Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de

Nordlichter auch in Schottland sichtbar

Wo und wann kann ich Polarlichter sehen und wie entstehen sie?

Polarlichter in Schottland – Callanish Stones
Magisch: Polarlichter auf der schottischen Insel Isle of Lewis tauchen den Himmel über dem Dorf Callanish mit seinem mythischen Steinkreis „Callanish Stones“ in faszinierende FarbenFoto: Getty Images

Viele träumen davon, einmal in den Norden zu reisen und Polarlichter mit eigenen Augen zu sehen. Die Nordlichter sind ein Wunder der Natur und faszinieren auf fast schon magische Weise. TRAVELBOOK erklärt, wie die mystischen Himmelslichter entstehen, wie man sie am besten fotografiert und wo man sie besonders gut sehen kann.

Die Polarlichter (wissenschaftlich: „Aurora borealis“) ziehen Menschen auf der ganzen Welt in ihren Bann. Um die besondere Aufführung der Natur zu erleben, reisen viele Urlauber nach Skandinavien und Kanada. Doch auch an anderen Orten auf der Welt kann man das faszinierende Naturphänomen betrachten. Wir zeigen, wo sich das Spektakel regelmäßig ereignet und wie die faszinierenden Himmelslichter entstehen.

Aurora borealis, Nordlichter, Schottland
Die Aurora Borealis am 20. Februar 2021 über den Ruinen von Duffus Castle in SchottlandFoto: Getty Images

Wo gibt es Polarlichter zu sehen?

Wie der Name schon sagt, treten die Himmelsphänomene besonders in einem Gürtel rund um die magnetischen Pole auf, also in den Polargebieten. Nordlichter sind am besten über dem Norden Schwedens, Finnlands, in Island, Alaska, der Südspitze Grönlands, im nördlichen Kanada und an der Nordküste Sibiriens zu sehen. Nordschottland liegt auf dem selben Breitengrad wie Stavanger in Norwegen oder Nunivak Island in Alaska: Bei guten Bedingungen können auch in Astrid Lindgrens Heimat Himmelsleuchten beobachtet werden.

Auch interessant: Die beeindruckende und fast unbekannte Schwester der Nordlichter

Wann ist die Saison für Polarlichter?

Die „Polarlichtsaison“ beschränkt sich hauptsächlich auf das Winterhalbjahr, wo dann nördlich des Polarkreises die Sonne wochen- oder monatelang gar nicht aufgeht. Entsprechend ist es zwischen April und August meist zu hell, um das Spektakel mit dem menschlichen Auge zu erleben. Zwar gibt es auch in dieser Zeit Polarlichter zu beobachten, allerdings benötigt man hierfür dann eine spezielle Ausrüstung. Wer also das Leuchten mit großer Wahrscheinlichkeit und ohne Hilfsmittel am Himmel sehen möchte, sollte seine Reise in den Norden zwischen September und März planen.

Wie entstehen Polarlichter?

Von der Sonne werden Licht, Wärme, aber auch riesige Mengen Materie abgedampft oder durch Eruptionen ins All geschleudert – je nach Heftigkeit heißen die entstehenden Plasmawolken „Sonnenwind“ oder „Sonnensturm“. Trifft ein solcher „Sonnenwind“ mit seinen elektrisch geladenen Teilchen auf das Magnetfeld der Erde, so wird er in Richtung der magnetischen Pole – Nord- und Südpol – umgelenkt. Dort können die Teilchen in die hohen Schichten der Erdatmosphäre eindringen und durch den Zusammenstoß mit den Atomen die faszinierenden Leuchterscheinungen, die Polarlichter, hervorbringen.

Wie entstehen die Farben?

In Rot, Grün, Blau und diversen Mischfarben rollen die Leuchtphänomene über das Himmelszelt. Die Farbe hängt von den jeweiligen Bestandteilen der Atmosphäre sowie von der Höhe ab, in der das Leuchten entsteht. Kollidieren die Teilchen etwa in einer Höhe von rund 100 bis 150 Kilometern mit Sauerstoffatomen, leuchten grüne Polarlichter auf. Bei einer Höhe von 150 bis 600 Kilometern entstehen durch angeregte Stickstoffatome rote, blaue und violette Farben.

Wie fotografiert man Polarlichter?

Da Nordlichter sich sehr unterschiedlich schnell bewegen, gibt es keine grundsätzliche Anleitung für Fotografen. Um gute Ergebnisse zu bekommen, muss man je nach Situation neu experimentieren. Polarlicht-Fotografie bedeutet Nachtfotografie – um die Belichtungszeit abzukürzen, gehört zur Ausrüstung unbedingt eine Spiegelreflexkamera mit lichtstarkem Objektiv. Um möglichst viel aufs Bild zu bekommen und eine räumliche Tiefe zu erzielen, bietet sich ein Weitwinkelobjektiv an. Die Belichtungszeit sollte nicht länger als 10 Sekunden betragen, ansonsten ISO-Einstellung erhöhen. Autofokus funktioniert bei der Polarlicht-Fotografie gar nicht, dasselbe gilt für den Blitz – das polare Leuchten ist einfach viel zu weit entfernt. Also: Fokus auf „unendlich“ und Blitz aus! Als Zubehör sind ein Stativ und ein Fernauslöser unbedingt empfehlenswert. Mehr Tipps gibt es hier.

Kann man Polarlichter auch in Deutschland sehen?

In unseren Breiten sind Polarlichter leider sehr selten. Theoretisch können wir aber bei Sonnenstürmen auch über Deutschland etwa vier bis acht Mal pro Jahr Polarlichter erkennen. Dass auch von Deutschland aus Polarlichter zu sehen sein werden, hält der Wissenschaftler Werner Curdt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau bei Göttingen zwar für unwahrscheinlich, schließt es jedoch auch nicht ganz aus. Hierzulande wären sie dann sowieso nicht so imposant wie im hohen Norden Europas. Ein kleiner, grüner Schimmer am nächtlichen Horizont – viel mehr ist in Deutschland nicht zu erwarten.