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Mexiko Peace Index

Wo Mexiko am gefährlichsten ist – und wo sicher

Mexiko Peace Index 2020
Wie sicher oder gefährlich ist Mexiko aktuell? Der Mexiko Peace Index 2020 gibt Auskunft über die Situation im Land.Foto: Institute for Economics and Peace

Wie sicher oder gefährlich ist es eigentlich in Mexiko? Der Global Peace Index gibt jedes Jahr einen Überblick darüber, wie und wo es auf der Welt friedlicher geworden ist – und wo unfriedlicher. Mexiko hat seinen eigenen Index. Und der besagt, dass sich die Lage in dem Land 2020 weiter verschlechtert hat. TRAVELBOOK fasst die Ergebnisse zusammen.

Mexikoreisende freuen sich auf beeindruckende Maya-Stätten, wunderschöne Strände, köstliches Essen und eine bunte Kultur. Leider hat das Nachbarland der USA auch eine Schattenseite: Kriminalität und Gewalt sind an der Tagesordnung, in diesem Jahr sogar noch ausgeprägter als im Vorjahr. So ist es kaum erstaunlich, dass das Land 2020 weiterhin auf den unteren Rängen der friedlichsten Länder der Welt rangiert: auf Platz 137 von insgesamt 163. Die Friedensstatus in Mexiko gilt damit weiterhin als „niedrig“. So steht es im aktuellen Global Peace Index (GPI), der jährlich vom Institute for Economics and Peace (IEP) herausgegeben wird.

Doch was bedeutet das für Touristen? Wie hoch ist die Kriminalität wirklich? Und in welchen Regionen ist es  vielleicht sogar sicher? Eine detaillierte Auskunft gibt der Mexiko Peace Index (MPI), eine Teilstudie des Global Peace Index, die den Fokus ausschließlich auf dem Land hat und auch die einzelnen Bundesstaaten untersucht.

Kriminalität nimmt zu

Die Zahl sexueller Übergriffe wuchs um 18,3 Prozent und auch die Waffengewalt nimmt zu. Gleichzeitig steigt die Zahl der Morde im Vergleich zum letzten Index nur gering, um 1,4 Prozent. Dennoch ist die Tötungsrate weiterhin sehr hoch. 2017 hatte Mexiko bereits 24 Todesfälle auf 100.000 Menschen und 29.000 Getötete insgesamt. 2019 waren es sogar 35.000 ermordete Menschen, 28 pro 100.000.

Die Mordrate ist in Mexiko seit 2015 um 86 Prozent gestiegen. Der Grund sind Konflikte innerhalb und zwischen kriminellen Organisationen. Laut dem Index ist Mord heute die häufigste Todesursache von Menschen im Alter zwischen 15 und 44, bei Kindern zwischen fünf und 15 Jahren ist es der vierthäufigste Todesgrund.

Wo ist es in Mexiko sicher?

Grundsätzlich wird in ganz Mexiko zur Vorsicht geraten, denn die Sicherheitslage ist fragil und kann sich jederzeit verschlechtern. Gleichzeitig variieren die Bedingungen aber auch innerhalb der 32 Bundesstaaten. Einzeln betrachtet haben sich 23 von ihnen im letzten Jahr verschlechtert, in neun ist die Lage heute besser.

Mexico Peace Index 2020
Der Mexiko Peace Index vom Institute for Economics and Peace zeigt, wie die Sicherheitslage in den einzelnen mexikanischen Regionen istFoto: Institute for Economics and Peace

 Für Urlauber hat die Halbinsel nicht nur zahlreiche schöne Strände, sondern auch einige der bedeutendsten Maya-Ruinenstätten wie Chichén Itzá und Uxmal zu bieten. Ebenso wie einen Drehort der TV-Show „Der Bachelor”.

Wie Yucatán sind auch Tlaxcala und Campeche ein wenig unfriedlicher geworden und zeigen so, wie weitreichend die Verschlechterung der Situation im Land ist. Die Regionen bleiben aber weiterhin für Touristen interessant. In Campeche lockt zum Beispiel die ehemalige Maya-Stadt Edzná. Im Südosten, an der Grenze zu Quintana Roo, liegen die Ruinen der Río-Bec-Gruppe (die größte davon Xpuhil) mit den sogenannten „Scheinpyramiden“. Ebenfalls beliebt bei Urlaubern ist Chiapas. Sehenswert sind hier San Cristóbal de las Casas, früher auch Ciudad Real genannt, und die dem Weltkulturerbe zugehörige Ruinenstadt Palenque aus der klassischen Mayazeit. Spannend ist auch die Natur mit ihrer überaus üppigen Artenvielfalt.

Achtung in diesen Regionen!

Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass Reisen „in einige Regionen Mexikos (…) vermehrt die Gefahr [bergen], in die Hände der Organisierten Kriminalität zu geraten oder aber in teils schwere bewaffnete Auseinandersetzungen von Kartellen und Banden mit staatlichen Sicherheitskräften.“ Laut MPI bleibt Baja California weiterhin die gefährlichste Region des Landes, gefolgt von Colima, Quintana Roo, Chihuahua und Guanajuato. Mit Ausnahme von Quintana Roo liegt die Mordrate in diesen Staaten bei mehr als 49 Toten pro 100.000 Menschen, was als extrem eingestuft wird.

