3. Dezember 2025, 16:07 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Forscher haben in den Tiefen des Genfersees eine bislang unbekannte Welle entdeckt. Im Sommer wandert sie innerhalb weniger Tage einmal rund um das Ufer. Was es damit genau auf sich hat, erfahren Sie hier.
Wie eine Welle auf dem Wasser aussieht, weiß man in der Regel – zumindest meint man das. Was vielen nämlich vielleicht nicht bewusst ist: Nicht alle Wellen bilden sich an der Wasseroberfläche. Auch in den Tiefen eines Gewässers verlaufen wogenförmige Strömungen, die als sogenannte interne Wellen bezeichnet werden. In einer aktuellen Studie wurde jetzt allerdings eine bislang unbekannte Wellenart im Genfersee entdeckt.
Welle entsteht durch Temperaturunterschiede
Während oben Boote über das Wasser schippern oder Schwimmer ihre Bahnen ziehen, schlängelt sich die neu entdeckte Welle unter Wasser am Ufer entlang. In dreißig Metern Tiefe ist sie am stärksten und bewegt sich mit bis zu 30 Zentimetern pro Sekunde fort. Laut den Forschern entsteht die Welle nicht durch Wind, sondern durch drei Temperaturschichten, die sich verschieben. Bei den bisher bekannten internen Wellen sind es dagegen nur zwei.
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Die entstehende sogenannte V2-Kelvin-Welle hat laut Studie aber noch eine weitere Eigenheit. So bekommt sie durch die von der Erdrotation verursachte Corioliskraft einen zusätzlichen Drall. Deshalb beginnt sie sich am Ufer entlang rund um den See zu bewegen – entgegen dem Uhrzeigersinn. Dabei dreht sie sich immer um einen festen Punkt in der Mitte des Sees. In etwa 30 Metern Tiefe und rund einen Kilometer vom Ufer entfernt konnte der Effekt am stärksten nachgewiesen werden. „Die Strömung, die dadurch entsteht, ist mit Abstand die stärkste, die wir diesen Sommer gemessen haben. Damit gehört sie zu den stärksten im See überhaupt“, erklärt der Erstautor der Studie, Rafael Reiss von der University of Cambridge.
Welchen Effekt hat diese besondere Art der Welle? Laut der Untersuchung führt die Bewegung dazu, dass der Transport von Sedimentpartikeln sowie Schad- und Nährstoffen im Küstenbereich beeinflusst wird. Auf Schwimmer hat die Unterwasser-Welle wohl keine direkten Auswirkungen, erklärt Rafael Reiss auf TRAVELBOOK-Nachfrage. „Die stärksten Strömungen und Auf- und Abbewegungen der Wasserschichten finden sich in etwa 25 m Tiefe, also weit tiefer, als sich normale Schwimmer aufhalten.“ Taucher könnten die Temperaturunterschiede dagegen wahrnehmen. „Allerdings bewegt sich die Welle so langsam um den See, dass das kein dramatischer Temperatursprung ist, sondern eher eine gemächliche Veränderung darstellt“, erklärt Reiss.
Überraschende Entdeckung
Die Entdeckung der Unterwasser-Welle im Genfersee war überraschend und verwunderlich zugleich. Denn eigentlich hätte sie schon längst auffallen müssen, da der See zu den am besten erforschten der Welt gehört. Reiss kommt zu dem Schluss, dass ein Grund dafür sein könnte, dass bisher nicht an der richtigen Stelle gemessen wurde.
Denn am falschen Punkt platziert, können die Sonden lediglich ein oder zwei der charakteristischen Schichten erfassen – nicht aber alle drei, die die neue Wellenform ausmacht.
Die Forscher sind sich allerdings sicher, dass die V2-Kelvin-Wellen auch in anderen Seen zu finden sind. Etwa in Gewässern, die ähnlich groß und tief wie das Genfer Binnengewässer sind. Heißer Kandidat sei der Bodensee, heißt es.