaren Bewohner des Sees, die neuseeländischen Langflossen-Aale, zahlreiche Legenden ranken.
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Außergewöhnlich groß und alt
Diese geheimnisvollen Fische werden nämlich außergewöhnlich groß. Während ein Aal von einer Größe von mehr als einem Meter in unseren Breiten schon als absoluter Ausnahme-Fang gelten würde, erreichen die Exemplare im Lake Wakatipu eine durchschnittliche Länge von 116 Zentimetern. Fische von bis zu zwei Metern sind ebenfalls verbürgt. Auch was das Gewicht betrifft, ist der neuseeländische Aal außergewöhnlich. Fische von 16 Kilo sind hier keine Seltenheit, der schwerste bislang vermessene Fang lag sogar bei 24 Kilo. Quellen, die von Gewichten von bis zu 40 Kilo und mehr berichten, muss man dagegen wohl in die Kategorie Seemannsgarn verweisen.
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Doch nicht nur die Maße des „Tuna“, so der Maori-Name für den Aal, sind beeindruckend. Auch sein mitunter wahrhaft biblisches Alter. So kann der neuseeländische Langflossen-Aal bis zu 90 Jahre alt werden und damit älter als viele Menschen. Laut „Aotearoa Dive“, der Seite einer lokalen Tauchfirma, verehrten die Maori den Fisch in der Vergangenheit als eine Art himmlisches Wesen. Ihrem Glauben nach lebten alle Aale einst in einer Quelle im Paradies. Als diese versiegte, stiegen der Tuna und die anderen Aal-Arten auf die Erde hinab. Während seine Geschwister in die Meere wanderten, blieb der Tuna ein Süßwasserfisch und lebt heute eben unter anderem im Lake Wakatipu.
Das Unterwasser-Erlebnis
In einer anderen Legende erschreckte der Tuna die Frauen des Halbgottes Māui. Zur Strafe hackte dieser ihn in zwei Hälften, die beide weiter existierten. Ein Teil des Fisches lebte fortan im Meer, der andere im Süßwasser. Im Lake Wakatipu gibt es aber auch noch andere erstaunliche Tiere. So zum Beispiel die Bergente, die für ihre ausgiebigen Tauch-Touren bekannt ist. Sie kann bis zu acht Meter tief tauchen und bis zu 45 Sekunden unter Wasser bleiben. Bei Anglern begehrt sind neben dem Langflossen-Aal auch die Forellen und sogar Lachse, die in dem See leben.
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Wer die Unterwasserwelt des Lake Wakatipu einmal hautnah erleben möchte, ohne dabei jedoch seinen Bewohnern zu nahe zu kommen, kann das im „Queenstown Unterwasser-Observatorium“ tun. Durch ein Fenster kann man hier direkt einen Blick in den See und auf seine Tierwelt werfen. Das Erlebnis beinhaltet außerdem einen kurzen Film im hauseigenen Kino, der über den See und seine Entstehung sowie natürlich auch über die Maori-Legenden um ihn aufklärt. Der Eintritt für Erwachsene kostet 20 NZD (10 Euro), für Kinder zwischen 3 und 14 Jahren 12 NZD (6 Euro). Die Attraktion ist täglich von 9:45 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.