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In der Karibik

„Ernsthafte Bedrohung“ – historische Algenplage an Mexikos Traumstränden

Tulum Algenplage Mexiko
Das Ausmaß der dramatischen Algenplage in Mexiko wird bei diesen beiden Fotos von der Playa Paraíso bei Tulum besonders deutlich Foto: Collage / Getty Images und iStock/loeskieboom

Denkt man an Mexikos Sehnsuchtsorte an der Karibikküste, tauchen direkt Traumstrände vor dem inneren Auge auf. Doch in der Realität gibt es neben der hohen Kriminalitätsrate einen weiteren offensichtlichen Störfaktor: Ein Riesen-Seealgen-Teppich legt sich immer wieder über den schönen Sand und wird zur ernsthaften Bedrohung für Umwelt und Tourismus.

Tonnen von Algen begraben den feinen, goldenen Sandstrand an Mexikos Stränden der Yucatán-Halbinsel unter sich. Verrotten sie, riecht es faulig, genauer nach Schwefel respektive Abwasser. Baden im Paradies? Fehlanzeige: Nur Hartgesottene bahnen sich ihren Weg durch die stinkenden Algenhaufen und durch das eigentlich kristallklare Wasser, das nun bräunlich eingefärbt ist. In diesem Jahr ist es so schlimm wie nie zuvor – nun hilft laut „Euronews“ sogar Mexikos Marine im Kampf gegen die Algenplage.

Algenplage in Mexiko: Seit mehr als 10 Jahren ein Problem

Eine spezielle Gattung des Seetangs verursacht all diesen Ärger im Urlaubsparadies: Sargassum oder Golftang – eine Gattung der Braunalge. Golftange wachsen in warmen, tropischen Gewässern und bilden vor allem für Fische, kleine Krabben, Aale und Schildkröten einen wichtigen Lebensraum: „Als vielfältiges Habitat sind sie von großer Bedeutung. Daher sprechen wir in Bezug auf die Golftange auch manchmal von goldenen Wäldern“, erklärt Chuamin Hu, Professor für optische Ozeanografie an der University of South Florida in Tampa gegenüber „National Geographic“. Für Vögel sind diese „goldenen Wälder“ ein wahres Buffet.

Doch angesichts der Algenplage in Mexiko fällt es schwer, auf all die guten Seiten von Sargassum zu fokussieren. Die Braunalgen werden seit 2011 in ungewöhnlich großen Massen an der Karibik-Küste angeschwemmt.

Tulum Algenplage
Fischerboote bei Tulum: Für viele ist die aktuelle Algenplage ein Ausschlusskriterium für den UrlaubFoto: Getty Images

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Eine „ernsthafte Bedrohung“

Seit einigen Jahren schwimmt im Atlantischen Ozean das größte Braunalgen-Feld der Erde, der sogenannte Große Atlantische Sargassum-Gürtel. Laut „National Geographic“ konnten Wissenschaftler mithilfe der Daten von NASA-Satelliten im Jahr 2018 einen „Sargassum-Gürtel identifizieren, der sich im Atlantik von Westafrika bis zum Golf von Mexiko über eine Länge von 8850 Kilometern erstreckte und aus mehr als 20 Millionen Tonnen Golftang-Biomasse bestand.“ 8850 Kilometer: Das entspricht in etwa der Strecke von Berlin nach Windhoek, Namibia.

An Land angespült – insbesondere während der Sargassum-Blüte von April bis August – begraben die Algen Leben unter sich und verhindern, dass Schildkröten an Land kommen oder nach der Eiablage ins Meer zurückkehren können. Oft schirmen die Algen-Teppiche das Sonnenlicht von Korallenriffen ab und die beim Verrotten entstehenden chemischen Verbindungen stinken nicht nur, sondern sind auch schädlich für das Leben im Meer.

Menschen leiden vor allem unter dem Gestank, der zudem Übelkeit und Kopfschmerzen auslöst. Schwimmen ist oftmals unmöglich.

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Algenplage ist „neue Normalität“

Das Problem scheint derweil nicht lösbar: „Wir haben es hier nicht mit Episoden zu tun, sondern mit einer neuen Normalität“, erklärte Hu bereits im letzten Jahr gegenüber „National Geographic“.

Mexiko ist mit am stärksten von der Algenplage betroffen: In vielen touristischen Regionen rund um die Riviera Maya, Playa del Carmen, Tulum und Cancun sind die karibischen Traumstrände derzeit nur ein Postkartenmotiv. Die mexikanische Regierung hat schon viel Geld in die Beseitigung gesteckt, doch es ist eine beispielhafte Sisyphos-Arbeit: Man ist nie fertig.

Die spanische Bank BBVA warnt vor einer „ernsthaften Bedrohung“ hinsichtlich der Erholung des Tourismus in Zeiten nach der Corona-Pandemie. Kein Wunder: Für viele Urlauber ist das Seegras ein klares Ausschlusskriterium. Zudem ist die Beseitigung ohnehin kaum zu stemmen und enorm kostspielig.

Über die Ursachen für das starke Wachstum und die Folgen für die Umwelt diskutiert die Fachwelt. Laut „Euronews“ machen Forscher mehrere Faktoren verantwortlich, darunter den Klimawandel, menschliche Abwasser, landwirtschaftliche Abflüsse oder Dünger, der aus dem Amazonas-Gebiet ins Meer gelangt.

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