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Zwischen der Schweiz und Italien

Warum der Monte San Giorgio auch als „Berg der Saurier“ bezeichnet wird

Monte San Giorgio
Der Monte San Giorgio wird auch als „Berg der Saurier“ bezeichnet. Er ist eine der wichtigsten Fundstätten für Meeresfossilien weltweit Foto: picture alliance/KEYSTONE
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

29. Juli 2025, 6:48 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Der Monte San Giorgio im Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Italien ist weltweit berühmt als der „Berg der Saurier“. Die Funde hier trugen maßgeblich zum Verständnis des Lebens in der damaligen Epoche bei und begeistern noch heute in einem spektakulären Museum jährlich unzählige Besucher. Das ist auch einem sehr skurrilen Zufall zu verdanken.

Am Fuß der Südalpen, zwischen dem Schweizer Kanton Tessin und der italienischen Provinz Varese, liegt ein Ort, an dem man tief in die Vergangenheit unseres Planeten blicken kann. Umschlossen von den zwei südlichen Armen des Luganer Sees, ist der Monte San Giorgio mit gerade einmal 1097 Metern Höhe alles andere als ein Riese unter den Gipfeln hier, aber dennoch der wohl mit Abstand spektakulärste. Er ist heute auch bekannt als der „Berg der Saurier“, denn hier befindet sich eine der weltweit wichtigsten Fundstätten für Meeresfossilien aus der Zeit des Mittleren Trias. Also einer Epoche, die bereits vor fast 250 Millionen Jahren begann. TRAVELBOOK nimmt Sie mit auf eine Reise in die Urzeit.

Laut seiner offiziellen Webseite beginnt die Geschichte des Monte San Giorgio bereits Mitte des 19. Jahrhunderts auf italienischer Seite. 1854 erscheint die erste Publikation über Funde von Fischfossilien, herausgegeben von Emilio Cornalia, seines Zeichens Paläontologe und Direktor des Naturgeschichtlichen Museums in Mailand. In dieser Zeit entdeckt man am Berg auch die erste Sensation, das Skelett eines Ichthyosauriers, eines ausgestorbenen Reptils, welches im Meer lebte. Die italienische Gesellschaft für Naturwissenschaften, die ab 1963 erste Ausgrabungen leitet, geht dennoch wenig zimperlich bei ihrer Pionierarbeit vor. Mittels des Einsatzes von Sprengstoff gelingt es, weitere erdgeschichtlich bedeutsame Funde zu machen.

Skurriler Zufalls-Fund

Monte San Giorgio
Rund um den Monte San Giorgio kann man die Spuren der Vergangenheit nachvollziehen Foto: picture alliance/KEYSTONE

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kommen dann auch auf der Schweizer Seite des Monte San Giorgio die ersten Fossilien-Funde ans Tageslicht. Und zwar beim Abbau seines Gesteins, das damals zur Herstellung eines antiseptischen Öls mit dem Namen „Saurolo“ benötigt wird. 1919 hilft dabei ein skurriler Zufall der Dino-Forschung auf die Sprünge, wie das Fossilienmuseum in Meride auf TRAVELBOOK-Anfrage mitteilt: „Der Paläntologe Bernhard Peyer entdeckte in einem für die Destillation des Öls vorgesehenen Gesteinshaufen eine gut erhaltene Ichthyosaurier-Flosse.“ Ab 1924 beginnen nach diesem Glücks-Fund auch in der Schweiz die Ausgrabungen am „Berg der Saurier“. „Aus den sechs fossilhaltigen Schichten des Monte San Giorgio wurden bis heute mehr als 20.000 Fossilien entnommen. Insgesamt zählt man etwa 25 Arten von Reptilien, 50 Arten Fische, mehr als 100 Arten von Wirbellosen und mehrere Pflanzenarten, hauptsächlich Nadelbäume.“

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Die Besonderheit des Monte San Giorgio sind dabei seine sechs verschiedenen Schichten. Normalerweise findet man an einer Lagerstätte nämlich nur eine solche Schicht, die sich einem bestimmten geologischen Zeitraum zuweisen lässt. Dank der Beschaffenheit der Funde vor Ort ist es aber möglich, die evolutionäre Entwicklung bestimmter Lebewesen zu beobachten, die über mehrere Millionen Jahre in derselben Umgebung lebten. Einen Tiefpunkt für die Forschung stellte der Zweite Weltkrieg dar, besonders 1943. Damals wurde bei einer anglo-amerikanischen Bombardierung der Stadt Mailand das Naturgeschichtliche Museum nahezu komplett zerstört. Wichtige Fossilien-Funde vom Monte San Giorgio gingen so für immer verloren.

Virtuell die Vergangenheit erleben

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Unter Leitung von Emil Kuhn-Schnyder gingen dann aber ab 1950 die Ausgrabungen am Monte San Giorgio weiter. Den Funden, die man bis 1968 hier machte, verdankt sich unter anderem die Gründung des Paläontologischen Instituts und des Paläontologischen Museums an der Universität Zürich. Diese besitzt bis heute die größte Sammlung an Fossilien vom „Berg der Saurier“. Die Ausgrabungen dauern weiter an und fördern immer noch teils spektakuläre Entdeckungen zutage. So fand man 1996 auf italienischer Seite die fossilen Reste eines Saltriosaurus, des größten jemals in Italien bekannten fleischfressenden Dinosauriers. 2006 erhielt der Dino-Berg eine ganz besondere Würdigung mit der Aufnahme in das Unesco-Welterbe.

Im Fossilienmuseum von Meride in der Schweiz haben Besucher heute die Möglichkeit, die Urzeiten auf eindrucksvolle Weise nachzuempfinden. Zum Beispiel auf einem Wanderweg zwischen Meride und Serpiano. „Dank der App ‚MSG Triassic Park‘ kann man entlang des Weges auf zahlreiche virtuelle Erlebnisse zurückgreifen.“ Von einer Aussichtsplattform kann man zudem die Ausgrabungsstätten am Monte San Giorgio sehen. Das Museum selbst bietet auf vier Stockwerken ebenfalls einige Attraktionen. So zum Beispiel den Meride Beach, ein animiertes, interaktives 3D-Modell. Vor 240 Millionen Jahren befand sich nämlich hier kein Berg, sondern ein tropischer Strand. Sogar im Ur-Meer kann man hier virtuell tauchen und dabei den Sauriern ganz nahe kommen.

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Wer nun den Monte San Giorgio, bzw. das Museum einmal besuchen möchte, hat dazu Dienstag bis Sonntag von 9 bis 17 Uhr Gelegenheit. Der Eintritt für Erwachsene kostet 12 Schweizer Franken, umgerechnet knapp 13 Euro. Besucher von 6 bis 16 Jahren zahlen nur die Hälfte. Auch geführte Touren auf Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch sind möglich. Im Italienischen Besano gibt es ebenfalls ein Fossilienmuseum mit Funden vom Monte San Giorgio. Dieses hat dieselben Preise, ist jedoch nur Dienstag, Samstag und Sonntag geöffnet. Die Besuchszeiten entnehmen Sie bitte der offiziellen Webseite.

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