24. August 2025, 7:48 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
An vier Orten an der deutschen Ostseeküste kann man das Binnenmeer seit 2006 auf ganz besondere Weise kennenlernen. Nämlich auf einer Fahrt unter die Wasseroberfläche. Möglich machen das Erlebnis an der Ostsee Tauchgondeln, die ein einheimischer Unternehmer erfunden und gebaut hat. Dabei lernt man nicht nur Wissenswertes über den einzigartigen Lebensraum, sondern kommt auch seinen Bewohnern ganz nah.
Ganz klar, die Seebrücken in den Orten Zinnowitz, Sellin, Grömitz und Zingst an der deutschen Ostseeküste sind schon an sich eine Attraktion. Auf langen Promenaden hat man das Gefühl, mitten in das Binnenmeer hereinspazieren zu können, genießt dabei Panoramaaussichten bis zum Horizont. Doch es geht noch spektakulärer, denn an den vier oben genannten Orten kann man auch unter die Meeresoberfläche abtauchen und dabei den Bewohnern dieses einzigartigen Lebensraums ganz nah kommen. Möglich machen das spezielle Tauchgondeln, die der Zinnowitzer Unternehmer Andreas Wulff entworfen hat. TRAVELBOOK sprach mit ihm über seine einzigartige Erfindung.
Ein wenig sehen die Tauchgondeln an der Ostsee, die Platz für bis zu 32 Personen bieten, aus wie aus einer fantastischen Geschichte von Jules Verne. Sofort fühlt man sich an den Klassiker „20.000 Meilen unter dem Meer“ erinnert, wie sie da am Kopf der Seebrücken auf mutige Gäste warten. Ganz so tief tauchen diese dann auf der etwa 40-minütigen Fahrt natürlich nicht ab, aber es geht in der Kapsel immerhin bis hinunter auf den Meeresgrund in vier bis fünf Meter Tiefe. „Als Erstes kommt immer eine Sicherheitsbelehrung“, so Wulff über die besondere Tauchfahrt. „Dann schauen die Gäste gemeinsam einen Lehrfilm, den heimische Taucher aufgenommen haben, und werden über die Unterwasserwelt aufgeklärt, die sie erwartet.“
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Bis zu 30 Meter Sichtweite
„Die Leute sollen in meinen Tauchgondeln ein Gefühl für die Ostsee bekommen, sie richtig verstehen“, so der Unternehmer. Das Aufregendste an einer solchen Tauchfahrt sei, wenn man den tierischen Bewohnern unter Wasser ganz nah käme. Diese kann man durch Fenster beobachten, die in das Vehikel eingelassen sind. „Das können einfach Miesmuscheln sein, aber wir haben auch schon Robben und sogar Schweinswale gesehen.“ Besonders klar sei die Sicht aufgrund des höheren Salzgehaltes des Wassers übrigens an den Standorten Grömitz und Zingst. „Da hat man mit Glück bis zu 30 Meter Sichtweite.“ Lachend fügt Wulff hinzu: „Wenn die Gäste dann Feuerquallen sehen, gehen die danach nicht mehr zum Baden ins Wasser.“
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Doch wie kam Wulff überhaupt auf seine Tauchgondeln? „Die Idee dazu hatte ich bestimmt schon 2001. Aber bis zur Umsetzung dauerte es dann noch ein paar Jahre. Die Antriebstechnik, Steuerung und Sicherheit – all das ist bei der oft rauen Ostsee natürlich eine Herausforderung gewesen.“ Drei Jahre habe sein Büro dann an den Problemen getüftelt, ein Kollege habe ganz allein sechs Monate mit Berechnungen zugebracht. Eine zentrale Frage sei zum Beispiel gewesen: Wie bekommt man die 50 Tonnen schweren Tauchgondeln, die ein Auftriebsvolumen von 100 Tonnen haben, überhaupt unter Wasser? Die Lösung: Das Fahrzeug wird an speziell dafür entwickelten Pfählen in die Tiefe abgesenkt, schwebt also nicht frei im Wasser.
Abenteuerlich und sicher
2006 erfolgte dann die Eröffnung der ersten von heute vier Tauchgondeln in Zinnowitz. „Ganz einfach, weil ich dort wohne. Ich war mir mit der Gemeinde schnell über den Bau einig. Dort hat man von Anfang an positiv auf meine Idee reagiert. Heute ist die Gondel aus dem Ort nicht mehr wegzudenken. Sie ist sogar auf allen Postkarten abgebildet. Man wirbt damit, es ist ein Aushängeschild geworden.“ Das beweisen auch die insgesamt etwa 130.000 Gäste, die an den vier Lokalitäten jedes Jahr eine Abenteuerfahrt mit Wulffs Spezial-U-Booten unter Wasser unternehmen. Überraschend niedrig erscheint angesichts der genialen technischen Errungenschaft der Preis für ihre Entwicklung. „Nur“ 100.000 Euro kostet eine solche Tauchgondel laut Wulff. Für den Prototyp in Zinnowitz habe er sogar noch einmal finanzielle Unterstützung von einem Institut erhalten.
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Damit die Fahrt mit den Tauchgondeln nicht nur abenteuerlich, sondern auch jederzeit sicher ist, werden sie jedes Jahr regelmäßig gewartet und überprüft. Elektronik, Bremsen, Verschleißteile – alles wird einem strengen Check unterzogen. Zudem ist das Personal an Bord nicht nur fachlich, sondern auch medizinisch geschult. Wer jetzt Lust bekommen hat, eine Fahrt auf den Meeresgrund der Ostsee einmal selbst zu erleben, hat dazu laut offizieller Website an den vier Standorten täglich Gelegenheit. Für Erwachsene kostet der Spaß 12 Euro, für Kinder bis 15 Jahre sieben Euro. Alle weiteren Preise sowie die je nach Standort variierenden Öffnungszeiten entnehmen Sie bitte der Website.