Laut dem Index stürzten alle fünf unsichersten Staaten weiter ab, während die Zahlen der organisierten Kriminalität anstiegen. Gleichzeitig zeigt der beliebte Hotspot der US-Promis, Baja California Sur, die größte Verbesserung seiner Mordrate, die er sie um die Hälfte (jetzt 10,3 pro 100.000) reduzieren konnte. Morelos hat sich laut den MPI-Machern insgesamt am extremsten verschlechtert: Die organisierte Kriminalität wuchs hier um 193 Prozent. In Colima ist die Tötungsrate seit 2016 mexikoweit am höchsten. Das Auswärtige Amt rät dringend von Reisen in den Bundesstaat ab, mit Ausnahme von Manzanillo.

Das Gleiche gilt für Tamaulipas und Sinaloa, obwohl beide sich in den letzten fünf Jahren so stark verbessert haben, dass sie nicht mehr unter den fünf Letztplatzierten rangieren. Für Sinaloa erklärt das Amt die Zona Dorada und das historische Zentrum von Mazatlán zur einigermaßen sicheren Ausnahme, solange man direkt dorthin und weg fliegt oder über die Bahnstrecke „El Chepe” anreist. Ähnliches gilt für Guerrero, das fast komplett gemieden werden sollte. Hier gelten als Ausnahmen Ixtapa-Zihuatanejo (solange die An- und Abreise mit dem Flugzeug erfolgt) und Taxco, wenn die Reisenden nur tagsüber an- und abreisen. Außerdem sollten Reisende im Bundesstaat Michoacán alle Gebiete westlich der Landeshauptstadt Morelia ignorieren und sich von der Grenzregion zu den USA fern halten.

Zumindest bei einigen dieser Bundesstaaten könnten Ihnen die Ohren klingeln: So ist Sinaloa unter anderem für das gleichnamige Sinaloa-Kartell bekannt und Guerrero hat mit Acapulco die Stadt mit der zweithöchsten Mordrate weltweit. Höher ist die nur in Tijuana in Baja California – und an der Grenze zu den USA.

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Auch wenn manche Regionen gefährlicher sind als andere, ist die Kriminalität in Mexiko generell sehr hoch. Vorsicht ist immer und überall geboten. Doch keine Panik! Wer sich an einige Verhaltensweisen hält und den Hinweisen des Auswärtigen Amts folgt, kann das Risiko selbst schon einmal minimieren.

Mexikaner fürchten Unsicherheit

Die größte Sorge der Mexikaner selbst ist die Unsicherheit. Diese Angst liegt laut dem Index bei 67 Prozent und ist damit stärker ausgeprägt als die Furcht vor Arbeitslosigkeit, Inflation, Korruption oder Straffreiheit. Das Gefühl von Unsicherheit hat in den letzten Jahren stetig zugenommen, während weniger regierungsgesteuerte Aktionen gegen die unsichere Situation wahrgenommen werden.

Gleichzeitig ist Korruption wohl der Faktor, der dem Frieden im Land mit am meisten im Weg steht und auch von den Bewohnern als sehr präsent und steigend empfunden wird. An der Spitze der korrupten öffentlichen Ämter stehen nach nationaler Wahrnehmung die Richter und Gemeindepolizisten. Dass die Regierung etwas gegen die Korruption unternimmt, bekommen nur zehn Prozent der Bevölkerung mit. Und auch Aktionen der Regierung gegen den Drogenhandel werden in den letzten fünf Jahren immer weniger registriert.

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Schlimme Wirtschaftsfolgen und Hoffnungsschimmer

Laut dem Index hat die Gewalt große Auswirkungen auf die Wirtschaft Mexikos: 4,57 Billionen Pesos (umgerechnet etwa 176 Milliarden Euro) Verlust. Im Vergleich zum Vorjahr ist das zumindest 0,3 Prozent besser. Dennoch kostet die Gewalt Mexiko achtmal so viel, wie das Land in das Gesundheitssystem investiert und sechsmal so viel, wie die Bildungsausgaben. Pro Kopf gerechnet verschlingt die Kriminalität fünfmal so viel Geld, wie ein durchschnittlicher mexikanischer Arbeiter verdient. Nach Meinung der MPI-Macher könnte Mexiko mit einer Verringerung der Mordrate um zehn Prozent 219 Milliarden Pesos sparen.

 

Bei aller Gewalt gibt es aber auch Grund zur Hoffnung: Im Positive Peace Index, einem Teil des Global Peace Index, rankt Mexiko auf Platz 67 von 163 weltweit und Platz fünf in Zentralamerika und der Karibik. Damit zeigt das Land klar, dass das Potenzial für Verbesserung da ist. Indizien dafür sind unter anderem die Verbesserung des freien Informationsflusses und des soliden Geschäftsumfelds.

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